10 Jahre Euregiobahn: Alsdorf rückt näher

Von: Jürgen Lange
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Für den Ringschluss fast fert
Für den Ringschluss fast fertig: Wo heute noch ein Gleisbagger rangiert, wird Ende nächsten Jahres die von Herzogenrath über Alsdorf kommende Euregiobahn im Stolberger Hauptbahnhof einfahren. Foto: J. Lange

Region. Alsdorf rückt ein kleines Stück an Stolberg ran. Zumindest auf der Schiene und dies bis zur Poststraße. Am Freitag, 9. Dezember, wird der nächste Ausbauabschnitt des Ringschlusses in Betrieb genommen.

Mit der offiziellen Eröffnungsfahrt tastet sich die Euregiobahn vom Annapark schon einmal ein gutes Stück nach Süden bis in die Begau vor. Drei Haltestellen werden dann neu angefahren. Drei weitere Bahnsteige fehlen dann noch bis zum Lückenschluss in der Kupferstadt. Über Eschweiler-St. Jöris und Merzbrück wird das Gleis 44 im Stolberger Hauptbahnhof erreicht. Ein traditionsreicher Bahnsteig, denn am 28. Dezember 1984 fuhr dort der letzte Schienenbus nach Herzogenrath, Ende 2012 lebt die alte Bahnverbindung wieder komplett auf.

Erste Ansätze der zu reaktivierenden Strecke sind in Stolberg bereits erkennbar. Im Bereich des Hauptbahnhofes werden bereits die Gleise verlegt. „Wir arbeiten an allen Ecken”, sagt Christian Hartrampf. Der Alltag des EVS-Geschäftsführers ist von Baustellen geprägt. In Alsdorf laufen die letzten Arbeiten des Infrastrukturunternehmens an den Haltepunkten. „Metalldiebe sind dort zunehmend ein gefährliches Ärgernis”, stellt Hartrampf fest. Immer wieder werden dort frisch verlegte Leitungen aus den Schächten herausgerissen und gestohlen. Das ist nicht nur ärgerlich und teuer, sondern auch eine Gefahr für den Schienenverkehr. Derweil läuft in Stolberg der Ausbau des Hauptbahnhofes - im Gleisfächer ebenso wie im Gebäude. Im westlichen Güterbahnhof werden bereits Gleisweichen reaktiviert. In Arbeit ist jedoch nicht nur das Ringschluss-Gleis 44, sondern auch der neue Bahnsteig mit dem von Aachen kommenden Euregiobahn-Gleis 43 ist projektiert.

An dem aus 1888 stammenden Gebäude gibt es Probleme bei der Sanierung der Fassade. Ein neuer Auftragnehmer soll nun die alte Optik bewahren. „Zuerst wird eine Referenz-Fassade erstellt, damit man einen Eindruck bekommt, wies werden wird”, verweist Hartrampf auf ein großes Interesse von Passanten und Reisenden an der Denkmal-Sanierung, die im kommenden Jahr abgeschlossen wird.

Weil auch die Überdachung der Bahnsteige nun erst später als geplant erfolgen kann, wird den Reisenden für die kalte Jahreszeit ein provisorischer Unterstand gebaut.

Im Inneren sieht die Lage schon ein wenig anders auf. Genauer gesagt im Ostflügel am Gleis 27. Dort legen Techniker letzte Hand an am neuen zentralen Stellwerk der EVS. Hier entsteht die Schaltzentrale der Euregiobahn; von Stolberg aus wird der komplette Betrieb im gesamten Streckennetz der EVS gesteuert. Ab 22. November läuft die Inbetriebnahme an. Dann erfolgt die endgültige Trennung vom bisherigen DB-Netz.

