Zweifel an Doktorarbeit entlarvt Betrüger im Arztkittel

Von: Jörg Abels
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Ein falscher Arzt ist jetzt am Krankenhaus Düren aufgeflogen. Foto: Johnen

Düren. Er stand im Operationssaal, war an Eingriffen im Bauchraum beteiligt, hat aber offenbar nie sein Medizinstudium abgeschlossen und schmückte sich auch noch zu Unrecht mit zwei Doktortiteln: Das Krankenhaus Düren hat einen Assistenzarzt, der nach DZ-Informationen seit Jahren in der Allgemeinchirurgie arbeitete, fristlos entlassen und Anzeige wegen Betrugs und Urkundenfälschung erstattet.

Der Aachener Staatsanwalt Dr. Jost Schützeberg bestätigte den Eingang der Anzeige. „Wir haben den Mann auf Basis eines guten Leumundes aus der Klinik, in der er vorher tätig war, eingestellt“, teilte Krankenhaus-Geschäftsführer Dr. Gereon Blum mit. „Seine Approbationsurkunde wurde vor der Einstellung auf Echtheit geprüft und von der Bezirksregierung als echt bestätigt.“ Aber offenbar hat der Mann auch die Kölner Behörde getäuscht, die Zulassung zum medizinischen Dienst hätte er nie erhalten dürfen.

Aufgefallen ist der Schwindel in dieser Woche per Zufall. Ein Kollege äußerte gegenüber der Krankenhaus-Geschäftsführung Zweifel an der Doktorarbeit des angeblichen Arztes. Nachforschungen ergaben, dass die vorgelegten Promotionsurkunden offenbar gefälscht waren. Die entsprechenden Doktorarbeiten seien nie geschrieben worden, teilten die Hochschulen dem Krankenhaus Düren mit.

Aufgeschreckt von den erschütternden Informationen wandte sich das Krankenhaus an die Bezirksregierung, um die Echtheit der Approbation noch einmal überprüfen zu lassen. „Nach Rücksprache mit dem Landesprüfungsamt für Medizin in Düsseldorf und anderen Stellen war klar, dass das uns vorgelegte Zeugnis eine Fälschung ist“, erklärte Dirk Schneemann, Sprecher der Bezirksregierung. Der Mann soll zwar Medizin studiert, aber offenbar keine Prüfung abgelegt haben. Daraufhin leitete die Bezirksregierung sofort ein Rücknahmeverfahren der medizinischen Zulassung ein und erstattete Anzeige.

„Wir sind froh, dass wir das ganze Ausmaß des Falls aufdecken konnten“, betonte Gereon Blum, wohl wissend, dass auf ihn und sein Team noch einige Arbeit zukommen wird. Zwar gehen die Verantwortlichen davon aus, dass kein Patient zu Schaden gekommen ist, trotzdem soll das ganze Schaffen des falschen Arztes noch einmal durchleuchtet werden. Das Krankenhaus betont, dass der Assistenzarzt ohne Rücksprache mit einem Chef- oder Oberarzt weder Diagnosen stellen noch Behandlungen einleiten durfte. Auch im OP habe er nie alleine gestanden.

Das Krankenhaus Düren war bereits Anfang 2013 einem falschen Arzt aufgesessen. Damals hatte ein Kölner seinen Dienst in der Urologie angetreten, ohne das Original seiner Approbation vorzulegen. Obwohl das Krankenhaus somit nur eine Kopie der vermeintlichen staatlichen Berufszulassung hatte, durfte der Kölner erst einmal in den weißen Kittel schlüpfen. Als er trotz mehrfacher Aufforderung, das Original vorzulegen, nicht reagierte, wandte sich die Krankenhausleitung an die Bezirksregierung und erfuhr, dass keine Urkunde ausgestellt worden war. Daraufhin wurde der falsche Arzt umgehend entlassen.

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