Zwei Ahnenforscher auf den Spuren der Gemeinde Langerwehe

Von: Burkhard Giesen
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Ralph Becker (links) und Bert Rosarius aus Luchem haben bereits mehr als 30000 Urkunden für ihre Familienforschung gesichtet. Ihr jüngstes Projekt ist das Heiratsregister für Echtz von 1801 bis 1933. Foto: Burkhard Giesen

Langerwehe. Wenn Ralph Becker und Bert Rosarius zur Gemeindeverwaltung marschieren, weiß Standesbeamter Stefan Hansen, dass Arbeit auf ihn zukommt. Die beiden Ahnenforscher wühlen sich durch Dokumente und Urkunden, vor allem aber durch alte Standesamtsbücher. Jüngstes Ergebnis dieser Arbeit: das Heiratsregister von Echtz für die Jahre 1801 bis 1933.

Rund 2200 Urkunden haben die beiden Luchemer gesichtet, übersetzt und abgeschrieben und jetzt in Buchform herausgegeben. Das liest sich nüchtern, weil es nur Namen und Daten beinhaltet. Wie viel Arbeit dahintersteckt, kann man nur ahnen. „Ein Teil der Urkunden muss aus dem Französischen übersetzt werden, andere sind in Sütterlin oder Kurrentschrift abgefasst“, erklärt Ralph Becker. Dass die entsprechenden Urkunden bei den Standesämtern überhaupt vorhanden sind, ist der französischen Besatzung durch Napoleon zu verdanken.

Becker: „In anderen Regionen Deutschlands wurden Heiraten noch bis 1850 ausschließlich in Kirchenbüchern dokumentiert. Das hat Napoleon im Rheinland schon Jahrzehnte vorher abgeschafft.“ Becker und Rosarius haben im letzten Jahr schon das Sterberegister für Echtz erstellt. Allein dafür haben sie über 8000 Urkunden gesichtet.

Eine Arbeit, die sich lohnt, denn: „Diese Urkunden sind am Aussagekräftigsten, weil sie nicht nur die Daten der Verstorbenen, sondern auch der Angehörigen enthalten.“ So kann man schon mal unerwartet auf uneheliche Kinder in Familienstammbäumen stoßen oder auch dem eigenen Bürgermeister nachweisen, dass er – mütterlicherseits – Vorfahren aus Luchem hat, von denen er bis dahin nichts wusste.

30000 Urkunden

Das ist das eigentlich Spannende an der Arbeit von Becker und Rosarius, die für ihre vielen Bücher bereits über 30000 Urkunden gesichtet haben: der schnelle Zugriff auf die Daten, denn der Gemeinde Langerwehe stellen sie ihr Material digital zur Verfügung.

Becker: „Vor einiger Zeit war ein Ehepaar da, das stundenlang in mehreren Archiven nach einer Person geforscht hat. In Langerwehe konnten sie die in wenigen Minuten finden. An solchen Beispielen sehen wir dann auch, wie viel Nutzen unsere Arbeit bringen kann.“ Becker selbst nutzt sie aber auch für weitere Forschungen.

So ist er zum Beispiel darauf gestoßen, dass um 1815 der damalige Bürgermeister von Langerwehe in Urkunden auch Adressen mit Hausnummern notieren ließ. „Das war damals vollkommen unüblich. So konnte ich aber ein lückenloses Adressbuch für Langerwehe im Jahr 1815 erstellen“, erklärt der Luchemer. Und das berücksichtigt zudem noch, dass sich die Hausnummern in der Zwischenzeit natürlich geändert haben. Hilfreich war dabei ein Besitzstandsbuch von 1809, in dem Namen und Parzellen vermerkt waren.

Natürlich erhalten die beiden Ahnenforscher oft auch Anfragen mit der Bitte um Hilfe bei der Suche nach verstorbenen Angehörigen. „Es gibt da offenbar eine Schwelle. Wenn Menschen 50 werden, setzen sie sich oftmals mit ihren Vorfahren auseinander, kommen dann aber oft nur bis zu den Großeltern.“ Becker hat in solchen Fällen den Stammbaum dann auch schon mal um drei Generationen erweitern können.

Ein Ort fehlt noch

Ein Projekt steht für die beiden Ahnenforscher noch aus: Der Ort, in dem sie leben, nämlich Luchem, ist noch ein weißer Fleck auf ihrer Ahnenkarte. Das hängt damit zusammen, dass Luchem früher gemeinsam mit Stütgerloch und Jüngersdorf zum Amt Pier gehörte. Ralph Becker: „Die entsprechenden Standesamtsbücher von damals liegen heute bei der Gemeinde Inden. Die würden wir gerne aufbereiten, sie werden aber nicht freigegeben.“

Wirklich nicht? Der Anruf bei Indens Bürgermeister Jörn Lange-feld bringt ein für Becker überraschendes Ergebnis: „Wir wissen nichts von einer entsprechenden Anfrage und haben auch keine Probleme damit, dass die Urkunden eingesehen werden können“, sagt Langefeld und schiebt hinterher: „Herr Becker kann gerne sofort loslegen.“ Das wird er sich vermutlich nicht zweimal sagen lassen ...

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