Zwei Trainer, viele Emotionen: Tiilikainen und Müller-Angstenberger

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
Coach Tommi Tiilikainen und sein Rottenburger Kollege Hans-Peter Müller-Angstenberger
Zwei Trainer, unglaublich viele Emotionen: Der Dürener Coach Tommi Tiilikainen und sein Rottenburger Kollege Hans-Peter Müller-Angstenberger gehören zu den charismatischsten Volleyballlehrern der Bundesliga. Am Sonntag sind sie in Düren aufeinandergetroffen. Foto: Kinkel

Düren. Sonntagabend, 18 Uhr: In der Arena Kreis Düren stehen sich die SWD Powervolleys Düren und der TV Rottenburg gegenüber – die beiden Mannschaften mit den wohl charismatischsten und emotionalsten Trainern der Liga.

Der Dürener Tommi Tiilikainen und sein Rottenburger Kollege Hans-Peter Müller-Angstenberger sind während der Partie die ganze Zeit an der Seitenlinie unterwegs, sitzen keine Minute, reden dafür aber permanent mit ihren Spielern, feuern die Mannschaft an, jubeln, schimpfen. Kurz gesagt: Sie sind Teil des Spiels, ein wichtiger Teil.

Ganz klar: Beide Männer brennen für ihren Sport, vielleicht ist das sogar ihre größte Gemeinsamkeit. Müller-Angstenberger ist 13 Jahre älter als Tiilikainen. Er hat nie selbst in der Bundesliga Volleyball gespielt, ist von Beruf Lehrer und unterrichtet noch acht Stunden pro Woche Deutsch und Religion an einem Gymnasium. Tiilikainen war Profi-Volleyballer, musste seine Karriere aber verletzungsbedingt an den Nagel hängen.

Der Schwabe coacht seine Mannschaft im dunklen Anzug, der Finne in lockeren Trainingsklamotten. „Den Anzug“, sagt Müller-Angstenberger, „trage ich seit unserem Aufstieg in die zweite Liga.“ Damals sei es Wunsch des Vereins gewesen, den Sport auch durch entsprechende Kleidung aufzuwerten. „Heute hat der Anzug echten Symbolcharakter. Das eher konservative Kleidungsstück steht im Gegensatz zu dem Mann, der darin lebt. Das ist ein Widerspruch, der sich in mir spiegelt, mit dem ich aber sehr gut leben kann.“

Positive Stimmung

Das Spiel beginnt, ziemlich schnell liegt Düren mit 8:3 vorn. Tommi Tiilikainen jubelt bei jedem Punkt, fordert seine Spieler aber auch auf, nicht nachzulassen, sondern um jeden Punkt zu kämpfen. Immer wieder sucht er das Gespräch mit seinen Sportlern, lacht viel. „Ich will, dass es den Jungs gutgeht“, sagt er. „Dass in der Mannschaft eine positive Stimmung herrscht.“ Dafür, ergänzt Tiilikainen, sei es nicht wichtig, ob seine Mannschaft gerade auf der Gewinner- oder der Verliererstraße sei. „Für mich ist es viel entscheidender, dass wir gut spielen, uns verbessern. Ich bin sehr kritisch, wenn ich an der Seitenlinie stehe und das Spiel anschaue.“

Düren gewinnt die Sätze eins und zwei, das Engagement der beiden Trainer an der Seitenlinie wird noch größer. Beide laufen hin und her, gehen in die Hocke und suchen eine andere Perspektive, um das Geschehen auf dem Spielfeld zu beobachten. Müller-Angstenberger regt sich über eine aus seiner Sicht falsche Schiedsrichterentscheidung auf, meckert, diskutiert lautstark und mit viel Körpereinsatz. „Ich sehe mich als Teil der Mannschaft, nicht als ihr Gegenüber“, sagt er. „Volleyball hat für mich ganz viel mit Leidenschaft zu tun. Und eben nicht nur mit Technik und Analyse.“

Tiilikainen formuliert das so: „Ich will meiner Mannschaft helfen. Und natürlich stehe ich während des Spiels auch absolut unter Strom.“ Ob die Hilfe wirklich bei den Spielern ankomme, ergänzt Müller-Angstenberger, müssten letztlich die beurteilen. „Wenn von mir zu viele Emotionen auf die Spieler einströmen, kann das auch negativ sein. Klar ist: Mit positiven Emotionen kann ich ihnen viel mehr helfen als mit schlechter Laune. Auf negative Emotionen reagieren meine Leute deutlich sensibler. Trotzdem gibt es die eben manchmal auch.“

Die Laune steigt

Am Sonntagabend steigert sich die Laune von Müller-Angstenberger im dritten Satz deutlich. Die Dürener machen plötzlich mehr Fehler, Rottenburg geht zum ersten Mal in der gesamten Partie in Führung. Tommi Tiilikainen guckt ernster, sucht scheinbar noch intensiver den Kontakt zu seinem Team. Immer wieder macht er sich Notizen in seiner schwarzen DIN A 4-Kladde, spricht häufiger mit seinem Co-Trainer und auch mit Außenangreifer Romans Sauss, der verletzt auf der Bank sitzt. Hans-Peter Müller-Angstenberger feuert sein Team noch mehr an. Jeden Punkt bejubelt er so, dass man meinen könnte, der ganze Satz sei gerade gewonnen worden. Immer wieder haut er sich auf die Brust, klatscht in die Hände, lacht.

Kurz vor Schluss dreht sich das Blatt dann jedoch wieder, Düren gewinnt den dritten Satz und damit das Spiel. Sofort danach gehen beide Trainer zu ihren Mannschaften und tun das, was sie eigentlich während des gesamten Spiels auch gemacht haben: Sie reden mit den Spielern, schütteln Hände, hören zu. „Es ist sehr unterschiedlich, wie lange so ein Spiel bei mir nachhängt“, sagt Tiilikainen. „Wenn die Jungs gut gespielt, aber verloren haben, kann ich damit gut umgehen und bin auch nicht wirklich schlecht gelaunt.“

Bei Hans-Peter Müller-Angstenberger sind es die gewonnen Spiele, die ihm länger im Gedächtnis bleiben. „Die Euphorie des Sieges wirkt schon nach. Das liegt aber vermutlich auch daran, dass ich ein sehr positiver Mensch bin.“ Bei Niederlagen, ergänzt der Schwabe, sei vor allem die Analyse wichtig. „Aus Fehlern muss man lernen.“ Das Spiel von Sonntag habe er schnell abgehakt. „Es sind eher die knappen Spiele, mit denen ich hadere, die umstrittenen.“ Am Sonntag sei die Partie letztlich deutlich und eindeutig für Düren ausgegangen. „Damit“, meint Müller-Angstenberger, „kann ich leichter abschließen.“

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