Aldi-Ansiedlung: Anwohner sind stinksauer

Von: Ernst Schneiders
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Roetgen. „Alle wollen in Roetgen einen Aldi, aber nicht an dieser Stelle.” Der Erkenntnisgewinn dieser Feststellung des CDU-Ratspolitikers Ronald Borning ist zwar gleich Null, weil das hinlänglich bekannt ist. Sie beschreibt allerdings die Gemütslage der betroffenen Anwohner, vor allem aus der Offermannstraße.

In großer Zahl waren sie zur Ratssitzung am Dienstag gekommen. Die Stimmung war aufgeheizt, was nicht nur an den Temperaturen lag. Den Großteil des Donnerwetters aus den Reihen der Bürger bekam UWG-Fraktionschefin Silvia Bourceau ab, die sich allerdings als Stoikerin erwies und sich nicht aufs Glatteis führen ließ.

SPD-Fraktionschef Klaus Onasch hingegen schaute beinahe etwas beleidigt drein, weil alle die UWG, aber offensichtlich niemand die Sozialdemokraten zur Minna machen wollte, obwohl die SPD ihren erheblichen Anteil daran hat, dass an der unteren Bundesstraße ein Bebauungsplan für die Aldi-Ansiedlung aufgestellt werden soll.

Ihrer Klientel zuliebe legten CDU und Grüne erneute einen Showtanz aufs Parkett, mit Musik aus der Konserve, denn die längst bekannten Argumente haben SPD, UWG und FDP auch all die Male zuvor nicht umstimmen können.

„Dass man so mit Anwohnern umgeht, so etwas habe ich in Roetgen noch nicht erlebt”, gab CDU-Fraktionschef Michael Seidel die Dramaturgie vor, die Grünen-Sprecher Gerd Pagnia dankbar aufgriff: „So kann man nicht mit Leuten umgehen. Ich wünsche diesen Projekt, dass es zum Scheitern verurteilt ist.” Applaus brandete auf.

Wer von den Anwohnern bis dahin noch nicht wusste, wo genau im Ratssaal die wirklichen Freunde saßen, dem wurde es spätestens nach den Einlassungen von Dr. Georg Dittmer (FDP) und Klaus Onasch klar. Der Liberale verlangte, wie auch SPD und UWG, die Konsequenzen für die Anwohner der Offermannstraße möglichst gering zu halten. Doch wer, wie die CDU, das Roetgener Projekt mit den Zuständen in Imgenbroich vergleiche, „der betreibt eine Hetzkampagne ohne Ende”.

Fraktionschef Onasch legte Wert auf die Feststellung, dass die SPD eine Entscheidung „im Sinne der Bürger” treffen werde. Das bedeute, das Wohl aller im Auge zu haben und nicht nur das Wohl Einzelner oder einiger Weniger. „Wenn wir alle Maßnahmen stoppen, sobald jemand dagegen ist, dann passiert in Roetgen nichts mehr.”

Auch am Nahversorgungszentrum „Vennhof”, das den Rat erwartungsgemäß ohne Einwände passierte, gebe es Anwohner und Betroffene. Für die legten sich CDU und Grüne allerdings nicht ins Zeug. Als „pharisäerhaftes Verhalten” geißelte Onasch diese Zurückhaltung.

Mit den Stimmen von SPD, UWG und FDP wurde der Bebauungsplan für die Aldi-Ansiedlung auf den Weg gebracht. Die große Schar der Bürger zog frustriert und restlos bedient von dannen, um abschließend noch vor dem Rathaus eine Weile lautstark zu debattieren und ihrem Unmut Luft zu verschaffen. Die Fortsetzung folgt.

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