ABK-Wohnheim: „ Anspannung“ gehört zum Fest dazu

Von: Anneliese Lauscher
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Bewohner und Betreuer feiern im “Aachener Hof” in Strauch in geselliger Runde das Weihnachtsfest. Foto: Anneliese Lauscher

Strauch. Weihnachten ist ein besonderes Fest; die meisten Menschen bereiten sich in spezieller Weise darauf vor, für viele ist die Zeit davor aufregend und angespannt. Da machen auch die Bewohner im Wohnheim des ABK-Hilfswerks in Strauch keine Ausnahme; hier besuchten wir fünfzehn junge Erwachsene, die in der Obhut des Hilfswerks wohnen.

Sie sind zwischen 20 und 36 Jahre alt und brauchen pädagogische Betreuung, denn sie weisen seelische Behinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten auf.

Durch gezielte Maßnahmen sollen sie allmählich Möglichkeiten finden, sich in unserer leistungsorientierten Gesellschaft zurechtzufinden. Dazu gehört beispielsweise der tägliche Besuch in der Trainingswerkstatt in Schmidt; hier werden sie im hauswirtschaftlichen Bereich, in der Holz- und Metallverarbeitung angeleitet. Es ist wichtig, dass sie den „Alltag“ kennenlernen, Ausdauer und Konzentration trainieren. Wenn sie selbst etwas herstellen oder gestalten, wirkt sich dies positiv auf ihre Motivation aus und auf ihr Selbstwertgefühl.

Klare Strukturen sind wichtig

Drei der Bewohner aus dem Straucher Haus fahren nach Düren zu den Rurtalwerkstätten einer befindet sich in der Ausbildung zum Bäcker.

„Es ist sehr wichtig, dass unsere Betreuten eine klare Struktur in ihrem Alltag bekommen“, darauf weist Klaus Lagier hin, der stellvertretende Leiter des Staucher Wohnheims das unter dem Namen „Aachener Hof“ geführt wird.

Wenn die Bewohner von der Arbeit nach Hause kommen, setzen sie sich meistens zu einem Kaffee im gemütlichen Aufenthaltsraum zusammen.

Das schöne Haus, die ehemalige Schule von Strauch, wurde im März 2010 eingeweiht; hier gibt es dreizehn Einzel- und ein Doppelzimmer. Die Bewohner bringen sich in alle nötigen Arbeiten zur Sauberhaltung und Pflege mit ein; Küchendienst und Wäsche werden eingeteilt, darüber hinaus macht es manch einem Freude, sein Zimmer in persönlicher Weise zu gestalten.

Fragt man die Bewohner nach Weihnachtsvorbereitungen, so erfährt man von der Arbeit in der Schmidter Werkstatt, die sich eine ganze Weile auf den Weihnachtsmarkt konzentrierte: Da wurde gebastelt, viele Holzspielsachen wurden hergestellt. Es gab Marmelade, Weihnachtsplätzchen und den beliebten Apfelsaft.

Ziemlich genau wusste eine junge Dame Bescheid, die lebhaft von den Einsätzen der „Außengruppe“ bei der Apfelernte berichtete, von der Verarbeitung und dem Pressen zu naturtrübem Saft, der guten Absatz findet.

Auch im „Aachener Hof“ wurde gebacken; Britta Scheilen brachte die Rezepte mit, und in der perfekt eingerichteten Küche machte man sich gemeinsam ans Werk mit der Weihnachtsbäckerei. Da das duftende Gebäck so manchen zum frühzeitigen Naschen animierte, musste nachgebacken werden; die Plätzchen bleiben jetzt bis Heiligabend unter Verschluss!

Der Tannenbaum wurde schon beizeiten gemeinsam geschmückt. Am Freitag fuhren alle aus der Werkstatt nach Monschau zum Weihnachtsmarkt, sie besuchten auch den singenden Hirten in der Höfener Kirche, was die Gruppe sehr beeindruckte. Am Samstag wurde im Aachener Hof eine kleine Weihnachtsfeier gestaltet, wie in anderen Häusern auch, es gab Geschenke, und es wurden Weihnachtslieder gesungen.

Insgesamt elf Bewohner freuten sich auf Weihnachten zu Hause, sie wurden abgeholt und verbringen die Festtage in ihren Familien. Doch vier junge Erwachsene bleiben an den Feiertagen im Wohnheim.

„Natürlich denken sie darüber nach, wo denn ihre Familie ist. Es ist eine gewisse Anspannung zu spüren“, weiß Wiel Kicken, ein pädagogischer Mitarbeiter, „es gibt Bewohner, die haben keine Familie oder es kümmert sich kein Verwandter um sie.“ Aber mit Fantasie und Einfühlungsvermögen gelingt es den Betreuern, eine wirklich stimmige Atmosphäre zu schaffen: „Wir essen gemütlich, es gibt Raclette und wir machen Spiele. Und unsere Bewohner genießen es auch, ihre Ruhe zu haben“, berichtet Klaus Lagier.

Und nach Weihnachten haben sie noch Ferien, bis das neue Jahr beginnt – die Betreuer nicht.

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