Roetgen - Aldi in Roetgen: Vennhof wird zu einem Präzedenzfall

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Aldi in Roetgen: Vennhof wird zu einem Präzedenzfall

Von: Ernst Schneiders
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Irgendwo auf diesem Terrain so
Irgendwo auf diesem Terrain soll ein neues Gewerbegebiet entstehen. Nach Auskunft der Gemeinde Roetgen ist eine Ausweisung nicht an einen möglichen Investor gebunden. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. Alles hängt letztlich nur von der politischen „Allmacht” des Gemeinderates ab. Sollte sich im Kommunalparlament eine Mehrheit finden, die Aldi und/oder Edeka in das neue, noch auszuweisende Gewerbegebiet an der B 258 außerhalb der Ortslage ansiedeln will, dann ist das im Prinzip kein Problem.

Das Argument, dass eine solche Ansiedlung außerhalb des zentralen Versorgungsbereichs nicht erlaubt sei, hat der Rat längst selbst über den Haufen geworfen, als er den Vennhof an der Ecke Bundes-/Faulenbruchstraße durchgewunken hat.

Von den Pfaden gewichen

Dort sind die Politiker völlig von den Pfaden des Städteregionalen Entwicklungskonzeptes abgewichen, haben Konsens Konsens sein lassen, das Areal kurzerhand zu einem weiteren zentralen Versorgungsbereich erklärt und damit den Präzedenzfall geschaffen, der die Chancen der Aldi-Gegner an der unteren Bundesstraße vor Gericht deutlich erhöhen dürfte. Denn auch in einem neuen Gewerbegebiet ist es dem Gemeinderat möglich, den zentralen Versorgungsbereich ein weiteres Mal aufzusplitten.

Der Beschluss Vennhof ist zwar extrem problematisch, die Anwohner im Quartier an der Offermannstraße können aber jetzt mit gutem Recht erwarten, dass in ihrem Sinne ein zweiter, wenn auch zweifellos ebenso extrem problematischer Beschluss gefasst wird. Das bestehende Nahversorgungskonzept ist halt nur verbindlich, solange man sich daran hält.

Weder die Fraktionen noch die Verwaltung können sich außerdem hinter dem Argument verkriechen, dass im neuen Gewerbegebiet die Kölner Bezirksregierung das letzte Wort habe. Das stimmt nämlich nur bedingt. Die Bezirksregierung kann dort großflächigen Einzelhandel untersagen. Wenn sich aber beispielsweise Aldi mit einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter zufrieden gibt, sagt die Regierungspräsidentin überhaupt nichts. Nur der Rat hat dann etwas zu entscheiden. Sollte der sich winden und drehen, setzt er sich dem Verdacht aus, dass es tatsächlich, wie die Aldi-Gegner immer wieder betonen, nicht um eine bürgerfreundliche Lösung geht, sondern bloß darum, politisch sein Mütchen zu kühlen. Das Wort von der „Revanche für die Schule” macht bereits die Runde.

Auch das Argument, man müsse das Areal vorhalten, falls sich die noch in Kalterherberg sesshafte Spedition Hermanns & Kreutz dort ansiedeln wolle, ist nicht unbedingt zugkräftig. Denn wie Dirk Meyer vom Bauamt der Gemeinde auf Anfrage erklärte, habe es sich bei der möglichen Ansiedlung der Spedition um eine „Idee” gehandelt. Vom Unternehmen habe man aber bereits längere Zeit nichts mehr gehört. Ohnehin plane man ein neues Gewerbegebiet „frei von jeglichen Investoren”. Das gelte auch für das Terrain vis-á-vis des jetzigen Gewerbegebietes auf der anderen Seite der Bundesstraße.

Spedition sucht Lösung

Für die Spedition Hermanns & Kreutz ist Roetgen „immer noch ein Thema”, so Firmenchefin Renate Hermanns gegenüber unserer Zeitung. Die relative Nähe zur Autobahn spreche für den Ort, so Hermanns. Außerdem müsse man dann nicht mehr mit den Brummis durch die Dörfer kurven und dort „stören”. Hermanns: „Die Leute sind sehr tolerant, aber eine Dauerlösung kann das nicht sein.” Man stehe überdies bei der Nachbarschaft im Wort, eine vernünftige Lösung zu suchen.

Favorit ist Roetgen bei der Belegschaft, denn in die kleine Gemeinde, so Renate Hermanns, würden alle Mitarbeiter mit umziehen. Bei einer Ansiedlung in Eupen, Aachen, Düren oder Eschweiler sei das längst nicht der Fall. Renate Hermanns: „Wir wollen aber alle unsere Mitarbeiter behalten. So fleißige Leute muss man nämlich anderswo erst einmal finden!” Einen neuen Sachstand in Sachen Ansiedlung gebe es allerdings nicht, es bleibe bei der „Option”.

Sollte jetzt im Rathaus jemand aus taktischen Überlegungen einen anderen Standort für ein Gewerbegebiet suchen, ändert das nichts. Der Präzedenzfall Vennhof ist damit nicht aus der Welt. Womöglich hat wirklich ein Gericht das letzte Wort.
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