50 Jahre Hofgesang: Jubiläum und ein Ade

Von: Günther Sander
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Der „Kopf der Hofsänger“, Egon Krott (2. von links), probt mit seinen Jungs für den Jubiläumsauftritt neue und bekannte Hits. Foto: Günther Sander

Roetgen. Hört man die bekannten Ohrwürmer „Sassa“ aus der Operette „Maske in Blau“ oder das legendäre „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, denkt man unweigerlich an den Mainzer Karneval und die „Mainzer Hofsänger.“ Die versprühen seit nunmehr 88 Jahren „Gesungene Lebensfreude“.

1926 war deren Geburtsstunde, 20 Mitglieder aus dem damaligen „Extra-Chor“, setzten sich ab, waren fürderhin „Die Hofsänger“. Deren Erfolgskurve stieg nach oben, das Ensemble wurde zu einem Markenzeichen der „Mänzer Fassenacht“. 1947 war das Geburtsjahr des Superhits „Sassa“, 1955 gesellte sich „So ein Tag“ hinzu.

Fernsehauftritt

Ihren ersten Auftritt im Fernsehen hatten die „Hofsänger“ bei der Prinzenproklamation des Kölner Dreigestirns. Aber auch Roetgen hat seine Hofsänger: kleiner, doch von Beginn ein erlesenes Trio (heute Quartett) als Markenzeichen der Musikvereinigung. Sie sind zwar keine 88 Jahre auf Achse, aber in diesem Jahr feiern sie ihr 50-jähriges Bestehen. Ein halbes Jahrhundert pure Freude, ein Novum für eine Amateurgruppe, ein wenig auch für die ganze Eifel und teilweise sogar darüber hinaus.

Das Roetgener Trio gefällt mit herrlichem Gesang, tollen Liedern sowie Parodien, Lokalkolorit und Persiflagen. Fein geschliffene Texte, spitzfindige Themen – das alles sind die starken Seiten der Rüetscher Jonge. Damit ernten sie Jahr für Jahr viel Beifall. Bei einem Probenbesuch erfuhr unsere Zeitung mehr über die Geburtsstunde der Stimmungsmacher.

Als da waren 1965 Egon Krott (von Beginn an dabei), Harry Brandts am Keyboard (28 Jahre zugehörig), Marko Schlensog (22 Jahre aktiv) und Markus Johnen, seit 19 Jahren im Quartett mit von der Partie. Anstoß zur Gründung habe Karl Steffens, 1965 Dirigent und Vorsitzender der Musikvereinigung, gegeben, als er zu seinem 60. Geburtstag in den heutigen Brunnenhof eingeladen hatte und ein Fass Bier spendierte. „Da hatte ich die Idee, einige Parodien über unserer Vereinsleben zu verfassen“, lacht Egon Krott.

Text eins war rasch gefunden: „Warum sind wir heute hier, trinken Steffens Karl sein Bier.“ Und „der Egon“ sprühte fürderhin nur so vor Ideen, ihm glückte im gleichen Jahr der Superhit, der bis heute noch jeden Abschluss der Auftritte bildet: „Das Lied von den stockbesoffenen kleinen Bläserlein“, eine Anleihe bei Willy Millowitschs „Kleine Sünderlein“.

50 Jahre sind ins Land gegangen, rund 250 Lieder kamen zusammen, nicht nur aus der Feder von Egon Krott. Auch seine Mitsänger Harry Brandts, Markus Johnen und Markos Schlensog lieferten brauchbare Parodien und zündende Texte. Immer auf bekannte Hits von Udo Jürgens, Cliff Richard, Nina und Mike und vielen anderen Stars – fein verpackt und trefflich umgetextet.

Der Kopf der Gruppe geht

Egon Krott sagt, im Mittelpunkt der Lieder werde stets das Vereinsleben kommentiert und parodiert, aber auch wichtige Dorfbegebenheiten wie der Bürgersaal oder der Weihnachtsmarkt bekommen ihr Fett weg. Es sei stets darum gegangen, wer was „jelappt“ hatte, der fand sich in den Hofsänger-Hits wieder. Krott erzählt stolz, man habe sich von Jahr zu Jaht gesteigert und die Qualität sowohl musikalisch als auch textlich verbessert. Bei den Proben ist das durchzuhören.

„Meine Stichworte trage ich in der Geldbörse, sie werden stets aktualisiert, denn wir wollen à jour sein“, so Egon Krott. „Los Jungs, lasst uns proben, die Zeit drängt.“

Am 31. Januar ist der Jubiläumsauftritt im Schützenhaus in Petergensfeld, wo die MVR zünftigen Karneval präsentieren wird. Hierzu hat Hofsänger-Kopp Egon Krott auch die ehemaligen Gesangsfreunde Ralf Offermanns und Klaus Vossenkaul eingeladen, man wolle „verstärkt“ auftreten. Weitere Kameraden waren leider verhindert.

Natürlich wird im „Belgischen Wald“ die Post abgehen, wenn ein Querschnitt durch „50 Jahre Hofsänger“ erklingt und auch Hits der 50er das Programm bereichern. „Die singen wir kurz an, die sind bekannt, da darf kräftig mitgesungen werden“, lädt Egon Krott ein. Als da wären Ohrwürmer wie die „Fliegenden Musikanten“ (USA-Reise der MVR), „Griechischer Wein“ (Roetgener Nationalgetränk Els), „Lev Linda Lu“ (Vereinslokal-Wirtin Karin Gier), „Es gibt ein Leben nach dem Tod“ und „Heilig Abend auf dem Dom“.

Weihnachtslieder spielen sie auf dem Kirchturm bei großer Kälte, die Instrumente froren ein, da sang man „Zu Bethlehem jeboren is in der Tröt erfroren“. Ein kleiner Wermutstropfen zum Jubelauftritt ist doch dabei: „Ich werde meine Karriere bei den Hofsängern beenden. Ich sehe den Fortbestand gesichert und freue mich im nächsten Jahr auf das Zuhören“, meldet Egon Krott seinen Abgesang. Einmal sei die Zeit reif, „Time To Say Goodbye“ zu sagen – ein großer Hofsänger und ein Botschafter des Humors hat 50 Jahre lang seine Pflicht getan.

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