Woffelsbach - Als die Mobilität Woffelsbach in den Bann zog

Als die Mobilität Woffelsbach in den Bann zog

Von: P. St.
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Dorfhistoriker Walter Lauscher hat sich in einer Fotoausstellung der Motorisierung seines Heimatortes gewidmet. Zur Ausstellungseröffnung fanden sich auch einige Oldtimer ein. Foto: P. Stollenwerk

Woffelsbach. Einer Fotoausstellung über die Motorisierung in Woffelsbach würden ein paar echte Autos aus vergangenen Tagen nicht schlecht zu Gesicht stehen. Das dachte sich auch der Woffelsbacher Dorfhistoriker Walter Lauscher, als er im historischen Backes in der Oberhausener Straße anlässlich der Veranstaltung „Ne Daach in Woffelsbach“ knapp 60 Fotos aus dem vergangenen Jahrhundert präsentierte, in deren Mittelpunkt der Beginn des aufkommenden Fahrzeugverkehrs im Dorf am Rursee steht.

Zum Auftakt der Ausstellung, die noch bis zum kommenden Wochenende zu sehen ist fanden sich auch eine Handvoll Oldtimer im gepflasterten Hof des historischen Fachwerkhauses mit Backhaus ein, die für Walter Lauscher die perfekte Kulisse für seine liebevoll arrangierte Fotoausstellung boten, zumal ein Motiv der Ausstellung sein erstes Auto aus dem Jahr 1966 zeigt, einen 500er Fiat, damals wie heute eine echte Rarität.

Spontan wurde auch eine kleine Oldtimer-Rundfahrt durch Woffelsbach gestartet, angeführt von Zweirad-Nostalgiker Kunibert Lutterbach aus Woffelsbach mit seiner DKW, Baujahr 1958. Die beiden nachfolgenden VW-Käfer, ein schicker Mercedes und ein stattlicher schwarzer Opel Kapitän mit Weißwandreifen, alle aus den 1960er Jahren, verzückten die vielen Besucher in Woffelsbach.

Zum dritten Mal stellt Walter Lauscher historische Aufnahmen im Woffelsbacher Backes aus. Bereits seit zehn Jahren präsentiert der 71-jährige jährlich eine kleine Zeitreise mit Fotografien aus seinem Heimatort. In guter Erinnerung sind noch seine Sammlung zum Thema 500 Jahre Woffelsbach und zuletzt die Ausstellung „Woffelsbach – damals und heute“, als er historischen Vorkriegsaufnahmen von Walter Scheibler aktuelle Dorfansichten gegenüberstellte.

Die jetzige Fotoausstellung über die Motorisierung in Woffelsbach ist nicht nur ein interessanter Blick zurück auf die touristische Entwicklung des Rurseeortes, sondern sie zeigt auch, dass es früher keineswegs selbstverständlich war, problemlos ein kleines Eifeldorf anzusteuern. „Vor 100 Jahren war es nicht möglich, mit einem Fahrzeug nach Woffelsbach zu gelangen“, erzählt Walter Lauscher.

Es gab keine befahrbare Straße, nur ein paar Hohlwege führten ins Rurtal zu einer Zeit, als der Bau der Rurtalsperre (1934-38) noch in weiter Ferne lag. Erst 1928 wurde eine Straße nach Rurberg gebaut. Die beiden Orte wussten sehr wohl von ihrer gegenseitigen Existenz, aber erreichbar waren sie nur zu Fuß.

Der Ort veränderte sich

Überwiegend aus Woffelsbach stammen die Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Ausstellung. Die Originale wurden Walter Lauscher von Dorfbewohnern aus ihren Familienalben zur Verfügung gestellt. Alle vergrößerten Fotos stellen einen direkten Bezug zur Motorisierung Woffelsbachs dar, in einer Zeit als Kraftfahrzeuge und Motorräder im Dorf noch staunende und bewundernde Blicke hervorriefen und die Menschen eine neue Mobilität erfuhren. Zum Teil bedeutete es für Lauscher erhebliche Recherchearbeit, um die zahlreichen Motive und Personen exakt zuordnen zu können.

Die Ausstellung zeigt aber auch eindrucksvoll, wie der kurz vor dem Zweiten Weltkrieg abgeschlossene Bau der Rurtalsperre den Ort Woffelsbach veränderte, der insbesondere in den zwei Jahrzehnten nach Kriegsende als Naherholungsziel Nummer eins in der Region Aachen galt.

„Es war keine Seltenheit, dass an einem Wochenende im Sommer zwischen 1000 und 1500 Besucher zum Zelten an den See kamen“, erzählt Walter Lauscher. So zeigt eine Aufnahme (ca. 1955) des legendären Eifelfotografen Erich Justra aus Heimbach eine Szene, die auf den ersten Blick an ein Popfestival erinnert. Hunderte Fahrzeuge und Zelte stehen unmittelbar am Rurseeufer, und die Menschen genießen die naturnahe Sommerfrische.

Die Betriebsamkeit am Rurseeufer aber blieb nicht ohne Folgen. Walter Lauscher berichtet, dass an einem Sonntag einmal gleich drei Besucher im Rursee bei Woffelsbach ertranken.

Ergänzend zur Ausstellung finden sich in mehreren Sammelalben auch eine Unmenge von Motiven aus alter Zeit – angefangen von einem Fahrgastschiff der Rurseeschifffahrt mit Hakenkreuzflagge bis hin zu Momentaufnahmen vom Talsperrenbau.

 

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