Abwanderung im Alter aufhalten: Gemeinde vor großen Aufgaben

Von: P. St.
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Der Bedarf an neuem Wohnraum in der Gemeinde Simmerath wächst. Besonders im Zentralort haben die Investoren schon länger die Zeichen der Zeit erkannt. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Die Gemeinde Simmerath will es ganz genau wissen: Wie muss sich die Kommune aufstellen, damit sie auch langfristig ein attraktiver Wohnstandort bleibt? Es gibt da eine Reihe von Vorahnungen, die sich mit gesundem Menschenverstand begründen lassen, aber gutachterlich abgesichert, klingen solche Prognosen gehaltvoller. Also beauftragte die Gemeinde Simmerath kürzlich ein Aachener Stadtplanungsbüro damit, ihr eine Entwicklungsplanung an die Hand zu geben.

In der zurückliegenden Sitzung des Planungsausschusses stellte Professor Peter Jahnen das Ergebnis vor. 101 Seiten umfasst die Bestandsaufnahme, der nun in einem zweiten Schritt Handlungsempfehlungen folgen sollen. Ein wesentliches Ergebnis der Bestandsaufnahme ist, dass Simmerath (gemeint ist hier der Zentralort) einen zunehmenden Bedarf an Altenwohnungen sowie altersgerechten Wohnungen und an Mehrfamilienhäusern decken muss.

Auch sollten Maßnahmen ergriffen werden, die eine Abwanderung der älteren Generation in andere Kommunen aufhalten soll. Hier seien vor allem Kommunen mit hohen Auspendlerquoten (wie auch Simmerath) gefährdet. Das Gutachten beruft sich dabei auf zuletzt festgestellte Tendenzen, wonach Menschen bei Eintritt ins Rentenalter gerne auch den Ort, in den sie ein ganzes Arbeitsleben lang ausgependelt sind, nun auch als Wohnort wählen.

Ungefähr 5000 Berufspendler

Jahnen: „Da kündigt sich etwas an.“ Simmerath weist ungefähr 5000 Berufspendler auf, von denen 1700 täglich nach Aachen zur Arbeit fahren. Daher sei es erforderlich, dass die Kommune „ein adäquates Angebot“ für ältere Menschen schaffe, „sonst droht die Abwanderung in benachbarte Kommunen“.

Der Gutachter verwies in diesem Zusammenhang auf ein städtebauliches Experiment in der Stadt Baesweiler, wo Kleinsthäuser mit 40 Quadratmetern Wohnfläche als Altenwohnungen angeboten worden seien. Trotz aller Skepsis habe dieses Angebot funktioniert.

Im Gutachten wurde der Gemeinde Simmerath aber auch bestätigt, dass der Ort über eine „gute Ausgangsbasis“ verfüge, aber es gelte wachsam zu bleiben, „damit aus dem demografischen Wandel kein massiver Bevölkerungsrückgang wird“. Durchweg alle Ortsteile in der Gemeinde Simmerath verzeichnen in den zurückliegenden zehn Jahren einen leichten Bevölkerungsrückgang. Eine Ausnahme bildet der weiter wachsende Zentralort: Seit vier Jahren in Folge stagniert die Bevölkerungszahl. Der Bevölkerungszuwachs erklärt sich aber in erster Linie durch Zuzüge, denn nach wie vor liegt die Zahl der Sterbefälle deutlich höher als die Zahl der Geburten.

Eine andere Herausforderung ist es laut Gutachten auch, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass junge Leute, die als Studierende abwandern, wieder in ihre Heimatkommune zurückkehren.

Das Gutachter-Büro hat keine Arbeit und Mühen gescheut, um an verlässliche und aktuelle Daten für die Bestandserhebung zu gelangen. Zwei Mitarbeiter durchkreuzten alle Ortschaften, um die Gebäudenutzungen statistisch zu erfassen. Leerstände und zum Verkauf stehende Gebäude wurden ebenso erfasst wie auch die Barrierefreiheit. Die Leerstandsquote liegt aufgrund dieser Erhebung bei gerade einmal 0,1 Prozent; in den etwas abgelegenen Ortschaften wie Hammer, Erkensruhr und Hirschrott liegt sie leicht höher.

Im gesamten Gemeindegebiet fanden die Gutachter nur insgesamt 164 wirklich barrierefrei erreichbare Wohnungen vor. Bei Leerständen, insbesondere an Durchfahrtsstraßen, solle die Kommune möglichst reagieren, damit sich keine Negativ-Image für bestimmte Orte verfestige.

Ein interessanter Aspekt im Zusammenhang mit zusätzlichem Wohnbedarf ist auch die Verfügbarkeit von Bauland. Zwar zählte man im Gemeindegebiet Simmerath 747 Baulücken, aber nur die Hälfte davon ist auch für den Markt verfügbar. Als „grundsätzlich problematisch“ sieht das Gutachten die Nahversorgung. Insbesondere die Orte am See verfügten über eine schlechte Grundversorgung.

In der anschließenden Diskussion wurden aus den Reihen des Ausschusses Zweifel an der Schlüssigkeit der Statistiken geäußert. Walter Heinrichs (UWG) legte eine eigene Zählung auf den Tisch, wonach es in Rollesbroich sieben Leerstände gebe; das Gutachten nenne keinen einzigen. Da müssten seiner Meinung nach wohl einige Angaben noch einmal „überarbeitet“ werden. Um solche Hinweise bat Professor Jahnen auch eindringlich. Eine Überprüfung aller statistischen Angaben durch Ortskundige sollte unbedingt noch folgen.

Manfred Sawallich (SPD) glaubte, dass auch im Alter die Mehrheit der Bevölkerung sicherlich vor Ort bleiben werde. Das besondere Bemühen müsste daher denjenigen gelten, die sich eventuell mit Abwanderungsgedanken tragen würden. Für Frank Ewert (CDU) war im Gutachten noch ein Aspekt zu wenig beachtet worden. Simmerath sei sicherlich bereits gut mit altersgerechten Wohnungen ausgestattet, aber aus seiner Sicht sei die entscheidende Frage, „wie man die Orte an der Peripherie erhalten kann“.

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