Zwischen Tragik und Komik

Von: han
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Einen hervorragenden Ballettabend sah das Publikum im Haus der Stadt mit der getanzten Hommage an Charlie Chaplin der ungarischen Formation „Györ”. Foto: Schmitz

Düren. Der Spazierstock, die weiten Hosen und riesigen Schuhe, die elegante Weste und Krawatte, die verbeulte Melone und das freche Bärtchen waren seine unverkennbaren Markenzeichen und machten Charlie Chaplin in seiner Rolle des Tramps zur Ikone.

Das ungarische Ballett Györ tanzte im Haus der Stadt eine Hommage an diesen archaischen, tiefgründigen Vagabunden zu Kompositionen von Chaplin, Wagner, John Barry, Debussy, Delibes, Louis Armstrong und Bobby McFerrin. „Keep smiling” war ein Ballettabend, der berührte und faszinierte. Dem Ensemble gelang es vortrefflich, das Porträt des Komikers und Komödianten tänzerisch umzusetzen.

Mit einer düsteren Szene begann der Abend. Erinnert wurde daran, dass ein Jahr nach Chaplins Tod 1977 seine Leiche von Grabräubern gestohlen wurde, die versuchten, von der Familie Geld zu erpressen, aber elf Wochen später gefasst wurden. Auf der Bühne „erwacht” er, schlüpft in die „Garderobe”, die ihn zum Tramp machte. Ein Reigen realistischer und revueähnlicher Auftritte begann, wechselten in rascher Folge, erzählten von seiner durch Armut geprägten Kindheit in England, seiner rasanter Karriere beim Film, seinem turbulenten, oft von Skandalen durchzogenen Privatleben.

Bühnengeschehen mit hochkarätigen Leistungen verband sich mit filmischen Einspielungen. Chaplins größten Werke beschäftigten sich mit Einsamkeit, mit Entfremdung, Armut und Sehnsucht. Es war beeindruckend, mit welcher Einfühlsamkeit, tänzerischer Leichtigkeit und dramatischer Zuspitzung das Ballett die Mischung aus Tragik und Leichtigkeit, von denen Chaplins Filme durchzogen sind, auf die Bühnenbretter brachte.

Mehr als Stationen des Lebens

Die Figur des Vagabunden war glänzend besetzt. Er beherrschte die Körpersprache, die Mimik täuschend ähnlich, verkörperte spielerische Leichtigkeit und tiefen Schmerz überzeugend. Figuren, die in Chaplins Filmen immer wieder variiert wurden, wie Polizisten oder das „unerreichbare Mädchen” ließen auf der Bühne Szenen aus einigen seiner Filme entstehen wie „The Tramp”, „Lichter der Großstadt” und „Der große Diktator”. Gerade die Tänze um dieses Thema wirkten beängstigend, machten nachdenklich, ließen erschauern, vor allem der Tanz der Titelfigur mit dem Globus, der dann platzte.

Das Ballett erzählte insgesamt aber mehr als nur Stationen aus dem Leben Chaplins. Es gab auch den Blick hinter die Fassade frei, seine vielen Affären fanden Einfluss in das Tanzgeschehen. Cupido trat als Figur auf, führte Chaplin in die Welt der Sinne ein. Traumähnliche Sequenzen folgten, wenn er Engeln im Himmel und den Teufel in der Hölle traf, eine Parabel für den Kampf eines jeden Menschen mit Gut und Böse. Es waren Tanzdarbietung von ungeheuerer Schnelligkeit und Präzision, wuchtig und dennoch scheinbar gewichtslos, verwirrende Schrittkombinationen, hohe Sprünge, anmutige Bewegungen.

„Das Leben ist in Nahaufnahme eine Tragödie, aber auf weite Sicht eine Komödie”, hat Chaplin einmal gesagt. Nach der exzellenten Ballettaufführung, die das Publikum mit lang anhaltendem Beifall belohnte, hatte der Zuschauer mehr Einblick in Chaplins Humor und seine Lebenssicht.
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