Abtauchen ins eisige Wasser bei klirrender Kälte

Von: Max Stollenwerk
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Bereit machen zum Tauchgang: Die Bergungstaucher des THW aus Aachen und Düren nutzten den zugefrorenen Eiserbachsee am Wochenende, um eine Übung im Eistauchen zu absolvieren. Ausgerüstet mit Trockentauchanzügen ging es unter die zugefrorene Oberfläche. Foto: Max Stollenwerk
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Bereit machen zum Tauchgang: Die Bergungstaucher des THW aus Aachen und Düren nutzten den zugefrorenen Eiserbachsee am Wochenende, um eine Übung im Eistauchen zu absolvieren. Ausgerüstet mit Trockentauchanzügen ging es unter die zugefrorene Oberfläche. Foto: Max Stollenwerk

Rurberg. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, eine geschlossene Schneedecke in der gesamten Nordeifel und trotz Sonnenschein ein eisiger Wind: Bei diesen Bedingungen würde wohl kein Mensch ernsthaft auf die Idee kommen, einmal die Wassertemperatur im zugefrorenen Rurberger Eiserbachsee am eigenen Leib zu testen.

Der Grund dafür, dass am vergangenen Sonntag dennoch eine Gruppe von circa 20 Personen in das kühle Nass eintauchte, waren jedoch nicht etwa wagemutige Badegäste, sondern eine Tauchübung, die die Einheit der Bergungstaucher des Technischen Hilfswerks (THW) Aachen dort absolvierte.

„Wenn wir schon solch perfekte Bedingungen vorfinden, müssen wir diese natürlich zum Eistauchen nutzen, um für den Ernstfall gerüstet zu sein“, so Einsatzleiter und Geschäftsführer des THW Aachen und des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen Wolfgang Friebe. „Denn so oft kommt es nicht vor, dass der See komplett zugefroren ist“, sagt Friebe, der letztmals im Jahr 2009 bei einer solchen Übung am Eiserbachbachsee mit von der Partie war. „Im Einsatzfall sind wir zum Beispiel für die Suche von vermissten Personen in Gewässern, für die Bergung von Verunglückten, die in das Eis eingebrochen sind, oder die Sicherung von Einsatzstellen zuständig“, erläuterte Friebe. Üblicherweise werde dann jedoch zunächst die Feuerwehr alarmiert. Wenn eine Person jedoch unter das Wasser gerät, kommen die Taucher zum Einsatz.

Die zahlreichen Spaziergänger, die bei herrlichem Winterwetter rund um Eiserbachsee und Paulushofdamm unterwegs waren, warfen während der Übung interessierte Blicke auf das nicht alltägliche Geschehen. „Wir haben mit Hilfe einer Motorsäge mehrere Eintauchlöcher in das Eis geschnitten und im Anschluss werden die Bergungstaucher nacheinander für jeweils ungefähr 20 Minuten unter Wasser gehen“, erklärte Friebe.

Voll ausgerüstet

Im Ernstfall könnten die Taucher auch länger als 20 Minuten am Stück unter Wasser bleiben. Die Eisschicht, die den Eiserbachsee zurzeit bedeckt, sei zwölf bis 14 Zentimeter dick, die Wassertemperatur liege bei um die vier Grad Celsius.

Bevor es unter Wasser geht, sind eine Menge an Vorbereitungsmaßnahmen zu treffen. Die Helfer des THW, die mit 30 Personen vor Ort waren, haben vor dem Antoniushof ein Zelt aufgebaut, in dem die Taucher sich nach ihrer Übung aufwärmen und umziehen können und in dem es auch etwas Warmes zu essen gibt. Während der Übung sind die Bergungstaucher mit Trockentauchanzügen, Atemluftflaschen und Vollgesichtstauchmasken ausgestattet, um so gut wie möglich geschützt zu sein. „Es war kalt, aber sehr interessant“, meinte einer der Taucher, unmittelbar nachdem er das Wasser verlassen hatte und schnell den Weg ins Warme suchte.

Auch wenn es verhältnismäßig wenige Einsätze in diesem Bereich gebe, sei es wichtig, regelmäßig solche Übungen zu machen, erklärte Wolfgang Friebe. „Im Juli 2015, als innerhalb weniger Stunden eine Person hier im Eiserbachsee sowie eine weitere im Blausteinsee in Eschweiler ertrunken ist, waren wir mit unseren Tauchern im Einsatz“, schilderte er einen Ernstfall. Um im Training zu bleiben, veranstalteten sie einmal im Monat eine Tauchübung, regelmäßig auch am Blausteinsee oder am Hangeweiher in Aachen, so Friebe.

Bevor er anschließend wieder zurück zu seinen Kollegen geht, kommt er noch auf die mentalen Anforderungen, die an die Bergungstaucher gestellt werden, zu sprechen: „Besonders beim Eistauchen ist eine enorme mentale Stärke gefragt, denn es ist hauptsächlich Kopfsache, wenn man weiß, dass man nicht direkt an die Oberfläche kann, sondern immer zurück zum Eintauchloch kommen muss.“

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