Düren - Zum Durchatmen gibt es erstmal keinen guten Grund

Zum Durchatmen gibt es erstmal keinen guten Grund

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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So weit ist es noch nicht, aber zumindest denkbar angesichts der Schadstoffbelastung auf der Schoeller Straße: Umweltzone in Düren. Foto: ddp

Düren. Stickstoffdioxid ist ein Stoff, den man nicht unbedingt einatmen möchte, wenn es sich vermeiden lässt. An der Schoellerstraße lässt es sich gerade nicht vermeiden. Sie ist eine der Hauptverkehrsadern, die Düren mit der Autobahn verbindet.

Täglich rollen bis zu 25.000 Fahrzeuge über die Trasse ins Stadtzentrum oder eben andersherum. Dabei produzieren ihre Verbrennungsmotoren neben Feinstaub auch Stickstoffdioxid. Das Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat nach einjährigen Analysen der Luftqualität über eine Messstation erhöhte Grenzwerte festgestellt.

„Es ist sicherlich keine Panik geboten”, versichert Dr. Klaus Vogt vom LANUV. Stickstoffdioxid sei zwar ein auf die Atemwege einwirkendes Reizgas, aber die gemessenen Konzentrationen verursachten keine unmittelbaren gesundheitlichen Schädigungen. Dennoch gibt der für das Luftqualitätsmessnetz zuständige Chemiker zu Bedenken: „Grenzwerte werden nicht umsonst aufgestellt”. Die Behörden seien hier zum Handeln aufgerufen.

Eine Richtlinie der Europäischen Union zwingt die Behörden sogar zum Handeln: Über die regelmäßige Beurteilung der Luftqualität müssen die Mitgliedstaaten die EU-Kommission jährlich unterrichten. Sind die Grenzwerte für Schadstoffe dauerhaft überschritten, muss ein sogenannter Luftreinhalteplan aufgestellt werden, um die Immissionen zu vermindern.

„Planaufstellende Behörde” ist die jeweilige Bezirksregierung in Kooperation mit der jeweiligen Kommune. Luftreinhaltepläne sind innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu erstellen: Im Jahr nach der Grenzwertüberschreitung ist der EU-Kommission zu berichten. Bis zum Ende des dritten Quartals des Folgejahres muss der Luftreinhalteplan feststehen. Der Stichtag für Düren wäre nach Angaben des LANUV somit der 1. Oktober 2011.

In mehreren Städten des Rheinlands haben die Luftbelastungen durch den Autoverkehr dazu geführt, dass Umweltzonen eingerichtet wurden - darunter Köln, Düsseldorf und seit dem 1. Januar auch Bonn. Umweltzonen sind Gebiete, in denen wegen hoher Schadstoffbelastungen in der Luft nur solche Kraftfahrzeuge fahren dürfen, die bestimmte Abgasnormen einhalten. Wäre das auch für Düren denkbar? Klaus Vogt vom LANUV will das nicht völlig ausschließen. Positive Effekte ließen sich aber auch durch weniger drastische Maßnahmen erzielen. Man könne Emmissionen durch eine veränderte Verkehrstaktung verringern, indem man etwa die Müllabfuhr nicht gerade zur Hauptverkehrszeit ihren Dienst verrichten lasse, sagt Vogt.

Die Stadt Düren will erstmal das offizielle Ergebnis der Luftanalyse des Landesamtes abwarten. Alexander Knecht, Abteilungsleiter Straßen- und Verkehrsplanung im Tiefbauamt, weist auf geplante Bauvorhaben hin, die zu einer Entlastung der Schoellerstraße und damit auch zu einer verbesserten Luftqualität führen könnten: Der Landesbetrieb Straßen NRW plane, mit dem ersten Bauabschnitt der B 56n als Ostumgehung Düren möglichst noch im ersten Quartal zu beginnen. Und auch die Umsetzung der B 399n als Nordumgehung nehme immer konkretere Formen an.

Wenn sich die Straßenbauvorhaben nicht verzögerten, etwa aufgrund der wirtschaftlichen Lage, sei ein Luftreinhalteplan gegebenenfalls überflüssig, glaubt Knecht. „Dann müssen wir das Verkehrsaufkommen neu berechnen und mit den Prognosewerten abgleichen.”
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