Seit Monaten laufen die Vorbereitungen dafür; es wurden neue Leitungen gezogen, Signalmasten mit Hubschrauber-Unterstützung ge- sowie die komplette Signal- und Weichentechnik ersetzt. In der letzten Phase wird es zwischen dem 23. November und 4. Dezember noch einmal zu deutlichen Beeinträchtigungen im Euregiobahn-Verkehr kommen müssen, bittet EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil um Verständnis. Betroffen davon ist in erster Linie die Strecke zwischen Stolberg-Altstadt und Langerwehe/Düren. Der gewohnte Halb- wird in dieser Zeit auf einen Stundentakt umgestellt, der Güterverkehr in der Nacht abgewickelt. „Die DB Regio arbeitet derzeit noch an dem detaillierten Ersatz-Fahrplan”, sagt Fürpeil. Die Verbindung zwischen Stolberg und Aachen sei aber nicht betroffen.

Betroffen sind aber die Autofahrer an den Bahnübergängen zwischen Stolberg-Altstadt und Langerwehe. Während der technischen Umstellung werden diese teilweise durch Mitarbeiter gesichert. Komplett erneuert werden müssen aber zumindest die beiden Querungen in den Fahrbahnen von Europastraße (L 238) und Mühlener Ring in Stolberg, was zeitweise zu Straßensperrungen führen wird.

Zudem müssen mehr Parkkapazitäten geschaffen werden. Dabei hatte Stolberg erst im vergangenen Jahr knapp 100 zusätzliche Stellplätze ausgebaut. Schon heute - ein Jahr vor dem Ringschluss - reicht das Angebot wieder nicht mehr aus. Weitere Kapazitäten müssten geschaffen werden, während Ordnungskräfte „Knöllchen” verteilen. „Die Nachfrage von Pendlern nach Parkraum wird weiter zunehmen”, prophezeit Hartrampf und sieht darin ein weiteres Indiz dafür, zügig den Anschluss von Breinig und Baesweiler an das Euregiobahn-Netz zu realisieren. Denn auch immer mehr Aachener nutzen Stolberg als Ausgangspunkt für ihre Bahnreisen. Zudem steigt die Nachfrage im Nordkreis und in der Nordeifel.

Ein steigendes Interesse verzeichnet die EVS aber nicht nur im Personen-, sondern auch beim Güterverkehr in Stolberg. Berzelius, Schwermetall, das Eschweiler Röhrenwerk und das Kraftwerk Weisweiler sind nur einige der Unternehmen, die die vorhandene Logistik bereits nutzen. Rund 1,5 Millionen Tonnen Güter werden im Jahr in Stolberg auf der Schiene umgeschlagen - mit steigender Tendenz. Entsprechend forciert das Infrastrukturunternehmen auch die Reaktivierung des Güterbahnhofes, der in den 1930er Jahren zu den größten in Deutschland zählte.

28 Schienenstränge stehen derzeit im östlichen Güterbahnhof als Abstell- und Umschlaggleise zur Verfügung. Die derzeit noch ruhenden Kapaiztäten im westlichen Teil werden jetzt wieder in Betrieb genommen. Sechs Abschnitte sind derzeit in Arbeit, weitere acht werden bis 2014 folgen.

Interesse besteht bei dem Stolberger Infrastrukturunternehmen auch an einem Umschlag von der Schiene auf die Straße. „Aber solch ein Angebot muss mit der Zeit wachsen”, bremst Christian Hartrampf vorschnelle Erwartungen in der Kupferstadt, nachdem die städtische Gewerbegebiet Camp Astrid GmbH von der Deutschen Bahn den an der Bahnstrecke Aachen-Köln liegenden, ehemaligen Logistikumschlagsplatz des belgischen Militärs übernommen hat.

Neben dem Ringschluss konzentriert sich die EVS auf die Fertigstellung des Hauptbahnhofs, in dem öffentliche Toiletten installiert werden und in den auch eine Servicestelle einziehen soll, die Bahnreisende auf die touristischen Sehenswürdigkeiten in der Städteregion hinweisen soll. Stolberg als „Tor zur Eifel” entwickelt sich zur Drehscheibe für den Güter- und Personenverkehr, aber auch für den regionalen Tourismus.
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