Roetgen - Aldi/Vennhof: Reicht Kaufkraft für beide?

Aldi/Vennhof: Reicht Kaufkraft für beide?

Von: Ernst Schneiders
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Die Bundesstraße 258 teilt Roetgen nicht nur optisch in zwei Hälften, sondern auch in zwei Lager. Während die einen die Trasse als Lebensader ansehen, möchten andere den Durchgangsverkehr lieber heute als morgen aus dem Ort verbannen. Foto: Archiv/Stollenwerk

Roetgen. Die renommierte Unternehmensberatung BBE Retail Experts aus Köln hat in ihrem Einzelhandelsstandort und -zentrenkonzept mit Zahlen und Erhebungen aus dem Jahr 2008 belegt, was man in Roetgen im Prinzip längst weiß.

Mit 54,3 Millionen Euro hatte die Gemeinde Roetgen, gemessen an der Einwohnerzahl, prozentual das mit Abstand größte Kaufkraftpotenzial in der heutigen Städteregion, mit 18 Millionen Euro aber auch einen sehr hohen Kaufkraftabfluss, vornehmlich in Richtung Simmerath und Aachen.

Möglichst viel von diesen 18 Millionen Euro im Ort zu behalten, ist deshalb das konzertierte Ziel aller fünf Ratsfraktionen, auch wenn die Wege dorthin teilweise unterschiedlich sind, in einigen Bereichen den Ort in zwei Teile spalten und gehörigen politischen Sprengstoff bergen, wie in jüngerer Vergangenheit am Vennhof an der Ecke Faulenbruch-/Bundesstraße und/oder an der Aldi-Ansiedlung an der unteren Bundesstraße wieder deutlich geworden ist.

Schutz des Ortszentrums

Während sich die Politik weniger über das Ob, sondern vor allem über das Wie entzweit hat und sich mental bereits auf zum Teil erheblichen Widerstand der Anwohner einstellt, ist der Aspekt der Kaufkraft zumindest öffentlich noch nicht in den Fraktionen angekommen. Reicht die vorhandene Kaufkraft aus, damit es sich für die Einzelhändler im künftigen Vennhof wie auch für den Aldi an der Bundesstraße betriebswirtschaftlich lohnt?

Diese Frage wird letztlich aktuell für beide Standorte in einem so genannten Tragfähigkeitsgutachten noch zu klären sein. Aufgabe der Gutachter ist es dabei, herauszufinden, ob die vorhandene Rest-Kaufkraft in Roetgen ausreicht, um beide Standorte ausreichend zu bedienen, oder ob nur der eine oder der andere Standort hinreichend Kasse machen kann.

An der Faulenbruch-/Bundesstraße wird noch eine zweite Frage beantwortet werden müssen: Wieviel Kaufkraft zieht der Vennhof aus der Ortsmitte ab? Der Betrag darf nicht zu hoch sein, denn der Gesetzgeber hat diesen Anteil gedeckelt, um Ortszentren zu schützen. Zu welchem Schluss die Gutachter letztlich kommen, bleibt abzuwarten. Das 56-seitige BBE-Konzept gewährt allerdings Einblicke in ein komplexes Gespinst von Ursachen und Wirkungen.

18 Millionen Euro Abfluss

Demnach erzielen 68 Einzelhandelsbetriebe auf einer Verkaufsfläche von 10330 Quadratmetern einen Umsatz von etwas mehr als 36 Millionen Euro. Gemessen am Kaufkraftpotenzial von gut 54 Millionen Euro geben die Roetgener 18 Millionen Euro anderswo aus. 70 Prozent der Geschäfte liegen in der Ortsmitte und setzen auf rund 5600 Quadratmetern Verkaufsfläche zirka 24 Millionen Euro um. Die etwa 20 Betriebe an den übrigen Standorten machen auf einer Verkaufsfläche von rund 4600 Quadratmetern einen Umsatz von 12,5 Millionen Euro.

„Problemlos zu integrieren”

Beim so genannten nahversorgungsrelevanten Sortiment weist die Gemeinde ein Kaufkraftpotenzial von 26,4 Millionen Euro auf. Es werden aber nur 21,5 Millionen Euro umgesetzt. 72 Prozent seines Bedarfs an Lebensmitteln befriedigt der Roetgener im Ort selbst, für Oberbekleidung oder Unterhaltungselektronik fährt er zumeist nach Aachen, für Bau- und Gartenbedarf in der Mehrzahl nach Simmerath.

In quasi einem Trend bis 2015 legt BBE den Roetgener Entscheidungsträgern nahe, dem nahversorgungsrelevanten Sortiment „bestmögliche Standortbedingungen zu gewährleisten”, und zwar dem Einzelhandel, dem Vollsortimenter und dem Discounter. Um die Funktionalität der Ortsmitte langfristig zu erhöhen, so BBE, sei die Zulässigkeit von Einzelhandel außerhalb des Zentralen Versorgungsbereichs einzuschränken.

Ansiedlungen an der Bundesstraße weist BBE eine „hohe Verkehrsgunst” zu. Zwar biete sich dort großflächiger Einzelhandel nicht an, doch sei eine Ansiedlung „problemlos in den Bestand zu integrieren”, vor allem bei einem „Fachmarkt aus dem Discount-Segment” mit eingeschossiger Bauweise.

Eine Ansiedlung an der Faulenbruchstraße hingegen „widerspricht den Zielen des vorgeschlagenen Standortkonzeptes”.
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