Abschied und Auszeichnung für Hunderetter vom Obersee

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
6487713.jpg
Für die „St. Nikolaus“ und Thomas Wobig ist die Arbeit auf dem Obersee getan. Auf einer ihrer letzten gemeinsamen Fahrten wurden sie für einen Hund zu Rettern in der Not. Foto: A. Gabbert

Einruhr/Rurberg. Die Rettung kam für den blinden Mischlingshund in letzter Sekunde. Die „St. Nikolaus“ befand sich zwischen Einruhr und Rurberg auf einer ihrer letzten Fahrten, als die Besatzung sah, wie der Hund mitten im Obersee orientierungslos um sein Leben strampelte.

Schiffsführer Ralf Keppler unterbrach prompt die Fahrt, um mit Matrose Thomas Wobig dem Tier zu helfen. Mit Hilfe eines Rettungsrings gelang es Wobig, an den Hund zu gelangen, ihn am Fell zu packen und an Bord zu ziehen. An der nächsten Anlegestelle wurde das Tier dem Besitzer wieder heil übergeben.

Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. mit Sitz in Gerlingen bei Stuttgart zeichnet die Besatzung der „St. Nikolaus“ deshalb nun mit einer „Helden für Tiere“-Urkunde aus. „Wir sind begeistert über den engagierten Rettungseinsatz der Schiffscrew“, sagt Judith Pein im Namen von PETA. „Durch das sofortige Eingreifen des couragierten Kapitäns und Matrosen konnte das Leben des Hundes gerettet und das Tier sicher ans Ufer gebracht werden.“ PETA zeichnet regelmäßig Menschen für besonders tierfreundliches Verhalten aus.

Dabei haben die Retter nicht lange überlegt. „Schnell war uns allen klar, dass das Tier ertrinkt, wenn niemand hilft“, sagt Thomas Wobig. Der Besitzer des Hundes stand 40 Meter entfernt am Ufer und konnte nur hilflos zuschauen. „Es war zudem sehr windig am See, dann kann die Strömung sehr gefährlich werden“, erklärt Wobig.

Nicht ohne Wehmut

Am Samstag, 2. November, ist die Besatzung wegen ihres beherzten Eingreifens in den Ballsaal des Alten Kurhauses in Aachen eingeladen. „Ich muss mal nachfragen, ob ich dann einen Anzug tragen muss“, sagt Thomas Wobig.

Drei Tage nach der Rettung des Hundes ist für ihn die Zeit bei der Rurseeschifffahrt abgelaufen. Wenn die „St. Nikolaus“ in den nächsten Tagen zum letzten Mal über den Obersee fährt, weil sie bald durch ein größeres Schiff ersetzt wird, wird Wobig nur noch vom Ufer aus zuschauen. Seit 2004 war er als Schiffsführer und Matrose auf dem See unterwegs. Nun sei es aber an der Zeit, sich neuen Dingen zu zuwenden, sagt der 43-jährige Rurberger.

Mit seiner Frau Alexandra, die als staatlich anerkannte Erzieherin arbeitet, will er traumatisierte Pflegekinder bei sich aufnehmen und auch mehr Zeit für die eigene Familie haben. Schließlich hat er in den vergangenen neun Jahren die meisten Wochenenden und Feiertage auf dem See verbracht.

Ganz ohne Wehmut geht der gelernte Schlosser und Elektroniker aber nicht. „Es ist immer komisch, wenn man eine Sache so lange macht und es dann plötzlich vorbei ist“, sagt er. Gerne hätte er auch mal die Nachfolgerin der „St. Nikolaus“ über den Obersee gesteuert. „Aber naja“, sagt Wobig und zuckt mit den Schultern. In Zukunft wird er die „Weiße Flotte“ aus einer anderen Perspektive betrachten, wenn er aus dem Fenster seiner Wohnung auf den See blicken wird und die Schiffe vorbeiziehen sieht.

Viele Stammgäste und Kollegen wird er vermissen, auch wenn er sie bei der ein oder anderen Gelegenheit in der Eifel sicher wiedertreffen wird. „Vielleicht lass ich mir auch mal als Passagier die Sonne auf den Bauch scheinen“, sagt Wobig und klopft zum Abschied noch einmal mit der Faust auf den Rumpf der „St. Nikolaus“.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert