Monschau - Als die Fahrer ins Belgenbachtal „hineinschossen“

Als die Fahrer ins Belgenbachtal „hineinschossen“

Von: P. St.
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Von Düren kommend führte die Tour de France vor 51 Jahren durch Imgenbroich und Monschau und Über Mützenich in Richtung Eupen.
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So sah es 1965 aus: Die 52. Tour de France führte quer durch die Nordeifel. Im damals noch nicht ausgebauten Belgenbachtal kurz vor Imgenbroich war die Begeisterung der Zuschauer an de schmalen Strecke besonders groß.

Monschau. „Mützenich 600 Meter Höhe, gute Fahrt!“ Ein Transparent mit dieser Beschriftung hatte die sportlich begeisterte Ortsbevölkerung des Venndorfes am Dienstag, 22. Juni 1965, in Höhe der Kirche an der Eupener Straße ausgerollt.

Hoher sportlicher Besuch hatte sich an diesem Nachmittag kurz nach 15 Uhr in Mützenich angesagt, denn das Fahrerfeld der legendären Tour de France rollte durch Mützenich und viele andere Eifelorte. Das berühmteste Radrennen der Welt, 1903 erstmals gestartet, war war vor gut 50 Jahren in der Eifel seit Tagen das Gesprächsthema Nummer eins.

1992 nochmal in der Region

Dann war die Tour auch am 12. Juli 1992 noch einmal in der Region, als das Fahrerfeld durch die Aachener Innenstadt flog. Vom niederländischen Valkenburg führte die damalige achte Etappe durch das Aachener Grenzland und den Kreis Düren und endete schließlich in Koblenz.

Entlang des Aachener Elisenbrunnens hatten die Zuschauer gerade einmal 40 Sekunden das Vergnügen, dann waren die vier Ausreißer und das kurz dahinter folgende 190-Mann-Peloton schon wieder aus dem Blickfeld verschwunden. Insgesamt strömten damals etwa 130.000 Menschen auf die Straßen der Region, um das Rennen hautnah mitzuerleben.

Im Blickpunkt stand die Tour auch in dieser Woche, seitdem die Veranstalter nach langer Pause erneut die Grenzregion in den Streckenplan aufgenommen haben, Die 104. Auflage der bedeutendsten Radsportveranstaltung der Welt wird am 1. Juli 2017 gestartet und geht über 3560 Kilometer und 21 Etappen.

Die 1. Etappe startet mit einem Einzelzeitfahren über 13 Kilometer in Düsseldorf. Auch die zweite Etappe startet in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt, anschließend führt der Kurs in Richtung Mönchengladbach. Danach orientiert sich das Feld in einem südlichen Kurs Richtung Düren, Würselen und Aachen, ehe der Tagesabschnitt nach 202 Kilometer im belgischen Lüttich endet.

Sicherlich werden sich viele Radsportbegeisterte an Sonntag, 2. Juli 2017, wieder an der Strecke einfinden, und während des langen Wartens auf das Feld sich auch noch einmal an den Sommer 1965 erinnern als die 52. Tour de France durch die Nordeifel rollte. Auch damals kamen die Fahrer auf der ersten Etappe Köln - Lüttich aus Richtung Düren.

Es ging über Hürtgen, Vossenack, hinunter ins Kalltal, dann über Rollesbroich, Simmerath, Imgenbroich, Mützenich weiter nach Eupen. Beim Start in Köln hatte Kardinal Frings das 130-köpfige Fahrerfeld gesegnet.

Lokalreporter vor Ort

Die Tageszeitungen in der Nordeifel waren an jenem Juni 1965 selbstverständlich auch am Start. Der Lokalreporter hatte Position im Belgenbachtal bezogen an der damals noch nicht ausgebauten schmalen Straße, die steil hinauf nach Imgenbroich führte. An seinen Beobachtungen vom Streckenrand lässt er den Leser mit ebenso blumigen wie ironischem Unterton teilhaben.

Da lästert er über einen aus Aachen angereisten Kegelverein („Eine Sprache haben die Aachener ja....“) oder er zeigt sich erstaunt über die Reklame-Kolonne, die kleine Portionen Schokolade, Gänseleberpastete oder Fähnchen in die Zuschauerreigen wirft („Die Frauen ließen ihre Kinder am Straßenrand zurück... Die Polizisten hatten Arbeit, die Straße für den nächsten Konvoi wieder freizukriegen. Und die Fahrer dieser Wagen suchten sich mit quietschenden Reifen einen Weg durch die Massen.“)

Der Reporter spricht von einem „unvergleichlichen Bild, wie die Fahrer auf einem Haufen ins Belgenbachtal hineinschossen und dann auf der anderen Seite nach Imgenbroich hochtrampelten, immer wieder schaltend.“ Nur wer in führender Position war, hatte er nicht ausmachen können, dafür fehlte wohl die Fachkenntnis. Belgiens Spurtstar Rik van Looy war es, der nach 151 in Lüttich siegte und erster Träger des gelben Trikots wurde.

Dass die Begeisterung an diesem Tag im Belgenbachtal in der Tat groß war, kann auch ein Zeitzeuge bestätigen. Theo Steinröx aus Konzen war damals 16 Jahre alt und im dritten Lehrjahr bei der Firma Junker beschäftigt. Die Lehrlinge wurden für eine Stunde freigestellt, um hautnah dabei sein: „Radsport war zu dieser Zeit dank der deutschen Spitzenfahrer wie Rudi Altig, Hennes Junkermann oder Rolf Wolfshohl sehr populär.“

Theo Steinröx erinnert sich noch gut an die in dichten Reihen direkt an der schmalen Strecke stehenden Zuschauer. „Das war ein großartiges Ereignis in einer Zeit, wo es noch nicht so viele Veranstaltungen in der Eifel gab.“

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