„7xSommer“: Mit historischen Traktoren auf Tour

Von: ag
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Thomas und Angela Steffens von (hinten,Mitte) „Eifeltrecker“ haben acht Lesern einen ungewöhnlichen Ausflug ermöglicht: Mit fünf hsitorischen Treckern ging es rund um Mützenich. Foto: A. Gabbert
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Hoch auf dem Traktor lässt sich die Landschaft hervorragend genießen: Davon konnten sich auch unsere Leser überzeugen.
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Vor der Abfahrt müssen ein paar Dinge geklärt werden: Thomas Steffens erklärt Renate Valentin wie man Trecker fährt.
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Hinter dem Lenkrad des alten Hatz werden für Herbert Nießen (68) aus Einruhr alte Erinnerungen wach. Foto: A. Gabbert

Mützenich. Das Vorglühen dauert bei diesen Temperaturen nicht lange. Schwarze Qualmwolken kommen aus dem Auspuff, als der Motor des alten Porsches anspringt und mit lautem Tack-Tack-Tack verkündet, dass noch eine Menge Leben in dem historischen Traktor steckt.

Wenig später sind auch der andere Porsche, ein Fendt Dieselross, ein alter Hatz und die beiden Deutz-Traktoren startklar und unsere Lesertour, zu der unsere Zeitung im Rahmen der Aktion „7xSommer“ eingeladen hat, kann losgehen.

Acht unserer Leser hatten am Freitag die Gelegenheit, hinter dem Lenkrad eines alten Treckers sprichwörtlich die Langsamkeit dieser Gefährte zu erfahren und die abwechslungsreiche Landschaft rund um Mützenich zu genießen. Möglich gemacht haben das Thomas und Angela Steffens von „Eifeltrecker“.

Wie beim Auto nur anders

Der Chef fährt vorne und gibt die Richtung vor. Die Chefin bildet das Schlusslicht und achtet darauf, dass niemand verloren geht. Vom Kapellenweg in Mützenich geht es mit 15 km/h über das Platte Venn zum ehemaligen Zollamt und dann hoch zum Stehling. Wer noch nicht auf dem Fahrersitz Platz nehmen darf, muss sich gut festhalten. Stoßdämpfer haben die alten Traktoren nämlich nicht, sie werden lediglich über die Luft in den Reifen gefedert, so dass man als Beifahrer nahezu jede Unebenheit zu spüren bekommt und ordentlich durchgeschüttelt wird. Darauf hat Thomas Steffens vor dem Start der Tour hingewiesen und eine Reihe von Tipps gegeben, wie sich so ein Oldtimer am besten fahren lässt.

Im Prinzip ist fast alles wie beim Auto, aber eben nur fast. Es gibt einige Hebel mehr, mit denen zum Beispiel das Mähwerk bedient werden kann. Unsere Leser sind aber nicht zum Mähen gekommen, sondern zum Fahren, deshalb brauchen sie auf so etwas nicht zu achten. Etwas ungewohnt ist am Anfang, dass es zwei Bremspedale gibt, und dass das Gaspedal etwas unterhalb davon angesiedelt ist. Aber auch das ist kein Problem. Das Kuppeln und Schalten funktioniert auch wie beim Auto, nur etwas langsamer und angefahren wird im vorletzten Gang. Das Zurückschalten während der Fahrt ist nicht ratsam, die Getriebe sind nämlich nicht synchronisiert. Eine Servolenkung gibt es natürlich auch nicht, dafür ist einiges Spiel in der Lenkung und Bremsen gibt es auch nur an der Hinterachse.

Da die kleine Traktor-Kolonne ein echtes Verkehrshindernis ist, sind unsere Leser überwiegend auf asphaltierten oder betonierten Feldwegen unterwegs. Auf den Straßen wird ausreichend Platz zwischen den Fahrzeugen gelassen, so dass die Autos besser überholen können.

Die Gesichter unserer Leser strahlen, als der Fahrzeugpulk auf dem Stehling ankommt. Hier sind eine Pause und ein Fahrerwechsel geplant, schließlich soll jeder in den Genuss kommen, selbst einen der alten Oldtimer zu steuern. Hier ist auch Zeit für Fotos, Fragen und Benzin- beziehungsweise Dieselgespräche: Wo kommt dieser Traktor her? Wie alt ist der älteste Trecker (Baujahr 1955), und wie alt der Jüngste (Baujahr 1964)? Wie restauriert und pflegt man die alten Schätzen am besten und was kostet das? Auch im Gespräch vergeht die Zeit wie im Flug, der Einzige der sich in der Pause ein wenig langweilt ist der achtjährige Richard, für den die praktische Erfahrung mehr zählt als alle Theorie.

