Alemannia: Fast auf Augenhöhe mit dem deutschen Meister

Von: Oliver Schmetz
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Vergleichsweise teurer Blick von der Fantribüne: In der dritten Liga ist die Alemannia bei den Stehplatz-Tageskarten Spitzenreiter der Preistabelle. Dort blieben die Preise weitgehend auf Zweitliga-Niveau. Deutlich verbilligt wurden dagegen die Sitzplatz-Tickets. Foto: Imago

Aachen. Dritte Liga? Ach was. In manchen Bereichen ist die Aachener Alemannia schon wieder (oder nach wie vor) absolut erstligareif. Dumm nur für die Fans, dass es sich dabei um die Eintrittspreise handelt.

Denn trotz der nach dem Abstieg verkündeten Preissenkung muss der Zuschauer auf dem Tivoli auf manchen Plätzen immer noch so viel bezahlen wie in etlichen Bundesligastadien.

Speziell an der Stehplatztribüne, auf der im Durchschnitt mehr als die Hälfte aller Zuschauer stehen, ist der Preisrutsch vorbeigerauscht. Markantestes Beispiel: 14 Euro musste man als Vollzahler in der zweiten Liga am Spieltag für eine Tageskarte auf den Tisch legen, 14 Euro werden es auch eine Klasse tiefer sein. Auch Kinder und Jugendliche zahlen in dieser Kategorie wie bisher 8 Euro. Gesunken ist der ermäßigte Preis von 12,50 auf 12 Euro. Damit befindet sich die Alemannia fast auf Augenhöhe mit dem Deutschen Meister - in Dortmund kostete die Stehplatz-Tageskarte bisher 14,90 Euro.

„Schwierige und komplexe Frage”

Auch bei den Preisen für die Stehplatz-Dauerkarten ist man dem Meister nahe: 168 Euro berappt der Vollzahler demnächst am Tivoli (ein Euro weniger als bisher), 181 waren es zuletzt in Dortmund. Für 38 Euro mehr gab es dort auch noch die drei Gruppen-Heimspiele in der Champions League obendrauf. Den Ex-Meister hat man in der Kategorie eh abgehängt: Nur 120 Euro zahlen die Fans des FC Bayern München dafür, 17 Mal im Stehen Robben, Ribery und die halbe deutsche Nationalmannschaft sehen zu dürfen.

Zugegeben: Der Vergleich hinkt etwas. Spitzenklubs wie Bayern und Dortmund erzielen einen Großteil ihrer Einkünfte aus Fernseh- und Werbegeldern und sind nicht so auf die Zuschauererlöse angewiesen wie ein finanzschwacher Drittligist. Gerade die reichen Bayern können sich einen „sozialen” Preis für ihre treuesten Fans locker leisten. Doch auch der hoch verschuldete rheinische Rivale aus Köln unterbietet die Alemannia in diesem Preissegment: Auf 135 Euro hat der Erstliga-Absteiger seine Stehplatz-Dauerkarte reduziert.

„Dem Vergleich mit manchen Erstligaklubs können unsere Preise nicht standhalten”, räumt Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer ein und verweist darauf, dass der Traditionsklub in der dritten Liga 80 Prozent weniger an Fernsehgeldern kassiere. „Da werden die Ticketerlöse im Verhältnis zur Gesamteinnahme viel bedeutsamer.” Man habe sich nach dem Abstieg „intensiv damit beschäftigt, die Preisgestaltung an die neuen Gegebenheiten anzupassen”, aber das sei eine „sehr schwierige und komplexe Frage”, sagt Kraemer. Letztlich habe man bei den Stehplätzen „eine Preisstabilität hinbekommen”, die im Übrigen schon seit einigen Jahren Bestand habe. Und das Beispiel Köln kommentiert er mit dem Hinweis auf die dort deutlich höheren Preise für Sitzplatzdauerkarten: „Ich weiß nicht, ob es korrekt ist, über teure Sitzplätze günstige Stehplätze zu subventionieren.”

