Zum Tag des Kaffees: Besuch beim Kaffeeröster

Von: Stephan Johnen
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Gerd Schmitz ist Kaffeeröster aus Leidenschaft. Seit 1970 führt er den 1955 gegründeten Familienbetrieb am Dürener Kaiserplatz. Foto: Stephan Johnen

Düren. Schwarz. Ohne Milch, ohne Zucker. So trinkt Gerd Schmitz am liebsten seinen Kaffee. Gegen Espresso, Cappuccino und Latte Macchiato hat der 63-Jährige nichts einzuwenden, doch er mag das liebste Heißgetränk der Deutschen nun mal besonders gerne in Reinform. „Ein Kaffee muss nach Kaffee schmecken“, sagt Schmitz. Amerikanische Varianten, mit Aromastoffen und Sirup versetzt, kommen ihm nicht in die Tasse.

Schmitz ist so etwas wie ein Purist. Das Produkt, sagt er, muss für sich selbst stehen. Gerd Schmitz sagt das nicht nur so. Er lebt diese Philosophie. Er ist Kaffeeröster.

Am Samstag ist der „Tag des Kaffees“. Ein Tag, der als eine Hommage an die braune Bohne ins Leben gerufen wurde. Aber es ist auch ein Tag, an dem die Kunst des Kaffeeröstens im Mittelpunkt steht. Wir haben Dürens einzig übriggebliebene Kaffeerösterei besucht und uns von Gerd Schmitz das Geheimnis seines Handwerks erklären lassen.

Seit 1955 werden in der Kaffee-Rösterei Schmitz & Co am Kaiserplatz acht Kaffeesorten aus Anbaugebieten in aller Welt geröstet und sortenrein verkauft. Fünf Kaffeekompositionen wurden selbst entwickelt. „Mein Vater, meine Mutter und ein Kompagnon haben das Unternehmen 1955 gegründet“, blickt Schmitz zurück. Er übernahm dessen Leitung im Jahr 1970.

Im Oktober 1998 verlegte er die Rösterei vom Paradiesplatz ins Geschäft an den Kaiserplatz. Die Kapazität dort war zu groß. „Wir haben damals noch für die Bundeswehr geröstet und wir hatten ein eigenes Vertriebssystem“, sagt er. Kaffee wurde zur Zeit seiner Eltern noch von Vertretern verkauft – an der Haustür und am Küchentisch. „Damals gab es ja auch noch Hausfrauen“, sagt Schmitz augenzwinkernd und lacht.

Etwa 15 Tonnen Kaffeebohnen röstet er noch jedes Jahr. Die Rohware bezieht er über einen Importeur aus Bremen. In kleinen Mengen werden beim langsamen Trommelröstverfahren die Bohnen geröstet. Das dauert etwa 17 bis 20 Minuten. „Auge und Ohr müssen sehr aufmerksam sein“, sagt Schmitz. Ein „Knacken“ kündige an, dass die Bohnen fertig sind, doch letztlich sei es vor allem Erfahrung, die zähle.

Und Geduld. „Ich habe das Handwerk von der Pike auf gelernt“, sagt er. Von der Qualität des Rohkaffees überzeuge er sich gerne selbst. „Ich habe schon in Kenia an der Ernte teilgenommen und mir in Südamerika ein eigenes Bild verschafft“, berichtet er.

Doch wie steht es um die Kaffee-Kultur im Land der Geiz-ist-geil-Mentalität? „Wir haben Hochzeiten erlebt, aber auch Tiefs“, sagt Schmitz. Kein Verständnis hat er dafür, dass Kaffee trotz steigender Rohstoffpreise heute „wahrscheinlich das einzige Lebensmittel ist, das billiger ist als im Jahr 1960“. Der deutsche Volkssport, vor allem bei Lebensmitteln sparen zu wollen, sei nicht unbedingt förderlich für die generelle Qualität, formuliert er vorsichtig.

Für Manufakturen gebe es aber auch gute Nachrichten: „Heute ist Kaffee Ausdruck eines Lebensgefühls“, sagt Schmitz. Die Kunden seien bereit, für ein handwerkliches Produkt auch mehr Geld auf die Ladentheke zu legen. Viele junge Menschen seien auf den Geschmack gekommen. Da in kleinen Betrieben wie dem von Gerd Schmitz „alles zeitintensive Handarbeit“ sei, habe dieser Geschmack aber auch seinen Preis.

„Die Leute kommen von Köln und Mayen nach Düren“, sagt Schmitz. Wenn der Kaffeeröster auf Reisen geht, nimmt er übrigens seinen eigenen Kaffee mit. Eine Tasse Kaffee gehöre zum Start in den tag dazu. Am liebsten aus eigener Röstung.

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