Kleinhau - Zwei Motocross-Fahrer wollen beim EM-Heimrennen auf den Podestplatz

Zwei Motocross-Fahrer wollen beim EM-Heimrennen auf den Podestplatz

Von: Franz Sistemich
Letzte Aktualisierung:
15382075.jpg
Mit Entschlossenheit und kühlem Kopf bestreiten Fahrer Tim Prümmer und Beifahrer Tobias Lange ihre Rennen in der Klasse der Seitenwagen. Nur so, sagen sie, kann man in Rennserien erfolgreich sein. Foto: Guido Barth
15382157.jpg
Tobias Lange und Tim Prümmer wollen auf den fünften EM-Platz. Foto: Guido Barth

Kleinhau. Das Wort Angst kennt Tim Prümmer natürlich, aber Angst hat der 19-Jährige nicht, wenn er seinem Hobby nachgeht: „Ich habe Respekt vor meiner Sportart, aber wirklich keine Angst. Denn wenn du Angst hast, machst du Fehler.“ Und Fehler will der junge Mann aus Bergstein so wenige wie möglich machen.

Beispielsweise am Sonntag. Prümmers Verein, der MSC Kleinhau, lädt wie üblich für Ende September zu seinem Rennwochenende auf die Motocross-Strecke am Raffelsberg ein. Und am zweiten Tag geht Tim Prümmer an den Start. Mit Beifahrer Tobias Lange kämpft er gegen 40 andere Gespanne aus ganz Europa in den letzten drei Läufen um wertvolle Punkte für die Endplatzierung in der Amateur-Europameisterschaft.

In der Rangliste liegen Prümmer/Lange auf dem sechsten Platz, Europameister können sie nicht mehr werden, aber die Ziele sind klar definiert: „Zum einen wollen wir noch auf den fünften Platz. Zwei Punkte liegen wir als Sechste hinter ihm. Zum anderen wollen wir durch gute Platzierungen in den drei Läufen bei der Tageswertung auf einen Podestplatz.“ Gelingt dies, dürfte ihnen Rang fünf sicher sein, mit dem sie vor Beginn der Saison nie gerechnet hätten.

Trotz seiner erst 19 Jahre hat Tim Prümmer schon 16 Jahre Motocross-Erfahrung. Vater Udo Cönen ließ ihn als Dreijährigen auf dem Einsteigermodell PW 50 die ersten Runden fahren. „Ich war mit ihm bei unserem Flutlichtmotocross, fand das so spannend, dass ich meinem Vater sagte, ich wolle auch Motocross-Fahrer werden.“ Der Vater, selbst aktiver Motocrosser, lachte nicht über den Wunsch, sondern nahm in ernst.

Stürze entmutigten den Knaben nicht, der fuhr Runden um Runden, Rennen um Rennen als Solofahrer. Bis vor zweieinhalb Jahren. „Da habe ich Gerd Blatter gesagt, ich wolle mal in einem Gespann fahren.“ Die Kleinhauer Gespannfahrer-Legende erfüllte den Wunsch. Doch wie kam Prümmer auf diesen Wunsch? Der 19-Jährige schmunzelt: „Wir hatten an einen Roller einen Fahrradanhänger geschraubt und sind mit diesem Gefährt gestocht.“

Ein Glücksgriff

Blatter ließ Kontakte spielen, der Neusser Markus Reipen stellte ein Seitenwagen zur Verfügung und half Prümmer auch bei der Suche nach einem Beifahrer. Tobias Lange, 28 Jahre, entpuppte sich als Glücksgriff. „Gespannfahren ist ein Teamsport. Fahrer und Beifahrer müssen 100-prozentig auf einer Wellenlänge liegen; schließlich hat der Beifahrer mindestens 50 Prozent Anteil am Erfolg“, erklärt Tim Prümmer.

Er und Lange verstanden sich sofort, jeder kann sich in jeder Rennsituation auf den anderen verlassen. „Du kannst während eines Rennens nicht diskutieren, ob du links oder rechts überholst. Wenn ich ansetze zum Überholen, reagiert Tobias nur Bruchteile von Sekunden später.“

Der Beifahrer ist nicht nur da, das Gespann durch Gewichtsverlagerung nicht umkippen zu lassen, „ein Beifahrer wie Tobias dreht beispielsweise durch eine Fußbewegung in der Luft das Gespann in die Richtung, in die es weiterfahren soll. Das zeichnet gute Beifahrer aus“. Der junge Prümmer profitiert aber nicht nur von der Erfahrung Langes.

Kaum mit Gold aufzuwiegen sind die Tipps, die Blatter den beiden MSC-Fahrern in Training und Rennen gibt. „Man sagt ja, dass man durch Fehler lernt, aber wir machen so manchen Fehler erst gar nicht, weil Gerd aus seinem unerschöpflichen Erfahrungsschatz uns immer wieder Hilfestellungen gibt.“

Angesichts des Könnens von Prümmer/Lange sowie der Tipps von Blatter, der auch als Mechaniker den Seitenwagen in Schuss hält, ist es vielleicht kein Wunder, dass die Kleinhauer die Deutsche Amateur-Meisterschaft wie 2016 gewonnen haben und dass sie am Sonntag auf ihrer Heimstrecke auf Platz fünf der Amateur-Europameisterschaft fahren können.

„Ich will besser werden“

„Damit hätten wir in der Tat zu Beginn der Saison nicht gerechnet“, sagt Prümmer, der eine Ausbildung zum Technischen Zeichner absolviert. Dass die zwei MSC-ler immer unter den besten zehn Fahrern der EM-Rennen ins Ziel kamen, hängt auch mit einem Entschluss Prümmers Ende vergangenen Jahres zusammen: „Ich habe mich auch angesichts der vielen Menschen, die mich als Sponsoren unterstützen, gefragt: Willst Du so weitermachen – oder willst du mehr?“

Die Entscheidung lautete: „Ich will besser werden.“ Folglich richtete Prümmer sein komplettes Leben ausschließlich auf Ausbildung und Sport aus. Der Erfolg gibt ihm recht, dass er auf Partys und ungesundes Essen beispielsweise verzichtet. Und so will er in der kommenden Saison noch professioneller werden. 2018 wollen er und sein Partner sich in Europa und Deutschland mit den Profis messen, ohne selbst Profi zu werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert