Aachen - Alemannia: Gruppenverbote nicht mehr ausgeschlossen

Alemannia: Gruppenverbote nicht mehr ausgeschlossen

Von: Holger Richter
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Da war die schwarz-gelbe Welt
Da war die schwarz-gelbe Welt noch in Ordnung: Nach dem 2:1-Sieg in Saarbrücken bedanken sich die Profis bei den mitgereisten Fans für die Unterstützung. Kurz darauf kam es im Saarbrücker Ludwigspark zur Attacke aus den Reihen der Karlsbande auf die Aachen Ultras. Für das heutige Spiel gegen Offenbach am Tivoli verspricht die Alemannia: „Kein einziger Besucher muss sich um seine Sicherheit sorgen.” Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Ausschreitungen nach dem 2:1-Sieg der Alemannia in Saarbrücken sind endgültig ein politisches Thema geworden. Denn am Freitag meldete sich auch die Aachener Verwaltungsspitze zu diesem Thema zu Wort.

„Das sind keine Fans mehr, das sind Straftäter”, teilte Stadtdirektor Wolfgang Rombey, der als Beigeordneter auch für Bildung und Kultur, Schule, Jugend und Sport verantwortlich ist, am Freitag telefonisch von einer Dienstreise mit. Die städtische Verwaltung sei entsetzt über die Dimensionen, die die fortwährenden Attacken von Rechtsextremen aus den Reihen der Karlsbande auf die linksorientierten Aachen Ultras inzwischen angenommen haben. „Jetzt ist es geboten, schnell Maßnahmen zu ergreifen”, sagte Rombey weiter.

Oberbürgermeister Marcel Philipp nahm diesen Ball unverzüglich auf. Denn der OB hat nach Mitteilung des städtischen Presseamtes gemeinsam mit Rombey den „Runden Tisch gegen Rechtextremismus” für den 20. August einberufen. Dazu seien ausdrücklich das Präsidium und die Geschäftsführung der Alemannia hinzu gebeten worden. Die Stadtratsfraktion der Linken hatte dies bereits am Donnerstag gefordert (wir berichteten).

OB Philipp erinnert an die letzte Sitzung des Runden Tisches im Juni. Schon damals sei es der ausdrückliche Wunsch des Gremiums gewesen, über die rechtsextremistischen Tendenzen in der Fanszene auch mit der Spitze der Alemannia zu sprechen. „Die neuesten Entwicklungen zeigen nun, wie dringlich das Problem ist.” Das neue Treffen biete allen Verantwortlichen die Möglichkeit, „jetzt klare Kante gegen rechte Gewalt und rechte Gesinnung zu zeigen”.

Das wollen die Alemannia-Verantwortlichen gerne tun, die die Einladung zum Runden Tisch nach Auskunft von Vereinssprecher André Schaefer natürlich annehmen.

Auch der Fußball-Drittligist hat inzwischen seine Tonart verschärft. „Es ist der Punkt erreicht, an dem kein Gedankengang mehr seitens der Alemannia ausgeschlossen wird. Der bisher erteilte Vertrauensvorschuss ist bei allen Beteiligten der Alemannia gänzlich aufgebraucht”, teilte Schaefer am Freitag mit.

Zwar gebe es noch keine genauen Ergebnisse der ermittelnden Behörden, die die Ausschreitungen im Saarbrücker Stadion und den Vandalismus in der Autobahn-Raststätte aufklären. Neues gibt es allerdings vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). Denn der hat inzwischen die Möglichkeit, Sanktionen wegen der Vorfälle am Rastplatz vorzunehmen, an die Alemannia übertragen.

Das hatte der Klub zuvor beantragt (wir berichteten). Diese Sanktionen könnten wie bislang schon praktiziert ein bundesweites Stadionverbot oder der Entzug von Gruppenprivilegien sein. Neu sei, dass die Alemannia nun auch ein komplettes Gruppenverbot nicht mehr ausschließt, kündigt Schaefer an. „Denn für Gewalt ist ebenso wie für Rechtsextremismus auf und rund um den Tivoli kein Platz”, sagte der Vereinssprecher mit Blick auf die Karlsbande, die sich zwar selbst als unpolitisch bezeichnet, allerdings Rechtsextreme in ihren Reihen duldet.

Mit Blick auf das Heimspiel der Schwarz-Gelben heute um 14 Uhr gegen Kickers Offenbach verspricht die Alemannia, dass sich kein einziger Besucher um seine Sicherheit sorgen müsse. Im Gegenteil, sie werde als oberstes Gebot angesehen. Zum dritten Heimspiel der Saison erwartet der Verein mehr als 18 000 Zuschauer. Wie bereits berichtet wird dazu das Ordnungspersonal um rund 25 Prozent verstärkt. Außerdem werden die verfeindeten Fangruppen durch separate Eingänge ins Stadion geführt und die Sektorentrennung zwischen den betreffenden Blöcken streng überwacht.

Der „Runde Tisch gegen Rechtsextremismus” ist ein von der Stadt initiiertes Gremium. Darin sitzen neben Vertretern der Stadt auch Vertreter von Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften und politischen Fraktionen. Hier wird unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters nach Lösungen und Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und rechte Gewalt gesucht.
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