Düren - Zwei Paar Schuhe gestohlen: Ein Jahr in Haft

Zwei Paar Schuhe gestohlen: Ein Jahr in Haft

Von: hp
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Düren. Selbst die Vorsitzende Richterin Christine Lange sprach angesichts der Umstände von einem „schwierigen Fall“: Ein 55-jähriger Dürener, der auf der Anklagebank des Dürener Schöffengerichts saß, war nach Verbüßung einer Ersatz-Freiheitsstrafe Mitte April dieses Jahres aus dem Gefängnis entlassen worden.

Er war nach eigenen Angaben mittellos und wohnte vorübergehend bei seiner Schwester. Selbst sein Bewährungshelfer räumte ein, dass es mitunter sechs bis acht Wochen dauert, ehe erstes Geld als Grundsicherung bei Antragstellern ankommt. Diese Zeitspanne war für den Dürener, der damals nicht einmal über Geld für den Kauf von Lebensmitteln verfügte, offenbar zu lang – er wurde rückfällig.

Da seine Schuhe mehr kaputt als ganz waren, ging er am 21. Juni gegen 16.20 Uhr in einen Schuhladen des Stadtcenters und packte zwei Paar Schuhe seiner Größe in eine Sporttasche. Gesamtwert: rund 60 Euro. Allerdings war die Ware durch einen Chip gesichert, so dass er beim Verlassen des Geschäftes Alarm auslöste.

Eine Mitarbeiterin des Geschäftes nahm die Verfolgung auf und stellte den auffälligen Kunden an der Rolltreppe. Dieser ließ die Frau zunächst nur in das Seitenfach der Sporttasche schauen, ehe es ihr gelang, ins Hauptfach der Tasche zu gucken. Derart überführt, gab er der Frau das Paar Schuhe und wollte das Gebäude verlassen.

Die Mitarbeiterin des Schuhgeschäftes hatte sich allerdings mit zwei Fingern in einer Schlaufe der Tasche verfangen, so dass sie eine Prellung erlitt. Infolge des Handgemenges fuhren beide die Rolltreppe hinab. Im Erdgeschoss rückte der Dieb dann das zweite Paar Schuhe heraus, verließ das Stadtcenter und wartete in der Nähe auf das Eintreffen der Polizei. Er wurde festgenommen und kam einen Tag später in Untersuchungshaft.

Ähnlich wie der Angeklagte und dessen Bewährungshelfer machte auch der Verteidiger deutlich: „Der Staat hält hier Menschen ohne Geld sechs bis acht Wochen am langen Arm.“ Sein geständiger Mandant sei angesichts dieser Situation unter Druck geraten. Er plädierte für eine Bewährungsstrafe, während die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ein Jahr und zwei Monate ohne Bewährung beantragte.

Das Gericht verurteilte den 55-Jährigen nach ausgiebiger Beratung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr. Wenn es um die Stillung eines Grundbedürfnisses gegangen wäre, hätte er nur ein Paar Schuhe gestohlen.

Überdies habe der Angeklagte die Warnung bei dem Urteil am 30. März eines Diebstahls mit Waffen – sieben Monate zur Bewährung – nicht verstanden.

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