„Schwelle zu Sitzplätzen senken”

Stattdessen hat die Alemannia gerade die Sitzplatztarife deutlich gesenkt. Während sich auf dem Stehplatz für Dauerkartenbesitzer der Nachlass darauf beschränkt, dass man zum fast gleichen Preis künftig 19 Heimspiele statt bisher 17 sieht, brauchen die sitzenden Zuschauer darüber hinaus deutlich weniger zahlen. So wurde der Preis für die teuerste Dauerkarte von 539 Euro (bei 17 Spielen) auf 448 Euro (bei 19 Spielen) gesenkt, der für die teuerste Einzelkarte von 42 auf 34 Euro. Und da die teuersten Bereiche auch verkleinert wurden, zahlt mancher Zuschauer auf „seinem” Platz künftig noch viel weniger. Auch beim billigsten Sitzplatz ist der Nachlass noch spürbar: Dort sind jetzt 210 statt 249 Euro fällig, das Einzelticket kostet 17 statt 19,50 Euro. „Wir wollen damit die Preisschwelle zu den Sitzplätzen senken”, sagt der Alemannia-Geschäftsführer.

Doch auch mit diesen Tarifen liegt man in der dritten Liga an der Spitze der Preistabelle. Allenfalls in Offenbach, Osnabrück, Darmstadt und Heidenheim erreichen die Sitzplatzpreise annähernd Tivoli-Niveau - bei Einzel und Dauerkarten. Bei den Stehplatz-Dauerkarten liegt Chemnitz vorne, weil sich bis dorthin das Rabattprinzip bei Jahrestickets offenbar noch nicht herumgesprochen hat: 219 Euro zahlt man da, das 18,25-fache (bei 19 Spielen) des Einzelpreises von 12 Euro. Dahinter kommt Offenbach mit bis zu 180 Euro und dann schon die Alemannia.

Spitzenreiter in der Preistabelle

Mit dem erwähnten Einzeltarif von 14 Euro sind die Schwarz-Gelben sogar Spitzenreiter. In der dritten Liga zahlt man 12, 11 oder 10, in Wehen und Unterhaching gar nur 9 Euro. Höchstens Rostock könnte der Alemannia diesen Titel noch streitig machen. Die Hansestädter haben bisher in der zweiten Liga auch 14 Euro für ihren teuersten Stehplatz verlangt, aber noch keine Drittliga-Preise vorgelegt. Ein Zweikampf mit Rostock an der Spitze, über den sich in Aachen wohl alle freuen würden - sofern er nicht nur an der Kasse stattfindet. Das sieht auch Frithjof Kraemer so: „Für uns wäre es das Schönste, wenn unsere Jungs auf dem Rasen alles dafür tun, dass keiner mehr über Eintrittspreise spricht.” Denn dann hieße es: Dritte Liga? Ach was. Dann wäre man ja wieder aufgestiegen. Und dafür würden die Fans wohl gerne viel zahlen.

Nachgefragt: Drei Fragen an Frithjof Kraemer

Der Preisrutsch rauscht am Stehplatz vorbei. Verprellt der Klub so nicht seine treuesten Fans?

Kraemer: Nein, wir haben vorher in die Szene reingehört. Als Resonanz erhielten wir das Signal, dass die Fans damit leben können. Eine Dauerkarte ist immer auch eine emotionale Sache, mit der ich meinen Verein unterstütze. Bei vielen Fans gibt es langjährige Bindungen, die gehen mit uns in die dritte Liga und sind bereit, einen Obolus zu entrichten.

Hätte man die Preise nicht radikaler senken können? Andere Vereine liegen da deutlich niedriger.

Kraemer: Wir kassieren in der dritten Liga 80 Prozent weniger an Fernsehgeldern. Da bekommen die Ticketerlöse mehr Gewicht. Dennoch haben wir teils deutlich reduziert, haben unsere familienfreundlichen Angebote verbessert. Und Kinder und Jugendliche zahlen fast überall nur noch den halben Preis. Außerdem nehmen wir im Gegensatz zu anderen Klubs bei besonderen Spielen keine Top-Zuschläge.

Der Dauerkartenverkauf hat gerade begonnen. Gibt es bereits erste Erkenntnisse?

Kraemer: Es gibt schon Neukunden, die vorige Saison keine Dauerkarte hatten. Zuletzt haben wir mehr als 10.000 verkauft, jetzt peilen wir die 5000er-Marke an.

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