Alemannia verschärft die Stadionordnung

Von: Achim Kaiser
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Die Aachener Fanszene ist zerr
Die Aachener Fanszene ist zerrissen. Beim Auftakt am Samstag gegen den FC St. Pauli soll die Fangemeinschaft wieder auf eine gemeinsame Basis gestellt werden: „Diese Basis kann nur lauten: bedingungslose Unterstützung für die Alemannia”, wünscht sich der Zweitligist. Foto: Imago

Aachen. Die Szenen von den prügelnden Fans auf dem Tivoli beim jüngsten Heimspiel gegen Aue sind Kristina Walther noch gut in Erinnerung. Dass die Leiterin des Aachener Fanprojekts aber bei der letzten Auswärtspartie der Alemannia im vergangenen Jahr selbst ins Visier rechtsextremer Fußballfans geriet, empfand sie als „Bedrohungssituation”.

In Braunschweig war ihr von pöbelnden Fans der Zugang zum Alemannia-Block verweigert worden: „Ich bin zwar nicht körperlich, aber verbal angegangen worden. Das war schon ein merkwürdiges Gefühl.”

Mehr als sechs Wochen sind seitdem vergangen. Nun ist die Winterpause vorbei, und am Samstag startet Alemannia Aachen auf dem Tivoli mit der Partie gegen den FC St. Pauli in den Rest der Rückserie. Der Zweitligist hat die Zeit genutzt, um sich Gedanken zu machen, wie die Fanszene beruhigt werden kann.

So sprach der Klub zahlreiche Stadionverbote aus und führte viele Gespräche. Aber auch die Stadionordnung haben sich Kraemer und Co. noch mal näher angeschaut. Sie war im Jahr 2009 beim Umzug in den neuen Tivoli gelockert worden. „Wir haben unser Hausrecht auf den Prüfstand gestellt”, sagt Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer.

Mit dem Ergebnis, dass die Stadionordnung um Punkte ergänzt worden ist, die besagen, dass Kleidungsstücke, die dem rechtsextremen Umfeld zuzuordnen sind, und provozierende Sprüche am Tivoli ab sofort nicht mehr zugelassen sind. Dazu zählen auch „Fahnen, Transparente und Aufnäher, deren Aufschrift Dritte aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung diffamieren” beziehungsweise „deren Aufschrift Symbole verfassungsfeindlicher Organisationen zeigt”.

Damit kehrt die Alemannia zurück zu der Stadionordnung aus dem Jahr 2007, wo sie sich im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit bereits klar positioniert hatte. „Ich denke, das ist eine gute Sache und gibt den Ordnern eine bessere Grundlage für ihr Handeln”, ist Kristina Walther überzeugt. „Wir haben jetzt eine noch bessere Handhabe, um Stadionverbote auszusprechen”, ergänzt Geschäftsführer Kraemer.

Auf eine großangelegte Aktion gegen Rechts oder Gewalt im Stadion will die Alemannia am Samstag jedoch verzichten. „Es wird keine Aktion oder Choreographie geben”, sagt Kraemer. „Aber wir werden im Tivoli-Echo eine Stellungnahme (siehe unten stehenden Artikel) veröffentlichen.” Darin sprechen sich verschiedene Fangruppierungen und Alemannia-Funktionsträger deutlich gegen Gewalt und Rassismus im Stadion aus.

Nach dem Stand von Dienstagnachmittag wollen allerdings die rechts unterwanderte Karlsbande und die antirassistischen Aachen-Ultras, Opfer der Fanangriffe im Heimspiel gegen Aue, dem Aufruf nicht folgen. Eine endgültige Entscheidung der beiden Gruppierungen steht noch aus.

„Diese Stellungnahme kann nur ein Anfang sein. Zu denken, mit der Unterschrift unter dem Aufruf ist alles gut, wäre falsch”, gibt die Leiterin des Fanprojekts zu bedenken.

„Völlig inakzeptabel”

„Wir haben die Verpflichtung, dass sich derartige Fanausschreitungen wie beim letzten Heimspiel gegen Aue nicht wiederholen”, unterstreicht Kraemer und fügt hinzu: „Wir werden keine Angriffe auf das Fanprojekt zulassen. So etwas ist völlig inakzeptabel.” Vielmehr brauche die Alemannia ein derartiges Projekt, das im Sinne einer positiven Fankultur wirke und auch mal kritische Fragen stelle.

Für die Fanprojektleiterin Walther ist nach den Vorfällen in Braunschweig klar, „dass momentan keine Gespräche mit der Karlsbande möglich sind”. Sie sei zwar im Ganzen keine ausschließlich rechtsextreme Gruppierung, sie lasse sich aber „politisch ausnutzen”.

„Mein Auftrag ist es, Dinge und Personen zu benennen, egal, ob es dem einen oder anderen passt oder nicht.” Einschüchtern lassen will sie sich auf keinen Fall. Ihre Botschaft lautet: „Ich weiche nicht zurück.” Für sie geht es am kommenden Samstag vor allem um die „atmosphärischen Stimmungen”. In welchen Block sie sich stellt, weiß sie noch nicht: „Das entscheide ich am Spieltag.”
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