Städteregion Aachen - 6000 Watt stark: Cinetower und Cinecarree führen neues Verfahren ein

6000 Watt stark: Cinetower und Cinecarree führen neues Verfahren ein

Von: Holger Bubel
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Die Zukunft des Kinos ist digi
Die Zukunft des Kinos ist digital: Sebastian Stürtz, Kinobetreiber in Aachen und Alsdorf, freut sich, dass er die alten Filmrollen nicht mehr zurückspulen muss. Foto: Holger Bubel

Städteregion Aachen. Möglich macht das gestochen scharfe Bild „unsere Sonne”, wie Sebastian Stürtz beeindruckt den 6000 Watt starken Xenon-Lichtkolben nennt. Im Aachener Cinecarree - Sebastian Stürtz ist Sohn des Betreibers Leo Stürtz - bereiten solche Kolben seit rund zwei Monaten den Kinobesuchern ein visuelles Erlebnis allerhöchster Qualität.

Im Cinetower in Alsdorf verschärfen sie seit etwa drei Monaten das Kinoerlebnis. Denn: In den insgesamt 21 Sälen der beiden Kinos wurde die mechanische und fotochemische Präsentation von Filmen auf Rollen durch digitale Verfahren ersetzt. Die Xenon-Kolben sind Bestandteile der neuen Projektoren und leisten Beeindruckendes. Im Tower 7 in Alsdorf etwa projiziert die Lichtquelle auf die 200 Quadratmeter große Leinwand mit Hilfe eines 4k-Projektors durch 3-D-Qualität das Gefühl, mit der „Titanic” unter zu gehen. 4k, das bedeutet eine Auflösung von 4096x2160 Bildpunkten. Zum Vergleich: Ein mit Full-HD gut ausgestattetes TV-Gerät im heimischen Wohnzimmer hat eine Bildschirmauflösung von 1920x1080 Pixeln.

Wenn Sebastian Stürtz zu dem eindrucksvollen Bilderlebnis außerdem noch den Lautstärkeregler im Vorführraum hochdreht, dann schlottern die Hosenbeine der Zuschauer im Saal wie das Haar von Kate Winslet am Bug des gigantischen und zum Untergang verdammten Kreuzfahrtschiffs im Fahrtwind. „Technisch haben wir uns immer am neuesten Stand orientiert”, sagt Leo Stürtz, der auch Betreiber des Cinetowers in Alsdorf ist. Das galt auch in der Vergangenheit für die „guten, alten 35-Millimeter-Filmrollen”, die Stürtz bereits im Alter von 13 Jahren im elterlichen Kinobetrieb mit „Atrium” und „Gloria” eingelegt und gewechselt hatte.

Sohn Sebastian, der heute im Familienbetrieb eingebunden ist, hat ebenfalls schon früh seine Leidenschaft für die Cineastik entdeckt: „Mit 13 habe ich die Karten am Eingang abgerissen und mit 14 durfte ich das Vorführen von der Pike auf lernen”, erinnert er sich. Filmrollen wechseln, das ist heute reine Nostalgie, auch wenn immer noch drei alte Projektoren für ebenso nostalgische Präsentationen bereitstehen, etwa für die Reihe „Classic Movie”. Solche Filme wurden und werden nicht mehr in Bits und Bytes umgewandelt.

Die Zukunft heißt digital - und hat schon begonnen. „Die Filme werden nicht mehr auf Rollen angeliefert - bei Titanic beispielsweise waren das 15 pro Filmkopie -, sondern auf Festplatte”, erzählt Leo Stürtz. Wie lange ein Film gezeigt werden darf, wird vorher vertraglich zwischen dem Kinobetreiber und dem Filmverleiher festgelegt. Die Umstellung von mechanischer auf digitale Projektion sehen Vater und Sohn Stürz noch nicht abgeschlossen. „Der Störbereich bei der 35-Millimeter-Vorführung war sehr gering. Dieses Niveau zu halten, wird eine große Aufgabe”, sagt Leo Stürtz mit dem Verweis, dass auch Technik fehlerbehaftet sein kann, etwa: „In einem Saal haben 68 Besucher auf ?Titanic gewartet, aber der Film wurde nicht freigeschaltet. Ihnen zu erklären warum, war kaum möglich.” Sebastian und Leo Stürtz sehen neben der herausragenden Bild- und Tonqualität weitere Vorteile des digitalen Systems: „Die Qualität der Filme ist auch nach mehrmaligem Abspielen noch so gut, wie am ersten Tag. Außerdem ist das Bild sehr stabil und kontrastreich, hat mehr Farbe und ist über die gesamte Leinwand gleich ausgeleuchtet”, erläutert Sebastian Stürtz. „Und”, ergänzt Leo Stürtz, „das zeitaufwendige Rückspulen der Filmrollen entfällt.” Weil die Festplatte auf verschiedenen Servern dupliziert werden darf, kann der gleiche Film in verschiedenen Sälen gleichzeitig abgespielt werden.

Aber jede Medaille hat bekanntlich eine Kehrseite. „Die Technik ist sehr sensibel, und Reparaturen dürfen nur von zertifizierten Technikern ausgeführt werden”, zählt Leo Stürtz auf. Und: „Wir können schon fast von einem ?gläsernen Kino sprechen, denn auch die Kasse und das Ticketing sind über das Server-System überprüfbar.”

Natürlich hat der Qualitätsanstieg in den Vorführsälen seinen Preis: Insgesamt hat Betreiber Stürtz zwei Millionen Euro investiert, in Hardware, Installation, Netzwerk, Klimatechnik, Beschallung, Leinwände und mehr. 13.500 Euro kostet alleine eine Garantieverlängerung für einen Projektor mit Server. Die Projektoren kosten zwischen 58.000 und 85.000 Euro, ein Server rund 15 000 Euro. Wohlgemerkt: Das bedeutet eine Finanzierung ohne die Unterstützung der Filmförderungsanstalt, die nur kleinere Kinos unterstützt.

„Die Investition war aber zwingend notwendig, um mit der Zeit zu gehen, ist allerdings unternehmerisch unser Risiko”, sagt Leo Stürtz. „Aber damit sind wir für die Zukunft auch sehr gut aufgestellt. Waren wir zur mechanischen Projektion schon gut, so sind wir jetzt noch besser.”

Die Idee des digitalen Kinos kommt aus Hollywood

Den ersten Schritt zu digitalem Kino machten Filmstudios in Hollywood 2002 mit der Gründung der Digital Cinema Initiatives (DCI).

Ein Digitalfilm hat durchschnittlich 150 Gigabyte, bei 3D-Filmen ist es ungefähr die doppelte Menge an Daten.

Kinobetreiber erhalten Festplatten, die so groß sind wie Videokassetten. Auf ihr befindet sich der Film.

Den dazugehörigen „Schlüssel” gibt es per E-Mail. Künftig soll die Freischaltung über Satelitensteuerung geregelt werden.
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