2500 Euro für Abschied auf dem Autofriedhof

Von: Saskia Zimmer
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Endstation: Der Radlader bringt das Auto in die Halle, wo Arnolds unter anderem Öl, Benzin und Reifen entfernt. Foto: Saskia Zimmer

Nordeifel. Ralf Arnolds ist gewappnet. Ein großer Stapel Papier liegt vor ihm auf dem Tresen. „Verwertungsnachweis” steht in großen orangenen Buchstaben über jedem dieser äußerst bürokratisch aussehenden Formulare.

Für den Besitzer eines „Autofriedhofes” gehören die Verwertungsnachweise zum Tagesgeschäft, schließlich verdient Arnolds sein Geld mit der ordnungsgemäßen Entsorgung von Fahrzeugen, egal ob Familienkutsche, Kleinwagen oder sportlicher Flitzer.

Diese Verwertungsnachweise allerdings, die Arnolds wie zum Sprung bereit parat gelegt hat, unterscheiden sich in zweierlei Hinsicht von denen, die er sonst ausstellt. Erstens: Sie sind dutzendfach bereits fertig ausgefüllt, perfekt vorbereitet, damit in den nächsten Tagen alles wie am Schnürchen läuft. Zweitens: Das DIN A4 Formular kann demjenigen, der es im Moment gegen sein geliebtes altes Auto eintauscht, 2500 Euro bescheren.

Arnolds betreibt einen zertfifizierten Altfahrzeug-Demontagebetrieb in Rollesbroich und rechnet ab nächster Woche mit einem regen Andrang. Denn die „Abwrack-” oder auch „Umweltprämie”, die die Bundesregierung im Zuge des Konjunkturprogramms beschlossen hat, kann nur derjenige in Anspruch nehmen, der sein altes Auto fachgerecht entsorgt hat und das mit dem Verwertungnachweis belegen kann.

Weg der Abwicklung unklar

„Das Telefon stand in den letzten Tagen nicht still”, sagt Arnolds. Sowohl Privatleute als auch Autohändler, die schon mehrere alte Wagen auf ihrem Gelände lagern, möchten die Verschrottung anmelden. „Das geht auch ohne weiteres, das einzige Problem: Die Formulare für den Antrag der Prämie sind noch nicht verfügbar.” Aber dieser Part gehört nicht mehr zu Arnolds Geschäft.

Beantragen können die Prämie sowohl die Autohändler als auch die -käufer. „Viel mehr steht allerdings noch nicht fest”, beklagt Stefan Niessen, Verkaufsleiter beim Autohaus Krings in Kesternich. „Der Weg der Abwicklung ist nicht klar, die Informationspolitik lässt sehr zu wünschen übrig.” Und das, obwohl viele Kunden sehr interessiert seien an dem Angebot. „Die müssen wir erstmal vertrösten, zum genauen Ablauf können wir nichts sagen.”

Mehrere Autos konnte Niessen dank der Umweltprämie trotzdem schon verkaufen. „Die Nachfrage stieg sofort an”, sagt Niessen. Er stellt allerdings auch fest, dass sich nur gewisse Käufer von dem Angebot angesprochen fühlen. „Die Prämie ist vor allem im Hinblick auf Kleinwagen ein Kaufkriterium.” Bei steigendem Preis sinke der Anreiz durch die Prämie. Trotzdem fällt Niessens Bewertung durchweg positiv aus: „Die große Resonanz spricht für den Erfolg dieser Maßnahme.”

Kunden noch verunsichert

Auch Walter Klein kann in seinem Autohaus am Hargard ein großes Kundeninteresse verbuchen. Allerdings sei die tatsächliche Umsetzung noch zögerlich. „Die Bundesregierung lässt die Leute zu lange im Ungewissen, die Menschen sind unverunsichert”, sagt Klein.

Dass die FDP, die nach der Hessenwahl eine Veränderung der Abwrackprämie forderte, ihren Teil dazu beigetragen habe, ist sich Klein sicher. „Das ganze Programm hätte mehr Durchschlagskraft haben können, wenn die Käufer von vornherein mehr Planungssicherheit bekommen hätten.” Dennoch ist auch Klein davon überzeugt, „dass die Prämie die Konjunktur ankurbeln wird”.

Auch beim Autohaus Schmitz in Imgenbroich klingelte in den letzten Tagen beinah ununterbrochen das Telefon. Die Mitarbeiter hier bedauern allerdings, dass sie den Kunden nichts Genaues sagen können. Wer bekommt eigentlich die Prämie? Das Autohaus? Der Kunde? Und wann wird das Geld überhaupt gezahlt? Muss das Autohaus die 2500 Euro gegebenenfalls vorstrecken?

Das alles sind Fragen, mit denen man sich beim Autohaus Schmitz zumindest bis jetzt allein gelassen fühlt. Dort werden jetzt alle Hoffnungen auf die kommende Woche gesetzt, denn dann soll endlich das Antragsformular für die Umweltprämie verfügbar sein.

Und ab dann rechnen alle Autohäuser mit einem regelrechten „Run” auf Neu- und Jahreswagen. Auch auf dem Autofriedhof in Rollesbroich wird „der Bär los sein”, wie Arnolds sagt. Auch wenn es nicht allen Autobesitzern leicht fällt, sich von ihrem alten Schätzchen zu trennen. „Aber bei 2500 Euro Prämie fällt bestimmt auch Frauen, die oft mehr an ihrem Auto hängen, der Abschied leicht”, sagt Arnolds und lacht. Für ihn seien Autos nun mal nicht mehr als Autos, und die muss er umweltgerecht enstorgen. Und dafür ist er gerüstet, komme, was wolle.
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