Abtei Mariawald: Auch gefeiert wird ruhig und maßvoll

Von: Christoph Hahn
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Ein Ort mit Geschichte: Vor 100 Jahren wurde Mariawald zur Abtei erhoben. In dem einzigen Kloster des Trappisten-Ordens in Deutschland wird daher an diesem Wochenende gefeiert. Foto: Johnen

Mariawald. Auf dem Höhenrücken des Kermeters thront Mariawald, das einzige Kloster des Trappisten-Ordens auf deutschem Boden. 100 Jahre ist es her, dass der heute von rund einem Dutzend Mönche bewohnte Konvent zur Abtei erhoben wurde. Und das wird gefeiert, vom 27. bis 29. September. Ruhig und maßvoll.

Denn Bescheidenheit, gepaart mit zurückhaltender Freundlichkeit, gehört zu den Eigenschaften der Patres und Brüder. Bescheiden, ganz so wie es dem Baustil der Zisterzienser (ein Reformzweig der Benediktiner, zu dem letztlich auch die Trappisten gehören) entspricht, gibt sich auch die Kirche, deren Glocken nicht in einem imposanten Turm, sondern in einem kleinen Dachreiter schwingen.

Und bescheiden sind auch die Gebäude - aber gefüllt mit reichem Leben. Davon spricht auch das Motto der Jubiläumsfeierlichkeiten, das mit „Über 500 Jahre Kloster, 100 Jahre Abtei” einen weiten Bogen beschreibt.

Viele Stürme sind im Laufe der Zeit über den friedlichen Ort auf dem Kermeter hinweggezogen: zum Beispiel die Französische Revolution, in deren Folge die Klosteranlage 1795 aufgelöst wurde. Die Gebäude verfielen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Mariawald als geweihter Ort schon eine mehr als 300-jährige Geschichte hinter sich: Set 1486 hüteten dort Zisterzienser aus dem Kloster Bottenbroich bei Frechen das Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes, das sich heute in der Heimbacher Salvatorkirche befindet.

1860 wagte Ephrem van der Meulen, Abt von Oelenberg im damals noch deutschen Elsass, einen weiteren Vorstoß und sandte Mönche in die Nordeifel aus. Von 1875 bis 1887 allerdings mussten die frommen Bewohner den geweihten Ort wieder verlasen, dieses Mal im Zuge von Bismarcks Kulturkampf. Erst danach konnte wieder ein dauerhaftes Ordensleben in Mariawald begründet werden, das durch die Erhebung zur Abtei am 29. September 1909 gekrönt wurde.

Vor weiteren Heimsuchungen blieben Trappisten deshalb nicht bewahrt: Im Juli 1941 nahmen die NS-Machthaber die Gebäude in Beschlag, um sie unter anderem während der Errichtung des Westwalls als Unterkunft für Bauarbeiter und später als Lazarett zu nutzen. Erst im April 1945 konnten die angestammten Bewohner ihr Zuhause, das durch die Kämpfe gegen Ende des Zweiten Weltkriegs Schaden genommen hatte, wieder in Besitz nehmen.

Viel hat sich seither in Mariawald geändert. Doch nur wenige Veränderungen sorgten so sehr für Furore wie die, die Dom Josef Vollberg, seit 2005 erst als Superior und seit 2006 als Abt eingeführt hat.

Seit Ende 2008 strebt der Hausherr die Rückkehr des Klosters zu alten Formen von Gemeinschaftsleben und gottesdienstlicher Feier an. Die Messen nach tridentinischem Ritus sind selbst in der Frühe an Werktagen gut besucht. Im Chor, dem Teil der Kirche, der den Mönchen vorbehalten ist, sieht der Betrachter wieder mehr junge Männer, die als Anwärter das Ordensleben kennen lernen und in Mariawald bleiben wollen. Der konservative Kurs stößt jedoch im Bistum Aachen auch auf Widerspruch und Ablehnung.

Mariawald ist eine Welt, die auch häufigen Besuchern zu großen Teilen verborgen bleibt. Darum gehören zu den Feierlichkeiten nicht nur Gottesdienste, sondern Führungen durch die Abtei.

Pater Franz, als Prior der zweite Mann im Haus, zeigt Besuchern das Herz des Klosters rund um den Kreuzgang und auch alle die versteckten Kostbarkeiten wie eine 1000 Jahre alte Christus-Figur in der Nähe des Ausgangs zum Wirtschaftsgebäude, des ältesten Bauelements des Klosters, und die Inschrift, die der frühere Obere Wilhelm Schweis 1716 aus Anlass der Renovierung der sehr viel älteren Gebäude hat anbringen lassen. Auch ein Besuch im Kapitelsaal gehören zum Programm der Tour.

Helmut Breuer, pensionierter Lehrer aus Heimbach und passionierter Heimatforscher, bietet zudem Vorträge zur Geschichte der Abtei an. Zudem besteht an allen drei Tagen für Besucher die Möglichkeit, eine kleine Ausstellung mit historischen Gegenständen aus der Abtei Mariawald zu besichtigen.
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