Absichtliches Zündeln gegen ungeliebte Pflanzen

Von: Helga Giesen
Letzte Aktualisierung:
Im Heide- und Venngebiet auf d
Im Heide- und Venngebiet auf dem Struffelt wurde jetzt ausnahmsweise absichtlich und gezielt Feuer gelegt. Diese feuerökologische Maßnahme soll dem Wildwuchs von Pflanzen entgegenwirken und so den Lebensraum Foto: Helga Giesen

Rott. Während ein Feuer in Wald und Venn sonst eher Angst und Schrecken verbreitet, wurde jetzt im NSG Struffelt gezielt gezündelt. Die am Mittwoch durchgeführte Aktion nennt sich feuerökologische Maßnahme und soll dazu dienen, diesen einzigartigen Lebensraum zu erhalten.

Wuchernder Adlerfarn und sich zu stark ausbreitenden Pfeifengras bedrohen die offene Landschaft mit Rest-Vennflächen und Moorheiden inmitten der Wälder auf dem Kopf des Struffelt.

Gute Erfahrungen mit Abbrennen

Mit dem kontrollierten Abbrennen vornehmlich in Heidegebieten hat man anderenorts bereits gute Erfahrungen gemacht, so zum Beispiel in der Drover Heide im Kreis Düren, berichtete Herbert Theißen von der Biologischen Station der Städteregion. Deshalb werde das Konzept jetzt erstmals auch in der Region angewendet. Das sogenannte schnelle Feuer sorgt dafür, dass die unerwünschten Pflanzen kurzzeitig zurückgedrängt werden und ein gutes Keimbett geschaffen wird, in dem sich die gefährdeten Zwergstrauchheiden wieder generieren können.

Während der unerwünschte Aufwuchs von Adlerfarn und Pfeifengras rechts des Wandersteges, der durch das NSG führt, durch das Beweiden mit Schafherden gut in den Griff zu bekommen ist, darf diese Maßnahme links des Steges nicht angewendet werden, weil sich dort ein Wasserschutzgebiet befindet, erläuterte der für den Struffelt zuständige Forstbeamte Walter Pilgram.

Aufgrund der Vielzahl der beteiligten Behörden und Institutionen war es ein langer Weg durch die Instanzen, bis die feuerökologische Maßnahme auf dem Struffelt genehmigt war. Am Mittwoch passte dann auch das Wetter, so dass sie kurzfristig umgesetzt werden konnte. Vier Flächen von insgesamt ca. vier Hektar innerhalb des knapp 120 Hektar großen Gebietes waren dafür vorgesehen.

Drei studierte Förster aus dem Schwarzwald haben das an der Universität erworbene theoretische Wissen in die Praxis umgesetzt und sich mit ihrer Firma auf die Durchführung von feuerökologischen Maßnahmen spezialisiert. Je nach Situation mit Biodiesel oder Gas werden die Flächen in Brand gesetzt. Auf dem Struffelt herrschten jetzt trotz des sich drehenden Windes nahezu ideale Bedingungen, um die Flächen langsam - mit „langen Standzeiten”, wie die Fachleute es nennen - abzubrennen, denn wenn das Feuer zu schnell über die Flächen hinwegfegt, bleibt der erwünschte Effekt aus.

Nach ca. vier Stunden war die Aktion beendet. Zu den interessierten Beobachtern gehörten neben Herbert Theißen und Walter Pilgram auch Robert Jansen vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW, der Eigentümer der Flächen ist, Richard Bollig von der Unteren Landschaftsbehörde der Städteregion sowie Rainer Hülsheger vom Heimat- und Eifelverein Rott.

173 Pflanzenarten

Seit 1986 steht das Heide- und Venngebiet auf dem Struffelt unter Naturschutz. Der Heimat- und Eifelverein Rott hatte durch umfangreiche Kartierungsmaßnahmen, die er im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme durchführen ließ, den Grundstein dafür gelegt. Seitdem engagieren sich die Mitglieder immer wieder durch Renaturierungs- und Pflegemaßnahmen für den Erhalt der Landschaft, die durch ihre Vielfalt gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet. Es wurden 173 Pflanzenarten, darunter seltene Moose und Seggen, nachgewiesen. Im letzten Jahr wurden sechs Brutpaare des Schwarzkehlchens beobachtet, freute sich Herbert Theißen, und neben Heidelerchen und Baumpiepern wurde zum ersten Mal auch wieder eine Sumpfohreule gesichtet.

Der Heimat- und Eifelverein hat zum Schutz der Landschaft Holzstege, wie sie auch aus dem Hohen Venn bekannt sind, verlegt. Im Rahmen seiner Verkehrssicherheitspflicht hat der Landesbetrieb Wald und Holz NRW diese Stege jetzt überarbeitet und an einigen Stellen Handläufe gesetzt, berichtete Walter Pilgram. Den Wanderern und der Bevölkerung, die den Struffelt als beliebtes Naherholungsziel nutzt, bescheinigen die beiden eine hohe Sensibilität, so dass in dem offenen Gelände neben den Vögeln auch Amphibien, Libellen sowie zahlreiche Tag- und Nachtfalter ausreichend Ruhezonen finden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert