Roetgen - „9. Vennale” in Roetgen: Clara Viebig, Trevvel und Els

„9. Vennale” in Roetgen: Clara Viebig, Trevvel und Els

Von: Egl
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Sie eroberte das Herz des Publikums: Katja Kuhlmann während ihrer Viebig-Interpretation im „Theater im Venn”. Foto: H. Egerland

Roetgen. Der 150. Geburtstag der bekannten Eifel-Schriftstellerin Clara Viebig wurde im „Theater am Venn” auf einfallsreiche Weise gestaltet: Neben einer gelungenen Lesung aus ihrem vielleicht bedeutendsten Eifel-Roman erhielt das Publikum vom Theaterleiter persönlich Trevvel und Els.

Hubert vom Venn, künstlerischer Leiter des Theaters, erläuterte dem gespannten Publikum das Konzept, das sich hinter der Bezeichnung „Vennale” verbirgt: „Wir haben kein Konzept!” Die Vennale sei eine Einrichtung, für die man sich jedes Jahr aufs Neue etwas einfallen lasse. Dieses Jahr stehe Clara Viebig im Vordergrund.

Der 150. Geburtstag der großen Schriftstellerin, die die Eifel erstmals - und dabei viele Jahre vor den Eifel-Krimis eines Jacques Berndorf - auch literarisch bekannt gemacht habe, sei bislang weitgehend in der Südeifel gefeiert worden. Das habe man nun korrigieren wollen.

Da muss man Hubert vom Venn zustimmen, denn immerhin spielt der berühmteste Eifel-Roman der Viebig - „Das Kreuz im Venn” - in Monschau (im Roman nur „die Stadt” genannt) und Kalterherberg (im Roman „Heckenbroich”).

Als besonderes Bonbon präsentierte der Theaterleiter aus der Sammlung Poltes eine seltene, gut zweiminütige Rundfunkaufnahme mit der Originalstimme der großen Schriftstellerin, die humorvoll über Geburt und Jugendzeit berichtete. Das Publikum lauschte den Worten begeistert.

Danach betrat die eigentliche Hauptperson des Abends die Bühne: die 27-jährige Schauspielerin Katja Kuhlmann, eine kleine, zarte Person mit großer Ausstrahlung. Besucher des Grenzlandtheaters kennen sie noch von bewegenden Darstellungen der Anne Frank oder der Mary Warren aus Arthur Millers „Hexenjagd”. Etwas unsicher („Das ist meine erste Lesung!”) nahm sie Platz und präsentierte dem Publikum ausgesuchte Passagen aus dem berühmten „Kreuz im Venn”.

Viebig-Vorleser sollten den Dialekt der Eifel beherrschen, denn die naturalistische Schriftstellerin hatte hierbei großen Wert auf Authentizität gelegt, indem sie Dialekt-Wörterbücher konsultierte und in heimatkundlichen Darstellungen recherchierte.

Katja Kuhlmann ist selbst ein Kind der Eifel und bringt damit die optimalen Voraussetzungen mit; ihr eifeltypischer Singsang ließ die Figuren schnell lebendig werden.

Typisches Arme-Leute Essen

In der Pause verwöhnten die Theatermacher Stamos Papas, Kurt Schreiber und Hubert vom Venn ihre Gäste mit Trevvel und Els, „damit Sie heute Abend Eifel nicht nur hören, sondern auch schmecken”, wie Letzterer erklärte. Trevvel, ein mit Mehl und Milch verlängertes Rührei mit Einlage (Speck) auf Schwarzbrot, sei nicht nur ein regionales Gericht, sondern ein „typisches Arme-Leute-Essen”.

Satt und innerlich gewärmt ging es dann in die zweite Runde, in der dem Zuhörer eines sehr deutlich wurde: Clara Viebig ist kraftvoll, eine sozialkritische Autorin mit scharfem Auge und doch warmem Blick auf die unterschiedlichsten Menschen. Die gut ausgesuchten Textpassagen zeigten die Viebig als eine Erzählerin mit vielen Facetten und großer Strahlkraft.

Am Ende - nach über zwei Stunden - schien der Abend dennoch zu kurz.
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