70-jähriger Kinderschänder muss 40 Monate in Haft

Von: Klaus Pesch
Letzte Aktualisierung:

Gemünd/Eicherscheid. Ein 70-jähriger Angeklagter aus Eicherscheid wurde am Mittwoch wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Kindern in sieben Fällen vom Jugendschöffengericht in Gemünd zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt.

Einbezogen wurde eine vom Landgericht Aachen verhängte Strafe wegen eines Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz, für die allein der Verurteilte ein Jahr und zehn Monate hätte in Haft gehen müssen. Der verurteilte 70-Jährige erklärte, dass er Berufung gegen das Urteil einlegen wolle.

Wie Richter Kai Bergmann in seiner Urteilsbegründung der dreitägigen Hauptverhandlung erläuterte, sei man davon überzeugt, dass sich das Geschehen weitgehend so abgespielt habe, wie es dem Beschuldigten in der Anklageschrift zur Last gelegt wurde.

Zwischen April und Mai 2009 kam es demnach bei mehreren Gelegenheiten dazu, dass der Mann bei einem Mädchen versuchte, von hinten kommend die Hände in Hose oder Rock zu stecken und den Genitalbereich zu berühren. Außerdem hat er demnach bei einer weiteren Gelegenheit das Mädchen aufgefordert, es solle ihn selbst im Genitalbereich berühren.

In einem der sieben Fälle soll er zudem versucht haben, sich auf ähnliche Weise einer Freundin des Opfers zu nähern. Das Gericht hielt die Aussage des heute 15-jährigen Mädchens für absolut zuverlässig.

Die 15-Jährige habe durchaus Erinnerungslücken zugegeben, keine Tendenz gezeigt, den Angeklagten übermäßig zu belasten, und auch ein in Auftrag gegebenes aussagepsychologisches Gutachten stütze alle ihre Aussagen. Das Gericht habe den Eindruck, dass die Zeugin zwar noch kindlich sei, aber sehr aufgeweckt, und dass es keinen Anlass gebe, ihre Aussagen anzuzweifeln.

Eher schwerhöriger Eindruck

Der Schwiegervater des Angeklagten hatte ausgesagt, er habe nicht gehört, dass der Angeklagte das Mädchen aufgefordert haben solle, ihm bei der Selbstbefriedigung zuzuschauen. Stattdessen habe der Angeklagte einfach gesagt: „Ich hol das Ding runter” und damit aber einen Gegenstand auf dem Speicher gemeint. Diese Äußerung, so Richter Kai Bergmann, sei eher verwunderlich. Denn dieser Zeuge habe bei der Verhandlung einen eher schwerhörigen Eindruck gemacht.

Mildernd berücksichtigt worden sei vom Gericht, dass aufgrund einer Erkrankung des Angeklagten eine erhöhte Haftempfindlichkeit bestehe. Außerdem seien die Übergriffe von „eher geringer Intensität” gewesen. Erschwerend komme hinzu, dass er bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten sei.

Wie vom Vertreter der Nebenklägerin, Holger Jacobs, zu erfahren war, ist der Mann im Juni 2010 vom Landgericht Aachen verurteilt worden, weil er im Raum Simmerath eine Hanfplantage betrieben hatte.

Der Angeklagte hatte bei der Verhandlung erklärt, die damals 13-Jährige sei lange Zeit eine sehr enge Freundin seiner Tochter gewesen und im Haus der Familie täglich ein- und ausgegangen. Doch später sei es zum Streit gekommen.

Laut Richter Bergmann wurde in der Verhandlung versucht, das Mädchen in ein schlechtes Licht zu rücken, indem man ausgesagt habe, es habe Alkohol und Zigaretten aus dem Zimmer des Schwiegervaters des Angeklagten gestohlen. Doch das sei von dem Mann, dem die Zigaretten abhanden kamen, so nicht bestätigt worden.

Nach der Verhandlung äußerte die Mutter des heute 15-jährigen Mädchens gegenüber der Presse ihre Befriedigung über das Urteil. Insbesondere, dass das Gericht keinen Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen ihrer Tochter habe, sei ihr sehr wichtig. Dass der Angeklagte in Berufung gehen wolle, halte sie allerdings für problematisch.

Schließlich könne er nun weiterhin im Ort in Kontakt mit Kindern kommen. Und wenn an der Berufungskammer des Aachener Landgerichtes das Verfahren komplett neu aufgerollt werde, bedeute dies für ihre Tochter, dass sie erneut vor Gericht peinliche Fragen beantworten müsse.
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