Düsseldorf/Region/Aachen - Abwasser-Gebühren in manchen Kommunen viel höher

Abwasser-Gebühren in manchen Kommunen viel höher

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:

Düsseldorf/Region/Aachen. Die Spitzenposition hat Titz abgegeben. Und den Bürgermeister Jürgen Frantzen freut dies. Denn beim jährlichen Gebührenvergleich des Steuerzahlerbundes ist die 8500-Einwohner-Gemeinde im Kreis Düren von Platz eins im Vorjahr auf Platz fünf unter 396 Kommunen „abgerutscht”.

1166,30 Euro muss ein Titzer Vier-Personen-Musterhaushalt mit 200 Kubikmeter Frischwasserverbrauch in diesem Jahr fürs Abwasser zahlen - deutlich mehr als etwa ein Dürener (473,50 Euro), ein Eschweiler (642) oder ein Hückelhovener (716,10) Musterhaushalt, aber eben auch etwas weniger als einer in Waldbröl (1234,20), Monschau (1191,40), Schleiden (1178,20) und Neunkirchen-Seelscheid (1170,86).

Warum Abwasser in Titz so teuer ist, erklärt der Bürgermeister so: „Wir haben 8500 Menschen in 16 Ortsteilen, von denen der drittgrößte schon weniger als 1000 Einwohner hat. Das heißt, wir müssen lange Kanäle bauen. Außerdem haben wir keine eigene Kläranlage und entsorgen unser Abwasser in der Jülicher Anlage. Unser Sammler ist acht Kilometer lang, in Städten wie Aachen hängen da 25.0000 Einwohner dran.” Die Gemeinde setze alles dran, die Gebühren zu senken, und das sei im vergangenen Jahr ja auch gelungen. „Aber Titz wird aufgrund seiner örtlichen Besonderheiten immer teurer sein als andere”, sagt Frantzen. Deswegen versuche man ja auch, die Bürger an anderer Stelle zu entlasten, etwa bei der Grundsteuer.”

Örtliche Besonderheiten führt auch Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter ins Feld bei der Diskussion um hohe Abwassergebühren (siehe „Zwei Fragen an”) Selbst der Steuerzahlerbund erklärt die starken regionalen Unterschiede auch mit geografischen Besonderheiten. Gemeinden in der Eifel müssten „mehr für die Oberflächenentwässerung tun und mehr Regenrückhaltebecken bauen als Kommunen auf dem flachen Land”.

Viel Spielraum zur Senkung von Gebühren haben die Kommunen nicht, aber auch nicht zur Erhöhung. Denn Gebührenhaushalte müssen, so verlangt es das Gesetz, kostendeckend sein. Will heißen: Die Kommunen dürfen keine Gewinne machen, aber auch keine Verluste. Defizite und Überschüsse müssen innerhalb von drei Jahren ausgeglichen werden. Nimmt also eine Kommune mehr Gebühren ein, als sie selbst für die Abwasser- oder Müllentsorgung zahlt, muss sie den Bürgern das Geld zurückerstatten.

So geschehen in Erkelenz beim Müll. Dort zahlt ein Musterhaushalt im laufenden Jahr für die Entsorgung von je einer 120-Liter-Tonne Rest-, Bio- und Papierabfall bei 14-tägiger Abfuhr nur noch 218 Euro - satte 97 Euro weniger als im Jahr zuvor. „Für die Senkung spielten aber drei Faktoren eine Rolle”, erklärt Hans-Heiner Gotzen, Erster Beigeordneter der Stadt Erkelenz. So stelle der Kreis Heinsberg der Stadt weniger Entsorgungskosten in Rechnung, zudem habe die Stadt die Kosten für die Einsammlung und den Transport des Mülls nach einer europaweiten Ausschreibung vor zwei Jahren senken können, und als drittes sei die Auflösung der Gebührenrücklage hinzugekommen.

Mit 316,50 Euro Müllgebühren für den Musterhaushalt liegt Düren auf dem Niveau von Erkelenz vor Auflösung der Rücklage. Und damit im Landesvergleich gar nicht schlecht, liegt die Spannweite doch zwischen 137 und 451 Euro. Beeinflussen kann der kommunale Service-Betrieb laut Vize-Chef Horst Frisch die Gebührenhöhe kaum noch. „Wir sind gut aufgestellt”, sagt er und verweist darauf, dass der Betrieb seit 1997 als einer von wenigen kommunalen Betrieben stets die Ausschreiben zur Einsammlung von gelben Säcken gewinne. Und auch Titz ist beim Müll mit 234 Euro gut unterwegs. Ein Grund laut Bürgermeister Frantzen: „Titz setzt auf das Verursacherprinzip.” So müsse etwa Sperrmüllabfuhr anders als anderswo extra bezahlt werden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert