20 Jahre Bühne und nicht müde

Von: Barbara Berger
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Roetgen. Mein lieber Herr Gesangsverein! Manchmal schreibt das Leben die schönsten Geschichten: Aus der Not geboren sollte der erste Auftritt des „Lovely Mr. Singing Club”, so die grobe englische Übersetzung, nur einen Abend füllen. Daraus geworden sind ein paar mehr.

Am Samstagabend feierte das Roetgener Quartett sein 20-jähriges Bandjubiläum im katholischen Pfarrheim.

Weil seine damaligen Bandmitglieder sich weigerten, bei der Eröffnungssendung einer Funkstation in die Saiten zu greifen, organisierte der Roetgener Walter Krott (Bass) kurzerhand seinen Vetter Gerd Vossenkaul (erster Tenor) als gesangliche Vertretung. Der ließ sich nicht lange bitten und sprang tatsächlich ein.

So war nicht nur der musikalische Erfolg am damaligen Abend gesichert, sondern auch die A-Cappella Gruppe aus der Taufe gehoben. Kurz darauf stießen noch Klaus Vossenkaul als Bariton und Thomas Thissen als zweiter Tenor hinzu und komplettierten die Band zum Quartett.

Markante Stimmen

Genau 20 Jahre später steht der „Liebe Herr Gesangsverein” immer noch auf der Bühne und klingt kein bisschen müde. „Die Haare sind zwar weniger geworden”, geben die vier Musiker mit einem Augenzwinkern an, aber der Musik, alleine erzeugt durch ihre markanten Stimmen, sind sie treu geblieben.

Dabei war es schon damals, also 1989, eine ungewöhnliche Idee, sich ohne Instrumente auf die Bühne zu wagen. Für die stimmgewaltigen Hobbymusiker, die abseits von der Bühne ihren Lebensunterhalt als Ingenieure, Polizisten und Sozialarbeiter verdienen, war aber klar: „Gesang hat uns unser ganzes Leben lang begleitet”, warum sollte es dann nicht auch als Vokalistengruppe funktionieren?

„Wir singen einfach alle gerne”, so begründet Klaus Vossenkaul, der musikalische Kopf des Lovely Mr. Singing Club die damalige Entscheidung. Er ist auch derjenige, der mit der Stimmgabel in der Hand vor jedem Lied den Ton angibt.

Dabei sehen sich die Mitglieder des Quartetts durchaus nicht als Arbeitsgemeinschaft, in der einer bestimmt, wo es langgeht. Im Gegenteil: „Wir sind eine gewachsene Band”, versichert Klaus Vossenkaul und bezieht sich damit nicht nur auf die jahrelange Freundschaft unter den einzelnen Sängern, sondern auch darauf, dass jeder von ihnen einen unterschiedlichen Charakter mitbringe. „Wenn wir aber zu singen anfangen”, ergänzt er schnell, „dann ist sofort Harmonie da”.

„Tolle Sachen, haben wir in den 20 Jahren gesehen”, erzählt Vossenkaul weiter und erinnert sich an Touren durch ganz Deutschland, auf die sie ohne einen Pfennig Geld in der Hosentasche gestartet seien. Nur ihre Stimme trugen sie immer bei sich. So etwas schweißt zusammen.

Nach einem spontanen Konzert im Biergarten, das sie auf den Bierbänken stehend beendet hatten, wurden sie gar vom Fleck weg für einige aufeinander folgende, sehr lukrative Engagements gebucht. Nach Hause seien sie jedenfalls immer mit einem Plus gekommen, grinsen sie.

Diesen unbeschwerten, authentischen Umgang mit der Musik wissen die Fans zu schätzen: Die beiden Vorstellungen am Wochenende in Roetgen waren schnell ausverkauft. Jeweils 250 Gäste kamen, um mit dem Lovely Mr. Singing Club zu feiern.

In ihrem Programm, vollgepackt mit den beliebten Klassikern und neuem Liedgut, zeigten die Vier worauf es bei einer A-Capella-Combo ankommt. Sie summten, brummten und trällerten, mal etwas kräftiger, an anderen Stellen um einiges ruhiger. Über allem lag immer ihr klarer Gesang, der Instrumente nicht vermissen ließ. Zwischendurch sorgten die zahlreichen Anekdoten, gesammelt in zwanzig Jahren Bandgeschichte, für Lacher im Publikum.

Auch wenn sie nur unregelmäßig Konzerte geben, an Bühnenerfahrung mangelt es ihnen nicht. „Wir sind alte Hasen, was das angeht”, lacht Vossenkaul. Aber selbst alte Hasen wie sie mussten schlucken, als sie nach ihrem knapp dreistündigen Auftritt mit stehenden Ovationen gefeiert wurden - ein ganz besonderer Moment für die Musiker. Sichtlich gerührt brachte Walter Krott die Emotionen des Quartetts auf den Punkt: „Das tut verdammt gut.”
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