Zufluchtsstätte: Heinrich-Böll-Haus wird saniert

Von: Stephan Johnen
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Am Montag haben die Arbeiten im Heinrich-Böll-Haus Langenbroich begonnen. Ende des Jahres sollen sie abgeschlossen sein. Foto: Stephan Johnen

Langebroich. Wie kein anderer deutscher Autor hat sich Heinrich Böll für verfolgte und bedrängte Schriftsteller eingesetzt. Gastfreundschaft war eine der Tugenden, die der Literaturnobelpreisträger sein Leben lang gegen Not, Verfolgung und Unterdrückung setzte.

Das von ihm als Refugium erworbene Haus in Langenbroich war daher stets auch eine Zuflucht für andere. Der berühmteste Gast war wohl Alexander Solschenizyn, der nach seiner Ausbürgerung aus der UdSSR im Februar 1974 bei Böll eine Unterkunft fand.

Seit fast 25 Jahren führt der Verein „Heinrich-Böll-Haus“ mit Unterstützung der Böll-Stiftung und des Landes NRW diese Tradition fort. Das Haus soll ein offenes Haus bleiben – und politisch verfolgten Künstlern Zuflucht bieten. Doch das Gemäuer, dessen Grundstein im 17. Jahrhundert gelegt wurde, muss dringend saniert werden. „Wir freuen uns, dass wir heute mit den Arbeiten beginnen können“, bedankte sich Dürens Bürgermeister Paul Larue als Vorsitzender des Trägervereins bei Karin Schmitt-Promny (MdL), der stellvertretenden Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Rheinland, und Harry Kurt Voigtsberger, dem Präsident der NRW-Stiftung. Denn sowohl der Landschaftsverband als auch die Stiftung fördern die Sanierung des Hauses mit jeweils 100.000 Euro. Den laufenden Betrieb stellt der Trägerverein, der auch Spendenmittel einwirbt und sich um Sponsoren bemüht, in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Land NRW sicher. „Für größere Reparaturen haben wir jedoch keine Mittel“, berichtete Larue.

Der Verein kooperiert bei diesem Projekt weitgehend mit der gemeinnützigen Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft „Low-tec“. Bis zu 15 junge Menschen können im Rahmen der Arbeiten praxisnah Erfahrungen sammeln und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Im Haus werden alle Wände neu verputzt, die Veranda, die als Veranstaltungsraum dient, erhält neue Fenster, die Wände und das Dach werden saniert und gedämmt. Auch alle Böden im Haus müssen abgeschliffen werden. Größte Baustelle: Alle elektrischen Leitungen müssen erneuert werden. Zudem wird das Außengelände neu gestaltet, der marode Pavillon im Garten, in dem Böll gearbeitet hat, wird neu gebaut. Bis zum Ende des Jahres soll die Sanierung abgeschlossen sein.

Derzeit leben zwei Stipendiaten mit jeweils einem Familienangehörigen im Haus. Seit 1991 haben 150 Künstler eine Zeit in Langenbroich verbracht. „Solche Zufluchtsstätten sind heute wichtiger denn je“, ist Harry Kurt Voigtsberger überzeugt.

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