Als Traktoren noch angeheizt werden mussten

Von: Sarah Maria Berners
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Der Mercedes unter den Traktor
Der Mercedes unter den Traktoren: Platzwart Aaron Valter macht mit Stella und Levi eine Probefahrt auf einem Oldtimer-Traktor der Schweizer Firma Hürlimann. Foto: Berners

Großhau. „Damals ist den Bauern diese Technik zu lästig geworden”, erinnert sich Franz-Josef Feuser. „Und heute stehen sofort 30 Mann um den Traktor herum, wenn er angeworfen wird”, ergänzt Helmut Steinbrecher vom Arbeitskreis Alte Schule Großhau.

Die Rede ist vom guten, alten Lanz Bulldog. Der fasziniert Traktorfans besonders. Aufsitzen, Schlüssel rein, drehen und losfahren - das funktioniert bei den Oldtimern nicht. Die Lanz-Bulldog-Traktoren müssen in einer aufwändigen Zeremonie mit einer Art Lötlampe angeheizt werden. Das interessiert heute, wo Traktoren mit Joysticks und Computern ausgestattet sind, mehr denn je. „Das sind die Traktoren, die damals die Pferde ersetzt haben”, sagen die Traktorliebhaber und schwelgen in Erinnerungen.

Mehr als 100 Oldtimer-Traktoren sind zum 11. Trecker-Treff in Großhau gekommen. Manche haben einen Wert von 2000 Euro, andere könnte man gegen einen Mittelklassewagen tauschen. Wo ein großes Trecker-Treffen ist, da treiben sich immer wieder auch ungebetene Gäste herum. „Es gibt Diebe, die es auf einzelne Teile der Traktoren abgesehen haben, weil sie diese selbst für die Restaurierung ihrer Traktoren gebrauchen können”, erzählt Platzwart Aaron Valter. Eine Nachtwache sorgt in Großhau dafür, dass die liebevoll restaurierten Traktoren auch am nächsten Tag noch vollständig sind.

Beinahe so viel bestaunt wie die Lanz Bulldogs wird beim Trecker-Treff der frisch polierte, feuerrote Hürlimann, ein Schweizer Modell und wie die Kenner sagen: der Mercedes unter den Traktoren. „Der ist gemacht für die Ewigkeit”, schwärmen die Treckerfans. Unter den Schlepperliebhabern sind solche, die einfach nur mit einem restaurierten Traktor durch die Lande tuckern wollen, und solche, die in der Freizeit am liebsten sofort zum Werkzeug greifen, um alte Traktoren auseinanderzunehmen und in monate- oder jahrelanger Arbeit wieder in Schuss zu bringen.

„Für mich haben aber auch die rostigen Traktoren einen besonderen Charme, denen man ansieht, dass sie seit vielen Jahrzehnten im Wald und auf Wiesen gearbeitet haben”, erzählt Helmut Steinbrecher mit Blick auf einen alten Hanomag. Traktor vernarrt sind aber nicht nur die Großhauer Männer. Elvira Hamer hat das Hobby von ihrem Mann übernommen. Ihr Lieblingstraktor ist ein Kramer. „Ich nenne ihn immer meinen Damentraktor”, erzählt sie. Mit dem fährt sie im Nachbarort einkaufen und mit den Enkelkindern spazieren. „Und egal, wo ich bin: Es stehen fast immer Kinder oder Erwachsene daneben und schauen sich den Traktor an”, erzählt Elvira Hamer. Aus irgendeinem Grund würden Traktoren eben alle Generationen faszinieren und verbinden. Das wird auch beim Trecker-Treff in Großhau deutlich. Die Männer sind zwar eindeutig in der Überzahl, aber die Generationen sind bunt gemischt.

Franz-Josef Feuser nimmt gerade einen Bulldog unter die Lupe. Schon an den Felgen kann er erkennen, welches Modell das ist. „Ach wissen Sie”, sagt er, „das sind doch die Traktoren, die alle hatten, als ich noch ein kleiner Junge war. Bei dem hier geht die Kupplung übrigens sehr schwer.”

Schon als Junge konnte Franz-Josef Feuser die Traktoren aus dem Heimatdorf unterscheiden - am Klang. In der Schule sprang er immer auf und lief ans Fenster, wenn er den Trecker seines Vaters hörte. Auf den Klang achtet er noch heute. Er muss nicht aufschauen, um zu wissen, welcher Bauer gerade an seinem Haus vorbei fährt. „Die klingen alle unterschiedlich”, sagt er, als wäre es selbstverständlich.

Und während Feuser kritisch einen Bulldog beäugt, der keinen „Kamin” hat, kommt Alois Esch hinzu. „Den Alois” kennen alle, die regelmäßig bei Trecker-Treffs sind. Der Rentner aus Schleiden-Morsbach ist, wie man so schön sagt, ein „Orjinal”. Schon am Mittwoch ist er mit seinem Traktor und dem umgebauten Bauwagen durch die Eifel getuckert und hat sich in der Wohnwagenstadt eingerichtet. „Neben den Fachsimpeleien und den Traktoren, geht es uns doch um die Geselligkeit und um die Freundschaft”, erzählt er. Dann widmet er sich wieder seinem Traktorfreund aus dem Zülpicher Raum. Der weiß nämlich nicht, was eine Kulissenschaltung ist.
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