Nordeifel - Adolf-Hitler-Schulen: Elitebewusstsein als oberstes Erziehungsziel

Adolf-Hitler-Schulen: Elitebewusstsein als oberstes Erziehungsziel

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Hat sich mit der Ideologie der Adolf-Hitler Schulen befasst: Autor Rainer Hülsheger. Foto: P. Stollenwerk
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Flaggenparade auf dem Appellplatz in Vogelsang: Anlass für diesen Aufmarsch war ein Treffen der drei Adolf-Hitler-Schulen Franken, Moselland und Westmark in der Eifel. Bildnachweis: Archiv Vogelsang ip

Nordeifel. Vogelsang und seine Vergangenheit ist ein unerschöpfliches Thema. 1933 begann hier durch die Nationalsozialisten der Bau von Schulungsburgen. 1939 wurde der Lehrbetrieb zwar eingestellt, aber ab 1941 erfolgte durch die Nutzung als Adolf-Hitler-Schule eine ideologische Fortsetzung des Lehrbetriebs.

Die nur kurze Existenz der Adolf-Hitler-Schule mitten in der Eifel hat sich weitaus weniger ins Bewusstsein eingeprägt als ab 1946 die Nutzung des Geländes als Truppenübungsplatz unter belgischer Verwaltung oder auch die Ende 2005 erfolgte Rückgabe der militärischen Liegenschaft an die Bundesrepublik Deutschland mit gleichzeitiger Gründung des Nationalparks Eifel.

„Söhne des Führers“

Die Geschichte der Adolf-Hitler-Schulen, die von 1937 bis 1945 vorwiegend in den drei NS-Ordensburgen Vogelsang, Sonthofen und Krössinsee angesiedelt waren, hat nur der Autor und Vogelsang-Referent Rainer Hülsheger aus Rott in einer ausführlichen Studie aufgearbeitet. Vor kurzem ist seine dreijährige Recherchearbeit in Buchform unter dem Titel „Die Adolf-Hitler-Schulen 1937–1945. Suggestion eines Elitebewusstseins“ erschienen.

Hülsheger, Jahrgang 1934, war als Lehrer an den Hauptschulen in Köln und Aachen tätig. Als Referent an der ehemaligen Ordensburg Vogelsang widmet er sich seit 10 Jahren dem Schwerpunkt Erziehungspraktiken der NS-Ordensburg Vogelsang in der Nazi-Zeit und Adolf-Hitler-Schulen.

In seinem Buch aber geht der Autor weit über Vogelsang hinaus, denn diese vom Nazi-Regime gegründeten Ausleseschulen, die der Heranbildung des NSDAP-Führernachwuchses dienen sollten, gab es an rund zehn Standorten mit zusammen rund 1500 Schülern in ganz Deutschland. Hülsheger untersucht den Werdegang und die Ideologie dieser Schulen vor allem anhand bisher unveröffentlichter Quellen.

Die Adolf-Hitler-Schulen unterstanden dem Reichsjugendführer Baldur von Schirach und dem Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Robert Ley. Ziel der Schulen war es, den Schülern ein ausgeprägtes Elitebewusstsein als „Söhne des Führers“ zu vermitteln. Einer der Grundsätze lautete: „Nach erfolgreicher Reifeprüfung steht dem Adolf-Hitler-Schüler jede Laufbahn in der Partei und im Staate offen.“ Für die meisten endete die Schulzeit in einem Kampfeinsatz während der letzten Kriegsmonate. Rainer Hülsheger betrachtet in seinem Buch die soziale Herkunft der Schüler, Auslesekriterien, die von nationalem Stolz geprägten Erziehungsmethoden, die Schulabschlüsse, die Bewährungseinsätze der Schüler in Lagern, Kampfeinsätze wie auch den Neubeginn nach 1945.

In einem Geleitwort hebt Jost Dülffer, Professor für neuere Geschichte an der Uni Köln, besonders die Zeitzeugenberichte hervor: „Der Autor vermag auf diese Weise so dicht wie noch niemand vor ihm ein Bild über diese über das ganze erweiterte Deutsche Reich verteilten Schulen zu zeichnen.“ Hülshegers Arbeit zeichne sich zudem durch einen vielfachen Perspektivwechsel aus. So werde ein „anschauliches und lebensnahes Bild“ der Schulen gezeichnet „ohne jede Verklärung und Anklage“. Wenn man sich über die NS-Zeit und insbesondere über die Jugend in dieser Zeit informieren wolle, sei das Buch zur Lektüre empfohlen. (P. St.)

Rainer Hülsheger; Die Adolf-Hitler-Schulen 1937 – 1945. Suggestion eines Elitebewusstseins“, 280 Seiten mit Abbildungen, 24,95 Euro, ISBN: 978-3-7799-2653-5, erschienen im Beltz-Juventa-Verlag.

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