26-Jähriger gesteht Mord in Kesternich

Von: hes/P. St
Letzte Aktualisierung:

Simmerath. Die Ermittlungen im Mordfall einer 61-jährigen Frau aus Kesternich haben am Wochenende eine überraschende Wendung genommen. Der Tat dringend verdächtigt wird nunmehr ein 26-jähriger Mann aus dem Raum Simmerath, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft Aachen auch zugegeben hat, vor zwei Wochen die Frau des Ortsvorstehers getötet zu haben.

„Allerdings ergeben sich konkrete Anhaltspunkte, dass der Geständige im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit, beziehungsweise sogar der Schuldunfähigkeit gehandelt hat“, so Dr. Jost Schützeberg, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Aachen.

Für den bislang der Tat dringend verdächtigten und in Untersuchungshaft befindlichen 32-Jährigen aus Kesternich wurde am Freitagmittag Entlassung beantragt und vom Amtsgericht Aachen die Freilassung angeordnet. Der 32-Jährige, den eine Boulevardzeitung bereits samt Bild und Motiv öffentlich als Täter dargestellt hatte, hatte zunächst geschwiegen und die Tat dann bis zuletzt bestritten.

Übereinstimmende DNA-Probe

Bei ihren weiteren Ermittlungen stieß die Mordkommission der Polizei dann am Tatort auf DNA-Material, dessen Abgleich mit der polizeilichen Datenbank dann einen überraschenden Treffer erbrachte: Das gefundene, wahrscheinlich vom Körper (Haare, Flüssigkeit) des Täters stammende Material stimmte exakt überein mit der DNA-Probe eines 26-jährigen Mannes aus dem Raum Simmerath, der bereits polizeilich in Erscheinung getreten ist, „wenn auch noch nicht in der Schwere des nun vorliegenden Falles“, so Dr. Schützeberg.

Mit diesem Fall zeige sich im übrigen wieder die Notwendigkeit von DNA-Untersuchungen bzw. des Anlegens einer Datenbank potentieller Täter. Nach der Festnahme des 26-Jährigen in seinem Wohnort, in deren Verlauf er die Tat einräumte, erließ die Staatsanwaltschaft aufgrund der verminderten Schuldfähigkeit „keinen Haftbefehl, sondern beantragte am Samstagmittag die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Während die Festnahme des 32-Jährigen vergangene Woche sich lediglich auf Verdachtsmomente und Zeugenangaben stützte, würden in diesem Fall ein Geständnis und der DNA-Nachweis den Festgenommenen erheblich schwerer belasten. Gleichwohl sei die Anordnung der sogenannten Maßregel (Unterbringung in der Psychiatrie) „noch keine Verurteilung“, unterstrich der Staatsanwalt.

Völlig unklar ist den Ermittlern noch das Motiv des Verdächtigen, der in keinem Verhältnis zur Getöteten stand, „sie vermutlich nicht einmal kannte“, so Dr. Schützeberg. Hier erhoffen die Behörden sich Erkenntnisse von den weiteren Vernehmungen des 26-Jährigen.

Wie die Staatsanwalt am Sonntag weiterhin auf Anfrage erklärte, soll sich der 26-Jährige, der nicht aus Kesternich stammt, nach bisher vorliegenden Erkenntnissen unter einem Vorwand Zutritt zu der Wohnung verschafft haben. „Alles sieht nach einer Zufallsbegegnung mit dem Opfer aus“, ergänzt Dr. Schützeberg.

Das schreckliche Geschehen hatte sich am Montag, 10. Februar, gegen 19 Uhr in Kesternich abgespielt. Die beiden Enkelkinder hatten ihre leblose Großmutter im Wohnbereich des angrenzenden Hauses der Tochter gefunden. Als Todesursache hatte die Staatsanwalt „dumpfe Gewaltanwendung“ im Kopfbereich angegeben. Den dabei verwendeten Gegenstand, mit dem der Täter mehrfach auf sein Opfer eingeschlagen haben soll, hat er nach bisherigen Erkenntnissen im Haus vorgefunden.

Zeugen müssen sich verantworten

Der Staatsanwaltschaft ist nach der jüngsten Entwicklung auch die problematische Situation des zunächst der Tat verdächtigten und inzwischen freigelassenen 32-Jährigen bewusst. Dieser sei offenbar „zu Unrecht“ durch Zeugenaussagen schwer belastet worden. Aufgrund dieser Aussagen, die die vorläufige Festnahme und eine Anordnung von Untersuchungshaft zur Folge hatten, müssten die Beteiligten nun ihrerseits damit rechnen zur Rechenschaft gezogen.

Leserkommentare

Leserkommentare (16)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert