Zwischen Schwere und großer Leichtigkeit

Von: Bruno Elberfeld
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Meisterlich und virtuos spielt
Meisterlich und virtuos spielte Karsten Lüdtke auf der Steinmeyer-Orgel Werke von Bach und Liszt. Foto: Elberfeld

Düren. Franz Liszts (1811 - 1886) Fantasie und Fuge über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam” aus Giacomo Meyerbeers Oper „Der Prophet” hätte in jedem Filmstreifen als Filmmusik seine Berechtigung, der in irgendeiner Weise mit Drohung, Schrecken, Tod, Krieg und Untergang zu tun hat.

Gewaltig, zeitweise mit Hilfe aller Register, kommt das Orgelwerk daher und fegt über die Hörer hinweg, kein gesundes Umfeld für anfällige Trommelfelle.

Franz Liszt, ansonsten - wie es der Kantor der Evangelischen Gemeinde zu Düren, Stefan Iseke, in seiner Begrüßung ansprach - meist in Verbindung mit dem Klavier bekannt, hat hier ein Werk geschaffen, das sowohl dem Orgelspieler als auch dem Publikum alles abverlangt. Abrupte Brüche, scharfe Wechsel von Lautstärken und Tempi, bewusst brüchige Übergänge von Schwere zur Leichtigkeit, drohende Gewittersalven im Wechsel zu beschwichtigend leisen Melodien verlangen von dem Spieler an Manualen und Pedalen ein hohes Maß an Konzentration, Virtuosität und Einfühlungsvermögen.

Die Hörerinnen und Hörer auf den Stühlen in der Christuskirche mussten körperlich die Wellen von aggressiven Drohungen aushalten, wurden dann mit moderaten Passagen besänftigt, um dann wieder aus dem Traum eines schnellen Endes mit vehementer Lautstärke herausgerissen zu werden.

Franz Liszt hat das Werk aus Giacomo Meyerbeers Oper „Der Prophet” entnommen. Es erzählt das Drama der Herrschaft der Wiedertäufer in Münster. In Meyerbeers Oper spielt der düstere Choral „Ad nos, ad salutarem undam” die zentrale Rolle. Immer wieder taucht auch in Liszts Orgelwerk der Choral als Thema auf, um dann in aller Breite virtuos und dramatisch in Beschwörungen auszuufern.

Liszts Werk ist für Organisten keine leichte Kost und so legten einige von ihnen nach Erscheinen des Werks spielbarere Ausgaben vor.

Der Organist an der Steinmeyer-Orgel in der Christuskirche, Karsten Lüdtke, meisterte dieses Werk ebenso vorzüglich wie auch die Orgelwerke von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750), mit denen der Organist das letzte Orgelkonzert des Dürener Orgelherbstes begonnen hatte. Der Organist aus Neuwied interpretierte am Anfang Bachs „Praeludium und Fuge E-Moll, BWV 548.

Es folgten zwei Chorbearbeitungen über „Allein Gott in der Höh´ sei Ehr” aus dem „Leibziger Autograph”, BWV 662 und 664. Richard Köchling, Vorsitzender des Förderkreises Musik in der Christuskirche, schaute in seiner Begrüßung kurz auf den zweiten Dürener Orgelherbst zurück. Auch im nächsten Jahr soll die Veranstaltung wieder mit der Katholischen Pfarre St. Lukas durchgeführt werden.
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