Alltagserleben auf den Punkt gebracht

Von: P. St.
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Gerne signierte Jan Weiler am Büchertisch der Roetgener Buchhandlung Lesezeichen seine Werke. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Prächtig und pausenlos unterhalten wurden am Freitagabend rund 350 Besucher bei einer kurzweiligen Lesung des Erfolgsautors Jan Weiler. Bei der abschließenden Veranstaltung des 14. Kulturfestivals der Städteregion Aachen im Roetgener Bürgersaal (der Autor begrüßte an diesem schwülen Gewitterabend die Gäste in der „Gemeinschaftssauna“) durften sich Besucher bei leichter Lesekost köstlich amüsieren.

Der 49-jährige Journalist (zuletzt war er Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung) ist seit 2005 freier Schriftsteller und trifft mit seinen Romanen und Kolumnen so exakt den Zeitgeist, dass seine Lesergemeinde sprungartig wächst.

Mit dem Roman „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“, der die Kollisionen deutscher und italienischen Mentalität und alle damit verbundenen Klischees genüsslich auskostet, lieferte er die Vorlage für die gleichnamige deutsche Filmkomödie aus dem Jahr 2009, die ein Kinohit wurde.

Nach der Lesung in Roetgen begann für den überaus lesefleißigen Autor auch die Sommerpause. Mit seinem jüngsten Buch „Im Reich der Pubertiere“, das den Kern der Lesung bildete, gibt Jan Weiler ebenso bissige wie auch treffende Einblick in die Befindlichkeit von Halbwüchsigen, die das Nervenkostüm der Eltern strapazieren.

Diese Situation ist dem Leser in der Regel hinreichend bekannt. Und so ist auch der Wiedererkennungswert für die Zuhörer enorm hoch. Sohn Nick (13) und Tochter Carla (17) spielen die Hauptrollen im Buch und verkörpern das Alltagsleben in einer ganz normalen Familie. Die Langzeitstudien im „Pubertier-Labor“ streifen das gesamte Spektrum der Kinderziehung, von Elternabenden bis hin zu Kommunikationsstörungen. Jan Weiler liefert keine Literatur von Weltrang, aber er beherrscht sein Metier und versteht sich auf die große Kunst des Vortrags vor Publikum. Manchmal nimmt seine Darbietung geradezu kabarettistische Züge an, und für die Zuhörer vergeht die Zeit wie im Flug.

Auch pädagogische Ratschläge lässt Weiler einfließen und hat die für sich einzig wahre und wirksame Drohung für die pubertierende Tochter herausgefunden, die da lautet: „Wenn Du das nächste Mal Besuch hast, komme ich ohne anzuklopfen in Dein Zimmer und sage ‚Papa Checker ist in the house.“

Hintergründig, treffend, lebensnah, sympathisch entlarvend und pointiert bringt Jan Weiler seine Alltagswahrheiten unters Volk. Mit diesem Erfolgsrezept begeisterte er auch das Publikum in Roetgen restlos.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Städteregionsrat Helmut Etschenberg auf die zwölf Veranstaltungen des zu Ende gehenden Kulturfestivals mit zusammen rund 12 000 Besuchern zurückgeblickt. Dass das Festival im kommenden Jahr seine 15. Auflage feiern könne, sei vor allem dem Engagement und Hartnäckigkeit der Organisatorin Dr. Nina-Mika Helfmeier zu verdanken. Besonders die Foto-Ausstellungen von Weltrang im Monschauer KuK zählten zu ihren besonderen Verdiensten.

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