Abiprüfungen: Ergebnis der großen Gleichung noch offen

Von: Lea Mertens
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Was für Aufgaben wohl in den Mathematik-Klausuren drin stehen mag? Mittlerweile wissen die Schüler des Gymnasiums St. Michael mehr. Foto: Jan Mönch

Monschau. Nein, niemand musste seine Abi-Klausur in der Turnhalle oder in der Schulaula schreiben. Und auch sonst verlief der Tag der NRW-weiten Prüfung im Lieblingsfach eines jeden Schülers, Mathematik, recht unaufgeregt. So weit jedenfalls, wie man das bei einer Abi-Klausur sagen kann. Und so weit es das Gymnasium St. Michael in Monschau betrifft.

168 Schüler verbringen dort zurzeit ihre letzten Schultage – durch die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf zwölf Jahre als doppelter Abiturjahrgang.

Wie sollten die Schulen der logistischen Herausforderung Herr werden? An der Walter-Scheibler-Straße wurden die mehr als 100 Schüler, die für das Ablegen der Reifeprüfung ihre Mathematik-Kenntnisse unter Beweis stellen mussten, schlicht auf mehrere Klassenräume verteilt. So weit, so unspektakulär.

Dennoch geht für die Schule eine bemerkenswerte Zeit zu Ende, die wohl für sehr lange Zeit einzigartig bleiben dürfte. Schließlich gebot es schon die Fairness, dass die zu einer Riesenstufe zusammengewürfelten älteren und jüngeren Schüler nach und nach fachlich auf den gleichen Stand gebracht werden. Das hat offenbar gut geklappt: „Nach anfänglichen Irritationen“, sagt Schulleiter Dr. Lothar Stresius, „hatten wir den Eindruck, dass die Schüler gar nicht mehr wussten: Ist mein Nebenmann jetzt G8 oder G9?“

Sein Kollegium habe allerdings immer wieder festgestellt, dass man den Schülern die Unterschiedliche Lebenserfahrung anmerkt. „Das hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Aber in diesem Alter macht ein Jahr eben doch eine Menge aus.“

Weitergedacht bedeutet dies, dass sämtliche Abiturienten in Zukunft mit einem Jahr Lebenserfahrung weniger an die Uni oder in die Ausbildung gehen.

Stresius: „Das sehe ich durchaus mit gemischten Gefühlen.“ Gleiches gilt für das Unternehmen G8 im Allgemeinen: „Ich sehe zumindest den Ursprung dieser Entwicklung nach wie vor kritisch. Nämlich dass die Wirtschaft gesagt hat: Die Absolventen müssen früher ins Berufsleben. Man sollte den Schülern aber nicht zu viel zumuten.“

Dennoch ist der Pädagoge davon überzeugt, dass bald Normalität sein wird, was den Abiturjahrgang 2013 noch in eine Sonderrolle schiebt.

Und in der werden auch die Abiturienten des St.-Michael-Gymnasiums noch eine Weile stecken.Auch dann noch, wenn die letzte Klausur geschrieben, die Abiturzeugnisse verteilt und die Abifeiern Vergangenheit sind – und es gilt, den Schritt an die Uni oder ins Berufsleben zu tun.

„Nach Adam Riese gibt es eben doppelt so viele Abgänger, da führt kein Weg dran vorbei“, sagt Stresius. Er hält es für nicht verkehrt, sich auch mit der Möglichkeit einer Ausbildung ernsthaft auseinanderzusetzen – die Hochschulen schließlich laufen in dieser Zeit nicht weg.

Zu viele Sorgen jedenfalls solle sich niemand machen. „Schon wegen des demografischen Rückgangs wird im Endeffekt jeder bekommen, was er will. Wenn auch vielleicht zeitverzögert.“

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