Simmerath - „Alles nur geklaut“: Wenn Thomas J. Lennartz Literatur liest

„Alles nur geklaut“: Wenn Thomas J. Lennartz Literatur liest

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Unter erheblichem Körpereinsatz erklärt Lennartz seinen Zuhörern die Violine. Foto: Rita Plum

Simmerath. „Sie haben mir einen wunderschönen Abend bereitet“, resümierte Thomas J. Lennartz vor seinem zahlreich erschienenen Publikum nach fast zwei Stunden „Lennartz liest Literatur – Alles nur geklaut“.

Aber fangen wir vorne an, selbstverständlich bei der Erschaffung der Welt, einem bereits vor Jahrmillionen schwergeburtlichen Vorgang. Auch Thomas J. Lennartz machte es sich direkt zu Beginn mit dem gleichnamigen Stück von Hans Haller und Fritz Spielmann nicht leicht. Er sang es, durchaus versiert, die Oktaven wechselnd, die Töne haltend, sogar an mancher Stelle mit einem schüchternen Vibrato unterlegt, dass es eine Freude war.

Mit dem „Gesang zwischen den Stühlen“ von Erich Kästner, daraus „Die Entwicklung der Menschheit“, ging es weiter, zugegeben etwas ernüchternd mit der Quintessenz, dass bis heute kein großer Unterschied zwischen den menschlichen Zeitgenossen und den Affen auf den Bäumen auszumachen ist.

Gesundheit, Liebe, Technik

Darüber hinaus machte sich in Lennartz‘ Interpretation Hubert vom Venn nicht allzu schmeichelhafte Gedanken über die Eifler „Gesundheit“. Auch Torsten Sträter ging mit dem menschlichen Wohlergehen anhand seiner „Reise ins Ich – Die Darmspiegelung“ hart ins Gericht und verlagerte es sozusagen noch in viel tiefere Tiefen.

Aber auch die Themen Liebe, Bildung, Musik und sogar Technik ergänzten den wieder bunten Reigen von Kabinettstückchen aus Parodie und Kabarett. Hierzu seien die „Sommermädchenküssetauschelächelbeichte“ von Hans von Gumppenberg hervorgehoben und der „Leitfaden für Reiche – oder der gekonnte Umgang mit Fremdwörtern“ von Roda Roda, der sich leider als ein ungekonnter und tückischer entpuppte. Herausragend waren auch die „Violine“ von Gösing, in deren Klangkörper sich durchaus noch mehr Tiere als Frosch und Schnecke tummeln, und „Bumerang“ von Joachim Ringelnatz, in dem das Publikum noch stundenlang auf eine Rückkehr beziehungsweise auf ein Ergebnis warten muss.

Ganz anders erging es dem Publikum in der Gemeindebücherei, das dem Simmerather Journalisten, Marketingmann und Lektor mit viel Applaus, Lachen und im wahrsten Sinne des Wortes Mitgehen eine gute Auswahl der vorgetragenen Texte bestätigte. Diese war gar nicht so einfach gewesen, zumal sich Thomas J. Lennartz vorgenommen hatte, möglichst viele Wünsche aus dem Kreis seiner Familie und seiner Fans zu berücksichtigen.

Denn bereits zum fünften Mal präsentierte er sein „Alles nur Geklaut“-Programm, diesmal als Best-of-Variante. So rheinländerte, öcherte, wienerte, norddeutschte, denglishte, näselte und sprachfehlerte er sich durch einen äußerst humorvollen und kurzweiligen Abend der feinen literarischen und natürlich auch hochdeutschen Art. Dabei verzichtete er bewusst aufs „Eiflern“, denn das kann er nicht.

Das wird er auch gar nicht erst versuchen vor einer ihm zugewandten, aber in dieser Hinsicht auch kritischen regionalen Zuhörerschaft. Angesichts seines ansonsten umfassenden Sprachtalents und seiner glaubwürdigen, sensiblen und gekonnten Intonation verzeiht man ihm dieses Manko gern.

Thomas J. Lennartz ist eine feste Größe im Veranstaltungsprogramm der Gemeindebücherei Simmerath und der Freunde fürs Lesen. Wer ihn zusammen mit Hans Fabelje an der Gitarre in diesem Jahr noch einmal in der Bücherei erleben möchte, hat dazu am 3. Dezember im adventlichen Literaturkonzert Gelegenheit. Vorher jedoch stehen am 29. September die Abschlusspräsentation von Ergebnissen der dritten Schreibwerkstatt für Jugendliche und am 6. Oktober die musikalische Lesung „Schnell, dein Leben“ mit Sylvie Schenk und Heribert Leuchter auf dem Terminkalender.

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