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„Zug der Erinnerung” macht im April Halt

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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„Vergangenheit verstehen - Zukunft gestalten”: Unter dieses Motto hat die Veranstaltergemeinschaft das Rahmenprogramm gestellt. So gibt es beispielsweise in der Stadtbücherei eine Medienauswahl zu Nationalsozialismus, Holcaust und Rechtsradikalismus. Foto: Johnen

Düren. Die Reise in den Tod begann im Straßenbahnabteil. Von den Sammellagern aus wurden im März, Juni und Juli 1942 Dürens jüdische Familien zum Bahnhof gebracht.

Dort warteten für die erste Etappe Regelzüge der Deutschen Reichsbahn auf die Bürger, die nun Deportierte waren. Endstation waren die Konzentrations- und Vernichtungslager des NS-Regimes. „Allein aus der Stadt Düren wurden etwa 200 bis 220 Menschen in den Tod geschickt”, sagt Bernd Hahne von der Geschichtswerkstatt. Aus dem Gebiet des heutigen Kreises deportierten die Nazis nach bisherigem Kenntnisstand 72 Kinder und Jugendliche. Nur drei von ihnen überlebten den Holocaust.

Vergangenheit und Zukunft

Der „Zug der Erinnerung”, der von Freitag, 1. April, bis Samstag, 2. April auf Gleis 4 des Dürener Bahnhofs steht, erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus, erinnert an die Deportierten, erinnert besonders an die eine Millionen Kinder und Jugendliche, die über tausende Kilometer verschleppt wurden. Der Zug besteht aus mehreren Wagons, in denen die Geschichte der europäischen Deportationen während des Zweiten Weltkriegs in beispielhaften Biografien nacherzählt wird.

Der Stopp in Düren wird finanziell von einer Veranstaltergemeinschaft getragen, zu der unter anderem Verbände und Organisationen der katholischen Kirche, der Evangelische Kirchenkreis, die Dürener Geschichtswerkstatt und das Bündnis gegen Rechts gehören.

„Der Zug ist eine Chance für alle Zeitzeugen, das Thema noch einmal aufzugreifen”, sagt Peter Schongen vom Büro der Regionaldekane. Der Besuch des Zuges habe an anderen Orten gezeigt, dass „bei vielen Menschen versteckte Erinnerungen” ans Tageslicht kamen, dass das „verdrängte Thema Deportation” aufgearbeitet werden konnte. Zugleich richtet sich der Zug auch an die junge Generation. „Es darf nicht mehr passieren, dass Menschen am Straßenrand nur zuschauen, wenn Nachbarn deportiert werden”, sagte Bernd Hahne von der Dürener Geschichtswerkstatt. Der Zug sei eine sehr „gegenständliche Art der Erinnerung”.

Doch nicht nur das Verstehen der Vergangenheit steht im Fokus. In Düren gestalten die Organisatoren ein Rahmenprogramm, das helfen soll, Zukunft zu gestalten. Eine Zukunft ohne Rassismus, Ausgrenzung, Faschismus und Gewalt. Von der Ausstellung über die Filmvorführung bis zur Lesung sind bereits im Vorfeld Veranstaltungen geplant.

Auftakt ist die Eröffnung der Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland” am Montag, 21. März, 16 Uhr, im Dürener Rathaus. „Wir bauen Brücken” ist am Montag, 18.30 Uhr, ein Kulturabend im Haus der Evangelischen Gemeinde betitelt. Zu jeder Veranstaltung werden wir weitere Infos veröffentlichen.
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