Hinter dem Lenkrad des alten Hatz werden für Herbert Nießen (68) aus Einruhr alte Erinnerungen wach. „Der frische Wind verleiht einem außerdem das Gefühl von Freiheit“, sagt er. Auch für Norbert Mauel (65) aus Monschau ist die Tour „noch mal eine tolle Erfahrung“. Schon mit zwölf Jahren durfte er Traktor fahren. „Damals war das ja normal. Da war man stolz, wenn man fahren durfte. Als ich das letzte mal so einen Traktor gefahren bin, war ich 20 Jahre alt“, sagt er begeistert. Renate Valentin (51) aus Imgenbroich gefällt es, „schön gemütlich zu fahren und die Landschaft zu genießen. Das geht besser als mit dem Fahrrad“, sagt sie. „Großen Spaß“ macht es auch Peter Plath (64) aus Roetgen. „Es war so laut, da hätte ich meine Hörgeräte nicht gebraucht, die stören dann eher“, sagt er schmunzelnd. Das Knattern der Motoren gehört eben dazu und macht auch einen Teil des Reizes aus.

Thomas und Angela Steffens besitzen inzwischen elf Trecker im Oldtimeralter, sechs davon sind in der Vermietung. „Wir brauchen immer mindestens einen in Reserve. Es geht ja auch mal was kaputt, dann können wir nicht darauf warten, dass wir im Winter Zeit haben, wieder alles zu reparieren“, erklärt Angela Steffens. Angefangen hat alles vor neun Jahren, als sie sich einen Traktor für den Bau ihres Hauses angeschafft haben. Als der Sohn ungefähr zwei Jahre alt war, fuhren die Steffens nicht mehr zu zweit mit dem Motorrad zur Eisdiele, sondern zu dritt mit dem Trecker. „Irgendwann war es meiner Frau dann zu doof, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen und sie wollte einen eigenen Trecker. Dann kamen später auch noch der Dritte und der Vierte hinzu“, erklärt Steffens.

„Irgendwann krieg auch so einen“

Irgendwann sind sie dann gefragt worden, ob sie ihre Fahrzeuge nicht auch vermieten würden. „Zunächst haben wir das als Blödsinn abgetan, es dann aber schließlich doch ausprobiert. Seit zwei Jahren vermieten wir nun unsere Traktoren und haben jetzt kaum noch ein freies Wochenende“, sagt Thomas Steffens. Die Leute, die die Traktoren mieten, seien völlig unterschiedlich und um eine Männerdomäne handele es sich auch nicht. „Etwa 40 Prozent unserer Mieter sind Frauen. Die gehen auch allein auf Tour, etwa im Rahmen eines Junggesellinenabschieds“, sagt Steffens.

Nach dem Fahrerwechsel geht es am Hatzevenn und am Vennbahnradweg vorbei zur Boverei und wieder zurück in den Kapellenweg zu Thomas und Angela Steffens nach Hause.

„Selber fahren ist besser“, lautet das Fazit von Renate Valentin. „Als Beifahrer hofft man, dass das nächste Schlagloch noch etwas auf sich warten lässt“, sagt Gerd Wildrath (59) aus Vossenack. Trotzdem ist er vollkommen begeistert: „Das war wie erträumt, eine tolle Idee.“ Er findet es schön, denn Blick kreisen zu lassen. „Man thront so hoch, dass man auch mal hinter die Hecken gucken kann.“ Peter Jentges aus Mützenich ist ein großer Fan alter Traktoren. An diesem Tag hat es ihm der alte Deutz D 15 besonders angetan. „Irgendwann krieg ich auch noch so einen. Ich hab selbst drei, aber nicht so einen“, sagt der 43-Jährige.

Für den achtjährigen Richard war es die erste Fahrt mit einem Traktor: „Sowas hab ich noch nie gemacht. Ich fand fast alles toll“, sagt er mit glänzenden Augen. Am Ende sind alle Teilnehmer der Tour auf ihre Kosten gekommen und treten glücklich und zufrieden mit dem Auto den Heimweg an. Eines ist für alle klar: „Das war nicht das letzte Mal.“

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