Alles dreht sich um Harfen: „Eiflish Folk“ made in Kalterherberg

Von: Peter Stollenwerk
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An Harfen herrscht kein Mangel: Bei Renate und Gerd Müller in Kalterherberg dreht sich alles um das Thema Harfe. Foto: P. Stollenwerk
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Auch die Details müssen stimmen beim Harfenbau. Foto: P. Stollenwerk

Kalterherberg. Ein wenig Zeit sollte man schon mitbringen, wenn man zu den „Harfenmüllers“ möchte, denn sie ziehen es vor, dezentral zu leben und zu arbeiten. Am Ortsrand von Kalterherberg, Richtung Gut Heistert im Theißbaumweg, hat das aus Langerwehe stammende Ehepaar vor zweieinhalb Jahren sein neues Domizil gefunden.

Der Ausblick ist ungestört, unverbaubar und extrem beruhigend: Über eine Wiesenlandschaft schweifend hält sich der Blick an beiden Türmen des Eifeldoms fest. Vier Pferde traben über die Hauswiese, drinnen melden sich Papageien zu Wort. Das idyllische Landleben lässt grüßen.

Aber trotz der exotischen Vögel in einer Voliere sind es in der Regel andere Töne, die im Hause der Müllers zu hören sind. Bei dem Ehepaar dreht sich alles um eines der ältesten Musikinstrumente der Menschheit – die Harfe. Renate Müller (59) ist Musikerin und Musiklehrerin mit dem Schwerpunkt Harfe.

Gerd Müller (62) ist eigentlich gelernter Maschinenbauer, seit acht Jahren aber als Harfenbauer erfolgreich im Geschäft. Die Nachfrage wächst, und bis Mitte Mai muss der nächste Auftrag fertig sein. In seiner Kellerwerkstatt stehen ein Maschinenpark, Metallschablonen und abgelagertes Holz – Kirsch, Ahorn, Elsbeere und Nussbaum. Hier entstehen in filigraner Detailarbeit die neuen Harfen, die je nach Größe zwischen 450 und 2200 Euro kosten.

In Fachkreisen ist das Ehepaar Müller längst eine bekannte Adresse, denn viel mehr als ein Dutzend Harfenbauer dürfte es deutschlandweit nicht geben.

„Hier ist es wunderbar zu wohnen“, schwärmt Renate Müller, wäre da nicht die zweimal wöchentlich notwendige Fahrt nach Langerwehe, wo sie nach wie vor einen Teil ihrer Harfen- und Gitarrenschüler unterrichtet.

Unterricht gibt Renate Müller aber auch in Kalterherberg. Hier wurde sogar eigens ein Harfenzimmer eingerichtet. Teils von weither kommen die Schüler. Der Zuspruch aus der näheren Region könnte noch etwas intensiver sein, findet die Musiklehrerin.

Mit musikalischen Darbietungen beim Mühlenfest in Monschau bzw. beim Wirtschaftstag in Imgenbroich hat sie bereits auf sich aufmerksam gemacht, möchte aber nun mit einem weiteren Konzert in der Stadtkirche Monschau am 12. März (s. Box) erneut die Werbetrommel für die von ihr so bezeichnete Musikrichtung „Eiflish Folk“ rühren.

Damit ist auch schon gesagt, wo die musikalische Leidenschaft von Renate Müller liegt. Folkmusik aus fast allen europäischen Ländern, aber auch den USA, gehört zu ihrem Repertoire. Sie orientiert sich dabei an traditionellem Liedgut, bearbeitet die Melodien und verleiht ihnen eine eigene Note. Weder Gesang noch Instrumente werden elektrisch verstärkt. Die irische Musik spielt dabei ganz weit vorne mit. Wer jetzt an refrainlastige Trinklieder mit hohem Schunkelfaktor denkt, wird bei Renate Müller enttäuscht: „Die irischen Trinklieder werden eigentlich nur den Touristen vorgespielt. Die ursprüngliche Folkmusik klingt ganz anders.“

Auch der Harfenbau der Müllers in Kalterherberg orientiert sich an der Folkmusik von der grünen Insel, weshalb in der Werkstatt nur keltische Harfen entstehen.

Vor rund zehn Jahren entdeckte Renate Müller ihre Zuneigung zur Harfe; zuvor hatte sie zu Gitarre, Mandoline und Banjo gegriffen. Eigentlich wollte sie damals für ihren Sohn eine Geige kaufen, als ihr Blick in der Musikalienhandlung auf eine kleine Harfe fiel. „Diese Harfe hat mich irgendwie angesprochen und interessiert.“ Bei näherer Beschäftigung mit dem Instrument fand sie schnell heraus, dass sie nicht zur klassischen Konzertharfe tendiert. „Ich wollte, dass das Instrument irisch klingt“, sagt Renate Müller und verzichtete deshalb auf die ganz dicken Saiten.

Als sie den Harfenunterricht in ihr Programm aufnahm, merkte sie schnell, dass auf dem freien Markt kaum Instrumente zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung stehen. Das war dann der Moment, als Gerd Müller das Fach vom Maschinenbauer zum Harfenbauer wechselte. „Meine Frau brauchte preiswerte und praktische Instrumente.“

Ein Jahr lang probierte er aus, wie dieser Anspruch zu bewerkstelligen ist. Immer wieder musste er neu berechnen, wie die 20 bis 40 Saiten je nach Größe der Harfe idealerweise angeordnet werden müssen und welches Material das richtige ist. In dieser Zeit ging für ihn Probieren über Musizieren. „Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Rechnerei nie aufhört“, erinnert sich Gerd Müller, der selbst kein Instrument beherrscht. Seine Frau testete jeweils akribisch die neuen Kreationen. „Die Freiräume zwischen den Saiten und das Zupfgefühl müssen stimmen“, lautetet ihr kritischer Maßstab.

Der Versuch glückte, und seitdem hat schon so manche Harfe das Haus der Müllers verlassen, und an neue Schüler, die noch verunsichert sind, ob sie eine langfristige musikalische Beziehung mit der Harfe eingehen sollen, werden die Instrumente auch verliehen.

Mit der Harfe hat Renate Müller erst im fortgeschrittenen Alter das für sie ideale Instrument gefunden, und aktuell teilen etwa 20 Harfenschüler diese Leidenschaft mit ihr: „Die Harfe ist eines der ältesten Instrumente überhaupt und verbindet alle Länder. Sie zu spielen ist gut für die Koordination, und auf der Harfe kann man Musik regelrecht anfassen und verstehen.“ Harfe zu spielen sei „reine Kopfarbeit“ und im Gegensatz zur Gitarre auch entspannter. Gitarre oder Geige zu spielen sei oft mit Schmerzen verbunden.

Ganz anders klingt dagegen das Loblied von Renate Müller auf die Harfe: „Die Harfe tut keinem weh, man kann beim Musizieren gerade sitzen und sie klingt immer gut.“

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