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Zwischen Armbrust und Amphetaminen in der Asservatenkammer

Von: Sarah Maria Berners
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In großen Regalen und Schränken lagern Diebesgut, Tatwerkzeuge, Drogen und vieles mehr, was in einem Prozess vor Gericht ein wichtiges Beweismittel sein könnte. In Düren sind Ellen Schwabe und Harald Berger die Verwalter der Asservate. Foto: Sarah Maria Berners

Düren. Die Kappe, die ein Dieb bei seiner Flucht verloren hat, Drogen, die bei einer Verkehrskontrolle gefunden wurden, Tatwerkzeuge, mit denen Einbrecher Fenster geknackt haben und Waffen, mit denen Menschen bedroht wurden – irgendwann sind all diese Dinge in den Händen von Polizeihauptkommissar Harald Berger und der Regierungsangestellten Ellen Schwabe gelandet.

Sogar eine Armbrust und hoch entzündlicher Äther, der in einem Straßengraben gefunden wurde, sind schon zu ihnen gebracht worden. Die beiden sind die Verwalter der Asservate bei der Kreispolizeibehörde Düren – und nur sie haben den Schlüssel für die Kammer, in der all diese Objekte für einige Monate zwischengelagert werden. „Asservate, das sind Gegenstände, die in amtliche Verwahrung genommenen werden, weil sie für eine Gerichtsverhandlung ein wichtiges Beweismittel sein können“, erklären die Asservatenverwalter.

Abgeschieden und gut gesichert werden diese Objekte aufbewahrt, bis sie zum Beispiel an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden. In großen Metallregalen liegen kleine und große braune Tüten, alle fein säuberlich mit Dokumenten und einer roten Nummer versehen. Dort stehen Informationen darüber, wo und bei wem das Objekt gefunden wurde und welcher Polizist den Fall bearbeitet.

Auch Teile von Autos, die an einem Unfall beteiligt waren oder im Zusammenhang mit einer Fahrerflucht stehen könnten, enden in der Asservatenkammer. Dort stehen große Kartons voller Krimskrams, die eventuell aus einem Diebstahl stammen, neben einem Gemälde, auf dessen Weg vermutlich nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Viele Asservate werfen Fragezeichen auf. Die Geschichte der Asservate aufzuklären, ist eine Aufgabe von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Auch auf den Polizeiwachen in Kreuzau und Jülich gibt es solche Kammern. Rund 2000 Asservate lagern an allen drei Standorten. Wertsachen wie Schmuck und Bargeld werden in gesonderten Tresoren aufbewahrt. „Von hier können die gestohlenen Objekte ihren Weg auch wieder zu ihren Besitzern finden“, erklärt Ellen Schwabe. Dafür ist es aber erforderlich, dass die Besitzer vorab Fotos von ihrem Schmuck gemacht haben, die Nummer ihres Handys kennen oder die Nummer des Fahrradrahmens.

Hauptarbeitsort ist das ungemütliche Lager im Keller – in dem es manchmal ziemlich intensiv nach Drogen riecht – für Harald Berger und Ellen Schwabe aber nicht. Es gibt feste Zeiten, zu denen die Kollegen der Polizeiwache „ihre Beweismittel“ abholen können. Alles wird nach strengen Regeln aufgeschrieben und quittiert, Informationen werden in das sogenannte Asservatenbuch, auch Verwahrbuch genannt, eingetragen und wieder ausgestrichen. Den Rest des Arbeitstages verbringen die beiden Verwalter wieder in einem Büro mit Tageslicht.

„Wir dürfen immer nur zu zweit in die Asservatenkammer gehen“, erklärt Harald Berger eine der Sicherheitsbestimmungen. Nur in Ausnahmefällen dürfen andere Personen mitkommen. Gefilzt werden die Asservatenverwalter nach dem täglichen Dienstschluss zwar nicht, aber sie müssen ihre Arbeit lückenlos dokumentieren und werden vom Innenministerium immer wieder kritisch überprüft.

In der Asservatenkammer landen viele Objekte, von denen einige, wie zum Beispiel die Basketball-Kappe unwichtig wirken. „Aber auch ein solcher Gegenstand kann ein wichtiges Beweismittel sein“, erklärt Harald Berger. Bevor die Objekte in seinen Händen landen, haben die Kollegen nämlich schon alle Spuren, zum Beispiel Fingerabdrücke und DNA, gesichert. Aus Düren werden die meisten Beweisstücke an die Staatsanwaltschaft Aachen weitergegeben. „Die Asservatenkammer dort ist natürlich viel größer, weil dort die Beweismittel aus vielen Wachen zusammenkommen“, erklärt Harald Berger. Asservate, die nicht mehr gebraucht werden, werden vernichtet, wenn es sich zum Beispiel um Drogen oder Waffen handelt. Die Staatsanwaltschaft kann aber auch entscheiden, dass ein Objekt zurück an seinen Besitzer geht.

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