Abwasserbeseitigung: „Auf die Privathaushalte kommt viel zu“

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Hohe Fremdwassermengen führen unter anderem dazu, dass die Kläranlagen das bis zu 100-fache der Wassermenge bearbeiten müssen. Foto: Simon Olk

Roetgen. Der Betriebsausschuss der Gemeinde Roetgen hat auf seiner Sitzung am vergangenen Dienstag mit neun Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen (Grüne) ein neues Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) verabschiedet.

Das Konzept wird, vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderates, der Bezirksregierung Köln zur Genehmigung vorgelegt werden. Gemäß Wassergesetz des Landes NRW sind die Gemeinden verpflichtet, ein ABK zu erstellen und im Turnus von jeweils sechs Jahren fortzuschreiben.

Dem letzten Konzept für die Jahre 2008 bis 2013 verweigerte die Behörde noch die Zustimmung, weil ein Niederschlagswasserbeseitigungskonzept (NBK) nicht vorlag. Das hat die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Aachener Ingenieurbüro GE HA nun in das neue ABK eingearbeitet. Das Konzept soll eine Übersicht über den Stand der öffentlichen Abwasserbeseitigung und über die zeitliche Abfolge sowie die geschätzten Kosten der erforderlichen Baumaßnahmen verschaffen.

Maßnahmen bis 2019

Für die Jahre 2014 bis 2019 sind nun diverse Maßnahmen geplant. Die neu ausgewiesenen Flächen innerhalb der Innenbereichssatzung des Flächennutzungsplans 2005 sollen sukzessive erschlossen werden. Hierzu zählen unter anderem Teilbereiche der Wiesenstraße und der Straße Hahnbruch im Ortsteil Rott. Hier wurde bereits eine Vorplanung erstellt, die Kosten der Maßnahmen werden auf 83.000 Euro geschätzt.

Die Kosten für die Erschließung der Neubaugebiete „Wiedevenn II“ und „Im Gehaaks“ werden auf 540.000 Euro und 200.000 Euro geschätzt. Zudem wird die bereits mit dem letzten Konzept begonnene Kanalsanierung fortgesetzt. Hierfür betragen die kalkulierten Kosten 220.000 Euro jährlich. Ebenso abgeschlossen wird die Sanierung der Hausanschlüsse, die mit 130.000 Euro pro Jahr zu Buche schlägt.

Im erstmalig erstellten NBK heißt es, die Gemeinde strebe eine natur- und ortsnahe Regenwasserbewirtschaftung an, die in drei Systemen erfolgt: Regenwasserkanäle, Mulden und Gräben sowie Oberflächenentwässerung über Pflasterrinnen. So soll gewährleistet werden, dass der natürliche Wasserkreislauf so wenig wie möglich beeinträchtigt wird. Gleichzeitig möchte man vermeiden, dass unverschmutztes Niederschlagswasser mit Schmutzwasser vermischt wird. Dafür wurden die 42 Einleitstellen in Gewässer eingehend untersucht.

Besonders im Gewerbegebiet

Ein Problem stellt die Fremdwasserbeseitigung dar. Darunter versteht man eindringendes Grundwasser und gezielt eingeleitetes Drainagewasser ins Mischwasserkanalnetz. Insbesondere bei den Drainageeinleitungen ist eine hohe Beteiligung der Grundstückseigentümer gefragt, da vermutet wird, „dass ein sehr hoher Fremdwasseranteil durch schadhafte private Grundstücksentwässerungsanlagen bzw. widerrechtlich angeschlossener privater Drainageleitungen verursacht wird“, heißt es im Konzept.

Die hohen Fremdwassermengen führten unter anderem dazu, dass die Kläranlagen das bis zu 100-fache der Wassermenge bearbeiten müssten. Daher lege der Gesetzgeber großen Wert darauf, Niederschlags- und Schmutzwasser zu trennen. „Auf die Privathaushalte kommt viel zu, sollte die Bezirksregierung hier ernst machen“, sagte Michael Vorpeil vom Ingenieurbüro GE HA, der das Konzept im Ausschuss vorstellte. Messungen ergaben, dass besonders im Gewerbegebiet viel Fremdwasser in den Kanal gelangt.

Die Kanalbefahrungen sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, um festzustellen, wo überall noch Fremdwasser eindringt und nach welcher Dringlichkeit die Schäden behoben werden müssen. Für 2015 sind Messungen für das Einzugsgebiet der Kläranlage Mulartshütte geplant.

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