Roetgen - „Aldi” bleibt in Roetgen ein Reizthema

„Aldi” bleibt in Roetgen ein Reizthema

Von: Ernst Schneiders
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Der Bebauungsplan für einen Aldi-Markt an der Ecke Bundes-/Faulenbruchstraße ist zwar beschlossene Sache, ein mit Emotionen behaftetes Thema wird es in Roetgen aber vorerst bleiben. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Es gibt in Roetgen Themen, da prallen im Gemeinderat die Meinungen unversöhnlich aufeinander, da kommt manchem Volksvertreter zwischendrin auch schon mal die Contenance abhanden. Eines dieser Themen ist die Ansiedlung eines Aldi-Marktes in dem 8500-Seelen-Ort.

Eigentlich ging es nur um den formellen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan an der Ecke Bundes-/Faulenbruchstraße, eigentlich waren in den zurückliegenden Monaten und Jahren alle Argumente ausgetauscht, eigentlich hatten die Politiker sich in der Vergangenheit hinreichend die Köpfe eingeschlagen, eigentlich war alles gesagt. Eigentlich...

Bereits bei der ersten Wortmeldung nahm Michael Seidel, Frontmann der Union und gemeinsamer Bürgermeisterkandidat von CDU, Grünen und FDP, das Fazit des folgendes Disputs vorweg: „Jeder will in Roetgen einen Aldi, aber keiner will ihn in seiner Nachbarschaft.”

Ob die Anwohner der Offermannstraße „besser” seien als die Anwohner der Faulenbruchstraße, denen man jetzt die Belastung zumuten wolle, kam es aus Reihen der SPD-Opposition.

Ratsherr Stamos Papas, SPD: „Aldi bekommt nicht den besten Standort in Roetgen, und die Gemeinde Roetgen bekommt einen Standort, den sie eigentlich nicht will.”

„Aldi-Blockierer”

Die schwarz-grüne Ratsmehrheit habe durch ihre Politik die Gemeinde erst in diese missliche Lage gebracht, wetterten die Sozialdemokraten.

Diese „Aldi-Blockierer” plädierten nun notgedrungen für die Bundes-/Faulenbruchstraße, damit sie bei der Bevölkerung nicht völlig unten durch seien. Man sei gespannt auf die Proteste der Anlieger.

Davon mochte Stephan Speitkamp von der CDU nichts wissen. Die Bürger sollten die Proteste nicht an die Roetgener Politiker, sondern an Aldi unmittelbar richten.

Aldi habe bei der Standortsuche nicht alle seine Möglichkeiten ausgeschöpft. Speitkamp: „Wir sind schließlich nicht dazu da, für Aldi einen Standort zu suchen.”

„Gewissensbisse”

Der Christdemokrat sprach angesichts des aktuell ins Auge gefassten Standortes von „Gewissensbissen”, die „muss man äußern dürfen”.

Am liebsten würde er an der Einmündung der Faulenbruch- in die Bundesstraße einen Kreisverkehr sehen, am besten von Aldi bezahlt.

Aber ein solcher Kreisverkehr sei wohl weder machbar noch bezahlbar. Also werde man sich mit der 2. Ampelanlage in Roetgen anfreunden müssen.

Damit hatte Fraktionschef Seidel kein Problem: „In der Ortsdurchfahrt Roetgen wird sowieso viel zu schnell gefahren.” Eine Ampel habe daher eine verkehrsberuhigende Funktion.

Wolfgang Schruff, ebenfalls CDU, plädierte gar für eine Ampelanlage, damit erstens die Schüler sicher zu ihrer Schulbushaltestelle kämen und zweitens mit dem Slogan aufräumt werde, man müsse möglichst schnell durch Roetgen kommen.

Schruff: „Uns hat auch niemand gefragt, ob es uns passt, dass wir morgens ab 7 Uhr durch Imgenbroich nur noch mit Tempo 30 fahren dürfen.”

FDP-Ratsvertreter Georg Dittmer schließlich sah die Gemeinde in der Zwickmühle, signalisierte aber „zähneknirschend” Zustimmung zum Standort.

„Gott sei Dank, keine Wortmeldung mehr”, seufzte Bürgermeister Manfred Eis erleichtert nach einer Debatte, die bisweilen haarscharf an der Gürtellinie endete und bei der der Ratsvorsitzende sich einige Male bemüßigt sah, zur Sachlichkeit zu mahnen.

Bei einer Enthaltung aus Reihen der CDU wurde die Aufstellung des Bebauungsplanes „Aldi” beschlossen. Bei der erforderlichen Änderung des Flächennutzungsplanes beschloss die Ratsmehrheit alleine.
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