Aaron ist der Hahn im Korb

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Solange Mama Heidi in der Nähe ist, ist für Aaron die Welt in Ordnung. Foto: Holger Twardy

Huppenbroich. Sobald sich ein Fremder nähert, drängt er sich dich an seine Mama. Die ist sehr aufmerksam und ein wenig misstrauisch, bleibt aber dennoch freundlich. Also riskiert der Kleine es, neugierig ein wenig an der Hand zu knabbern, die sich ihm entgegenstreckt. Aaron heißt er, ist erst ein paar Tage alt und ein Junge.

Aus ihm soll einmal einer starker Rheinisch Deutscher Kaltbluthengst werden, wenn alles so läuft, wie „Herdenboss” Holger Twardy es sich erhofft.

Auf einer saftigen Wiese etwas außerhalb von Huppenbroich, einem kleinen Dorf, in dem fast alles „etwas außerhalb” liegt, wurde Aaron am 22. Mai geboren. Dort wohnt er jetzt mit Mama Heidi, der Großmutter und zwei jährigen Stuten (einer Rheinisch Deutschen und einer schwarzen Percheron) den ganzen Sommer über, Tag und Nacht draußen, so wie es sich für ein richtiges Pferdeleben gehört.

Dort gewöhnt sich Aaron auch recht schnell an sein Leben als Hengst, denn er ist auf der Koppel der Hahn im Korb und fühlt sich augenscheinlich wohl unter all den „dicken Damen”, die ihn auch schützend in die Mitte nehmen, wenn ihnen etwas nicht geheuer erscheint.

Aarons Vater, Armenius II., steht in Kerpen und ist nach Aussage von Holger Twardy „von der Abstammung her das Beste, was zu bekommen ist”. Ob aber nun ein guter oder ein weniger guter Vererber, das schlägt bei Kaltblütern nicht sonderlich zu Buche. Viel Geld kann man mit ihnen ohnehin nicht verdienen, und aus finanziellen Gründen haben Holger Twardy und seine Frau Birgit sich auch nicht den Kaltblutpferden zugewandt. Sie haben ihre Herzen an die Dicken verloren, und das dauert ein Leben lang. Die Tiere sind Familienmitglieder. „Alle anderen sind doch gar keine richtigen Pferde”, schwärmt Holger Twardy.

Riesige Plackerei

Mit ihnen fährt er unter anderem beim CHIO in Aachen Vorführungen, spannt sie einspännig, zweispännig, als Tandem oder als Random (drei Pferde hintereinander) vor alte Schlagkarren oder Ackergeräte von anno dazumal.

Und so weiß er auch, was für eine Plackerei es früher gewesen sein muss, einen Hektar Acker zu pflügen. Das war für Mensch und Pferd ein Fußmarsch von 50 Kilometern, eggen und säen jeweils noch einmal dieselbe Distanz obendrauf.

So kam es auch zu den heute längst antiquierten „Stehtagen” für die Dicken, an denen sie (in heute nicht mehr erlaubten) Ständern angebunden waren und einen Tag lang ausruhen und gemütlich fressen durften.

Natürlich spannt er die „Allzweckpferde”, wie er die coolen und freundlichen Kolosse nennt, auch an und kutschiert die ganze Familie durch die Eifel. Anspannung und Leinenhaltung sind streng nach Achenbach, was jedem Fahrer bei seiner Ausbildung eingetrichtert wird. Wer nach Achenbach fährt, der weiß auch, dass ein Pferd keinen Schritt macht, solange der Fahrer keine Kopfbedeckung trägt. Man muss schließlich etwas haben, das man gegenüber feinen Damen lupfen kann.

Das klingt womöglich im 21. Jahrhundert etwas weltfremd, aber in dieser Hinsicht denkt der Mitarbeiter des Aachener Einhard-Verlages, in welchem die Kirchenzeitung erscheint, recht traditionell.

Ein „Pferdemensch” war Holger Twardy eigentlich immer schon, früher auch mit allen möglichen anderen Rassen. Inzwischen aber sind nur noch die Kaltblüter seine Leidenschaft: „Wenn ich von der Arbeit komme, dann weg mit der Krawatte, rein in die Stiefel und ab zu den Pferden.”

Was einmal aus Aaron wird, muss die Zeit erweisen. Entweder er wird wie sein ältester Bruder, der heute in Kesternich steht, „gelegt”, das heißt, aus dem Hengst wird ein Wallach. Oder aber Aarons Anlagen sind so gut, dass er für die Zucht zu gebrauchen ist, möglicherweise sogar wie sein Bruder Nikodemus als Zuchthengst im Landgestüt Warendorf. Die Chancen stehen fifty-fifty. Erst einmal darf Aaron im Schutze seiner „dicken Damen” groß und stark werden.
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