10.000 Menschen diskutieren im Bürgerforum 2011

Von: Sarah Sillius
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Politik kann ganz schön anstrengend sein: Alexander Schmeck (vorne rechts) bringt seine Ideen im Ausschuss Demografie ein. Auf Plakaten werden die Ideen der Bürger festgehalten. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Kurz vor Weihnachten klingelte bei Familie Schmeck das Telefon. Zufall, denn Alexander Schmeck ist einer von 10.000 beliebig ausgewählten Menschen in Deutschland, die zum Bürgerforum 2011 eingeladen wurden.

Bis dahin war der 49-Jährige nicht politisch aktiv. „Ich lese zwar regelmäßig die Zeitung und diskutiere mit Familie und Freunden über bestimmte Themen, aber ich bin in keiner Partei, also völlig unabhängig”, sagt er vorab. „Das ist eine einmalige Chance, Politik mitzugestalten.”

Das Bürgerforum 2011 ist eine Initiative von Bundespräsident Christian Wulff. Aus 180 Bewerbungen wurden in ganz Deutschland 25 Städte und Kreise ausgewählt. Die Städteregion Aachen gehört dazu. Rund 300 Bürger sind der Einladung zur Auftaktveranstaltung ins Aachener Rathaus gefolgt. Alexander Schmeck gehört dem Ausschuss Demografie an. Daneben stehen familiäre Lebensformen, Integration, Demokratie, Bildung, Solidarität und Gerechtigkeit als Themen zur Auswahl. Die Teilnehmer erarbeiten Bürgerprogramme, die später Leitlinien für politische Entscheidungen sein sollen.

Schmeck hat sich überlegt, welche Punkte ihm wichtig sind. „Jährlich sterben mehr Leute als geboren werden, deshalb brauchen wir mehr qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland”, sagt er. Auch über das Zusammenleben von Jung und Alt hat er sich Gedanken gemacht. „Es darf keine Spaltung in der Gesellschaft entstehen”, meint Schmeck, der sich für seine Familie vorstellen kann, einmal in einem Mehrgenerationenhaushalt zu leben.

Oberbürgermeister Marcel Philipp und Städteregionsrat Helmut Etschenberg begrüßen die Bürger im Krönungssaal. Bundespräsident Wulff wird live von der Auftaktveranstaltung im oberfränkischen Naila in Bayern zugeschaltet und spricht zu den Teilnehmern aus ganz Deutschland. „Große Veränderungen kommen häufig ganz von unten, aus der Mitte der Bevölkerung”, sagt er und appelliert an die Teilnehmer, die Vielfalt ihrer Hintergründe zu nutzen und ihre Ideen einzubringen: „Demokratie ist nie statisch, sie ist im Wandel.” Das wollen die Teilnehmer in Aachen unter Beweis stellen. Bei der Arbeit gilt es aber, einige Spielregeln zu beachten, die Moderator Jürgen Anton erklärt: „Jeden ausreden lassen und auf die Zeitvorgaben achten!”

Los geht´s: Erst werden Herausforderungen formuliert, aus denen im Laufe des Tages Lösungsvorschläge heranreifen. „Die Herausforderung ist die Erhaltung des materiellen Wohlstands für alle”, schlägt Alexander Schmeck in seiner Gruppe vor.

Nilüfer Vossen diskutiert in der Gruppe Integration. Die 32-Jährige stammt aus der Türkei, studiert Soziale Arbeit in Aachen. Sie will mit den anderen überlegen, wie Klischees abgebaut werden können, wie die Vielfalt unserer Gesellschaft genutzt werden kann.

Es werden Notizen gemacht, Plakate entworfen, Punkte verbessert und die besten ausgewählt. Sogenannte Bürgerredakteure - jeweils zwei Mitglieder aus einem Ausschuss - koordinieren die Abläufe. Am Ende stellt jede Gruppe ihre Lösungen vor.

Der Ausschuss „Demokratie und Beteiligung” fordert zum Beispiel die Beteiligungsmöglichkeit für Menschen ohne Parteizugehörigkeit. Thomas Theißen aus Simmerath ist fast ein bisschen enttäuscht über die einheitliche Meinung in seiner Gruppe. „Ich hätte mir etwas mehr Pro und Kontra erhofft”, sagt er. Am Ende des Tages wirken die Teilnehmer erschöpft, aber auch stolz.

„Da fängt Politik an”

Alexander Schmeck ist begeistert von dem spannenden Austausch unter Menschen, die sich vorher noch nie begegnet sind, die ganz unterschiedlichen Berufsgruppen und Altersklassen angehören. „Eine eigene Meinung bilden und Argumente dafür finden - da fängt Politik an”, sagt der Versicherungskaufmann. „Man hat gemerkt, wie anstrengend so eine Diskussion sein kann und Verständnis für die Politiker entwickeln.” Schmeck freut sich jetzt auf die Fortsetzung der Arbeit im Internet. Am 14. Mai gibt es einen weiteren „Tag des Bürgerforums” in Alsdorf. Am 28. Mai, dem Tag der Demokratie, wird dem Bundespräsidenten das bundesweite Bürgerprogramm überreicht.

Schmeck glaubt, dass die Teilnehmer des Forums auch als Multiplikatoren dienen: „Jeder erzählt Freunden und Bekannten davon. Das könnte dazu führen, dass sich noch mehr Menschen politisch oder ehrenamtlich engagieren.”
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