Weiterhin ein «hoch attraktiver Standort»

(P. St.) | 19.12.2011, 17:57

Simmerath. Bis zum Jahr 2019 soll auf dem Gebiet der Gemeinde Simmerath das viertgrößte Wasserspeicherkraftwerk in Deutschland entstehen - das Wasserspeicherkraftwerk Rursee. Die 700 Millionen-Investition wurde vor fünf Monaten erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Zahl der Kritiker ist auch dank der offensiven Informationspolitik überschaubar geblieben, und in der Bevölkerung sieht man dem gigantischen Projekt mit abwartender Spannung entgegen.

Die ersten Hürden auf dem Weg zu diesem Vorzeigeprojekt für erneuerbare Energien sind unterdessen bereits genommen worden. Als «Meilenstein» hatte Dr. Markus Hakes, Projektleiter Wasserspeicherkraftwerke der in Aachen Trianel GmbH, die einstimmigen Beschlüsse der Regionalräte Detmold und Köln zu den Trianel Wasserspeicherkraftwerken in der Eifel und in Ostwestfalen bezeichnet. Beide Regionalräte haben parteiübergreifend Erarbeitungsbeschlüsse zur notwendigen Änderung der Regionalpläne gefasst.

Schon kräftig investiert

Im Kreis Höxter plant Trianel ein Wasserspeicherkraftwerk mit einer Leistung von 390 Megawatt. Nach ersten Abschätzungen betragen die Investitionskosten rund 500 Millionen Euro. Es soll als sogenanntes Schachtkraftwerk errichtet werden; die notwendigen Maschinenräume werden in Brunnenbautechnik errichtet.

Am Standort Simmerath/Rursee ist dagegen ein Kavernenkraftwerk geplant. Dieses Kraftwerk wird im bergmännischen Vortrieb (Kaverne) errichtet. Als Unterbecken dient in der Eifel Deutschlands zweitgrößte Talsperre, der Rurstausee. Das Oberbecken mit einer Wasserfläche von rund 50 Hektar ist im Bereich des heutigen Windparks Strauch- Buhlert in Richtung Schmidt gesehen links der Landstraße 240 geplant. Mit einer Leistung von 640 MW und einer Investitionssumme von über 700 Millionen Euro wäre es das größte Speicherkraftwerk in NRW.

Im ersten Quartal 2012 sollen für beide Standorte die Unterlagen für das Raumordnungsverfahren eingereicht werden. Im Raumordnungsverfahren wird die Vorzugsvariante für die Stromnetzanbindung der Kraftwerke festgelegt. Bisher gibt es im bevölkerungsreichsten Bundesland erst drei Wasserspeicherkraftwerke in Finnentrop, Herdecke und Sundern mit einer Leistung von zusammen rund 300 Megawatt.

Das dritte Trianel Wasserspeicherkraftwerksprojekt am Standort Schmalwasser im Thüringer Wald ist ebenfalls auf gutem Weg. An der Talsperre Schmalwasser im Landkreis Gotha plant Trianel ein Wasserspeicherkraftwerk mit einer Leistung von über 500 Megawatt und einem Investitionsvolumen von über 500 Millionen Euro.

Die Frage der Stromspeicherung ist nach Ansicht führender Experten eine der zentralen Herausforderungen der Energiewende. Wasserspeicherkraftwerke machen zur Zeit 99 Prozent der weltweit installierten Speichertechniken aus. Sie werden benötigt, um die zunehmende, fluktuierende Einspeisung der erneuerbaren Energien in den Stromnetzen auszugleichen.

Noch bevor der Regionalrat bei der Bezirksregierung am vergangenen Freitag der Änderung der Regionalplanung zugestimmt hatte, hatten die verantwortlichen Projektplaner der 1999 gegründeten GmbH, die sich die grenzüberschreitende Kooperation kommunaler Versorgungsunternehmen zum Ziel gesetzt hat, die Mitglieder des Gemeinderates Simmerath in nicht öffentlicher Sitzung über den aktuellen Sachstand informiert.

«Simmerath ist nach wie vor ein hoch attraktiver Standort», sagt Elmar Thyen, Leiter der Trianel Unternehmenskommunikation. In das Prüfverfahren für den Standort Simmerath sein inzwischen bereits eine hohe sechsstellige Summe investiert worden. Als herausragend bezeichnet er die Zusammenarbeit mit den Behörden. Dies gelte auch für den Dialog mit den Bevölkerung. Nachdem Trianel im Juli vor rund 300 Besuchern in Simmerath seine Konzeption vorgestellt hatte verbunden mit dem ausdrücklichen Willen, einen Diskussionsprozess in Gang zu setzen, gingen rund zwei Dutzend Fragen, Anregungen und Bedenken von Bürger ein, von sich, so Thyen, eine Vielzahl erst im Laufe des Verfahrens beantworten ließen.

Ein vielfach angesprochener und mit Bedenken verbundener Punkt ist der Pegelhub des Rursees, da die Funktionsweise des Wasserkraftwerkes eine ständig wechselnde Höhe des Wasserspiegels zur Folge hat, wenn rund 7, 5 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Rursee ins Oberbecken gepumpt werden um dann über einen Druckwasserstollen wird Richtung Tal zu stürzen. In dieser Phase wird die Wasserenergie in Strom umgewandelt. Bei Vollstau würden lediglich drei Prozent des Inhalts für den Betrieb des Kraftwerkes entnommen. Bei sinkendem Wasserstand würde sich dieser prozentuale Anteil entsprechend erhöhen. In einem Trockenjahr wie 2011 können die Pegelschwankungen erheblich sein.

«Es gibt sicherlich Pegelstände, wo sich das Wasserkraftwerk nicht betreiben lässt», steht für Elmar Thyen außer Frage. Dies könne sowohl bei Niedrigwasser wie auch bei Hochwasser der Fall. Das extreme Trockenjahr 2011 mit einem massiven Absinken des Rurseepegels um rund 35 Meter ist für die Projektentwickler bei Trianel hingegen kein Grund zur Beunruhigung. Thyen: «Das kommt statistische alle 20 Jahre vor und ist Teil unserer Planungen.»

Weitere Infoveranstaltung für die Bürger geplant

«Ausdrücklich erwünscht» sind laut Projektentwickler Trianel Anregungen und Wünsche aus der Bevölkerung zum geplanten Wasserspeicherkraftwerk Rursee. Zur Diskussion stellen will dabei auch der Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns seinen Vorschlag, das 7,5 Millionen Kubikmeter fassenden Oberbecken auch als Vorratsspeicher zu nutzen, um bei Bedarf den Wasserspiegel des Rursees mit dieser zusätzlichen Reserve auszugleichen.

Der Bürgermeister möchte im Frühjahr zu einer weiteren Bürgerinformationsveranstaltung zum aktuellen Sachstand der Planungen einladen. Karl-Heinz Hermanns: «Das Verfahren soll weiterhin transparent bleiben.»