Alemannia: Tränen, Wut und Verzweiflung

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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Fassungslose Gesichter: Auf die Zahlungsunfähigkeit ihres Lieblingsklubs reagierten viele Alemannia-Anhänger gestern Morgen vor dem Tivoli mit Tränen und Wut. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Verheulte Augen, verzweifelte Gesichter, schwarz-gelbe Schals. Man umarmt sich vor dem Stadion, tröstet sich, versucht sich Mut zuzusprechen. Aber eigentlich ist überall nur Kopfschütteln. „Ich habe heute Nacht kein Auge zugetan”, begrüßt eine Frau einen Mann. „Ich hatte Alpträume”, antwortet der. Ein paar Meter weiter lässt ein junger Mann seinen Tränen freien Lauf.

Es sind Dialoge und Szenen, wie man sie von Friedhöfen kennt, von Beerdigungen. Aber hier stehen die Leute vor einem Fußballstadion. Es ist Freitagmorgen, 10.30 Uhr, als der Treffpunkt Tivoli eine ganz andere Bedeutung erhält. Immer mehr Fans kommen zum Eingang der Alemannia-Geschäftsstelle im Tivoli an der Krefelder Straße, und in allen Köpfen steckt die Sorge, dass es möglicherweise ein finaler Treff bei ihrem Lieblingsklub sein könnte.

Denn dass auf einer „außerordentlichen Pressekonferenz” um 11 Uhr, wie die Alemannia sie selber bezeichnet, die Zahlungsunfähigkeit des Traditionsklubs verkündet werden soll, hat sich längst herumgesprochen. Aber keiner weiß, was das für Konsequenzen hat. Und das erfährt draußen auch erst einmal keiner. Ordner riegeln den Eingang ab, die Fans müssen draußen bleiben.

Drinnen ist aber auch Beerdigung, wenn auch - passend zur Zahlungsunfähigkeit - ohne Kaffee und Schnittchen. Die Aufsichtsräte Meino Heyen, Helmut Kutsch und Michael Nobis sowie Sportdirektor Uwe Scherr sitzen mit Leichenbittermienen auf dem Podium, in ihrer Mitte der seit knapp drei Wochen von der Alemannia als „Restrukturierungsbeauftragter” eingesetzte Rechtsanwalt Michael Mönig aus Münster und dessen Sprecher Holger Voskuhle.

Mönig ist der einzige, der ab und zu lächelt. Das liegt nicht nur daran, dass er keine besondere Verbindung zur Alemannia hat, was „vielleicht auch ganz gut so ist”, wie er findet. Es liegt auch daran, dass er mit seiner Idee einer „geplanten Insolvenz”, die eine Aufrechterhaltung des Spielbetriebs und einen Neuanfang in der Regionalliga zum Ziel hat, Hoffnung verbreiten will - sofern man das auf einer Beerdigung kann. Aber er hat zumindest einen Plan, wie es weitergehen könnte.

Mönig redet viel an diesem Morgen, die Aufsichtsräte wenig. Heyen, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender, will erst gar nichts sagen und tut sich dann schwer, Fragen zu beantworten. Wie es zu dem Dilemma kommen konnte? Statt Erklärungen gibt es Fassungslosigkeit. Und immer wieder den Hinweis, dass dies der künftige Insolvenzverwalter und Staatsanwälte klären müssten.

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