Aldi: Anwohner drohen mit Anwälten

Von: Ernst Schneiders
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Roetgen. Planungsrechtlich ist die Aldi-Ansiedlung an der unteren Bundesstraße in Roetgen seit Dienstagabend in trockenen Tüchern.

Erwartungsgemäß gegen die Stimmen von CDU und Grünen wurden Flächennutzungsplan und Bebauungsplan mit Mehrheit durch den Gemeinderat gebracht. Die Fraktionen verzichteten dabei auf neuerliche Stellungnahmen.

Für sie waren die Fronten klar und alles gesagt. Nicht so für Lutz Heisterbaum, Kopf des Widerstandes im Quartier rund um die Offermannstraße gegen eine Ansiedlung des Discounters. Gerade erst von einer lebensbedrohlichen Erkrankung genesen, war Heisterbaum schon wieder angriffslustig wie eh und je: „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Künftig werden sich Gerichte, Anwälte und übergeordnete Instanzen mit diesem Thema beschäftigen.”

Heisterbaum attackierte SPD, UWG und Verwaltung dermaßen heftig, dass ihm Bürgermeister Manfred Eis in der Einwohnerfragestunde das Wort entzog.

„Können Sie morgens noch in den Spiegel schauen?” Diese Frage ging an UWG-Fraktionschefin Silvia Bourceau. Dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Klaus Onasch hielt Lutz Heisterbaum vor, „einen Betroffenen mit einem Brief unter Druck gesetzt” zu haben. „Mir liegt dieser Brief vor.” Besagter Brief habe auf die Fragebogenaktion der Aldi-Gegner abgezielt, korrigierte Onasch, weil auf diesem Fragebogen die „Bevölkerung verdummt” worden sei, mit „Alternativvorschlägen, die es gar nicht gibt”. Deshalb habe er den Betreffenden aufgefordert, den Fragebogen zurückzuziehen. Es gehe nicht um einen Aldi-Markt, sondern um politische Macht, glaubte ein Anwohner der Offermannstraße zu wissen. Es seien in der Roetgener Politik Dinge vorgefallen, die nunmehr die Menschen im Quartier Offenmannstraße ausbaden müssten. „Ich finde das nicht in Ordnung.” Wenn jetzt der Edeka-Markt erweitert werde, dann gebe es für eine Aldi-Ansiedlung auch „andere Konstellationen”.

Warum man Edeka und Aldi nicht in einem neuen Gewerbegebiet an der B258 vis-á-vis des bestehenden ansiedeln könne, fragte Lutz Heisterbaum abschließend, zumal beide Märkte sich gerne dort ansiedeln würden. „Daraus wird nichts”, beschied ihn Bürgermeister Eis. Dieses Terrain gehöre nicht zum so genannten zentralen Versorgungsbereich. Deshalb verbiete es der Gesetzgeber, dort Einzelhandel anzusiedeln.

„Großes Konfliktpotenzial”

„Ist der Politik eigentlich klar, welch großes Konfliktpotential es dort gibt?” Mit dieser Frage eröffnete ein Anwohner die nächste Baustelle, diesmal an der Rosentalstraße. Es geht um die Erweiterung des Edeka-Marktes, die später in der Ratssitzung planerisch ebenfalls auf den Weg gebracht wurde, mit einigen Änderungen im Sinne der Anwohner. In der Fragestunde wurde das Thema moderater und im Ton gedämpfter abgehandelt als das Thema Aldi, obwohl auch an der Rosentalstraße der Schuh drückt. Sie sprachen von einer „konfliktreichen Situation” und wollen die Planungen „weiterhin kritisch” begleiten.

Eine „Enttäuschung” sei der Besuch im Planungsbüro in Erkelenz gewesen. Bisher seien kaum Vorgaben des Bauausschusses umgesetzt worden. Einiges sei erst „im Verlauf eines zähen Gesprächs in Aussicht gestellt” worden. Die Argumente der Anwohner in der Nähe von bestehenden oder geplanten Lebensmittelmärkten ähneln sich. Eine Anwohnerin beklagte, sie fühle sich von der Höhe des Baukörpers „bedroht”. Auch erfolge die Anlieferung am Wohnzimmerfenster entlang direkt an der Grundstücksgrenze. „Das ist nicht sozial!”
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