Zwei Jubiläen geben Anlass zum Blick in die Geschichte

Von: Gudrun Klinkhammer
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Vereinsvorsitzender Jakob van Kempen (li.), Helmut Servatius, Leiter des Tambourcorps und einige Ex-Karnevalsprinzessinnen des Dorfes freuten sich über die Neuerung an der Ellbachstraße. Foto: Gudrun Klinkhammer
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Dorfchronist Christian Balduin hat die Geschichte des Dorfes in einem Buch festgehalten. Foto: Gudrun Klinkhammer

Rommelsheim. Jeder Mensch benötigt Wasser. Doch nicht immer verfügten die Menschen über Wasserleitungen, die bis in das eigene Badezimmer hineinreichten. Am Samstag feierten die Rommelsheimer mit vielen Gästen aus den benachbarten Dörfern ein großes Straßenfest.

In der Ellbachstraße kamen einige Hundert Menschen zusammen. Dort, wo noch bis 1956 eine Wasserpumpe stand. Zwei Jubiläen gaben den Anstoß für die Veranstaltung. Seit 44 Jahren existiert der örtliche Kinderkarnevalsverein und seit 22 Jahren der Karnevalvereins Rommelsheimer „Knöppelches Jonge“.

Auf dem Programm des Dorffestes stand am Nachmittag ein Kindertrödelmarkt, ein Sternenmarsch befreundeter Tambourcorps, Unterhaltungsmusik der Band „Sound Generation“ und die Übergabe von „Os Pomp an d‘r Ell“ an die Dorfgemeinschaft. Die beiden Vereinsjubiläen gaben den Anstoß, in die Geschichte des Ortes Rommelsheim zurückzublicken. Ortschronist Christian Balduin und der Vorsitzende des Karnevalsvereins Knöppelches Jong, Jakob van Kempen, zeigten Bilder, in denen der Ellbach in den 1920er Jahren noch offen durch den Ort floss und auf dem Platz des heutigen Ehrenmals einen Löschteich speiste.

Damals lebten im Ort rund 300 Menschen. Sowohl an der Ellbachstraße als auch an einer weiteren Stelle in Rommelsheim stand jeweils eine Pumpe. Dort mussten die Menschen bis 1956 Wasser holen. Erst Mitte der 1950er Jahre wurde im Dorf eine Wasserleitung verlegt, an die die Häuser nach und nach angeschlossen wurden. Christian Balduin erzählt: „Wasserholen war damals ein Ausgleichssport für gestresste Hausfrauen, Baden oder gar Duschen war ein Luxus.“

Um zu baden musste ein Kessel auf einem Kohleherd erhitzt werden. Das heiße Wasser landete dann in einer Zinkbadewanne. Vier bis sechs Kinder pro Familie waren damals die Regel. Badetag bedeutete, so Christian Balduin: „Erst die Oma in die Wanne, dann die Eltern und anschließend die Kinder.“

Drei Wannen voller Wasser pro Badetag wären schon allein wegen des anfallenden Brennmaterials zu teuer gewesen. Also: Ein Abwasch für alle. Im Winter wurde das ganze Unterfangen noch mühsamer, denn nicht selten fror das Wasser im Schacht unter der Pumpe bei Minustemperaturen ein. In diesem Fall, so der Ortschronist, wurde Klempner-Meister Herbert Schmitz aus Binsfeld gerufen, der mit einer Lötlampe in den engen Schacht hinunterstieg und die Leitung wieder auftaute. Christian Balduin: „Das passierte manchmal zehn bis zwölf Mal pro Winter.“

Nach der Installation der Wasserleitung wurde die Pumpe abmontiert, der Schacht mit einer Eisenplatte verschlossen und dieser Abschnitt der Dorfgeschichte geriet in Vergessenheit. Als 1985 Paul Eugen Kügelgen allerdings Karnevalsprinz wurde, entwarfen die Karnevalisten einen Orden, den das Motto „Os Pomp an d‘r Ell“ zierte. Das Motto wurde zum Markenzeichen und im Jubiläumsjahr wieder greifbar. Denn Ortsvorsteher Franz-Josef Kügelgen enthüllte am Samstag eine eiserne Pumpe an der Ellbachstraße. Zwar ist diese nicht funktionstüchtig, sie erinnert allerdings an die Zeit, in der die Wasserleitungen noch nicht bis in das eigene Badezimmer hinein reichten.

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